Für alle Outdoor‐Kletter‐Fans: Klettern in Löbejün an Wänden, von denen einst Gesteinsbrocken abgesprengt wurden ist ein verdammt geiles Erlebnis. Die Sicht beschränkt sich nur auf die Wände, die vor einem liegen. Gefangen in einem Loch, aus dem man nur herausklettern kann.

Selbstverständlich ist der Steinbruch auch über einen steilen Pfad zu erreichen. Unten angekommen möchte man gleich wieder hinauf. Aber steil an der Wand hinauf! Wir kamen recht verkatert an dem Steinbruch an, aber als wir die Klettermöglichkeiten gesehen haben, war alles Menschen‐üble wie ausgekotzt.

Brüchiges Gestein und ein Todesfall

Im Gegensatz zu unseren anderen drei Begleitern/Mentoren waren zwei Freunde und ich zum ersten Mal dort. Sie hätten uns vielleicht nicht von dem Todesfall im letzten Jahr erzählen sollen, der sich dort ereignet hat. Oder von den herabfallenden Gesteinsbrocken. Aus irgendeinem Grunde wurde mir mulmig im Bauch als ich an der Wand hing. Ich prüfte jeden Tritt und Griff doppelt und kontrollierte mindestens 10000000 mal meine Sicherung, als ich am Umlenkpunkt das Seil löste. Die anderen beiden dachten vermutlich ebenso.

Umfangreiches Routenangebot

Die Schwierigkeitsgrade sind gut gemixt. Von einfach (4‐) bis nahezu unmöglich (9a) ist alles dabei. Leider hatten wir zu wenig Zeit, um zwei Seillängen zu klettern, aber die 35m können wir als höchstes Ziel unsererseits angeben. Ein kleiner Erfolg.
Ideal, um den Vorstieg zu üben, sind die kleinen, aber knackigen Routen. Technisch sind diese eigentlich einfach zu lösen, nur kommen bedenken auf, dass man bei einem Sturz auf irgendeinen Überhang unter einem fällt oder sich irgendetwas aufreißt/schlägt/bricht. Glücklicherweise blieben wir von Unfällen befreit. Aber im Kopf spielen sich echt grausame Filme ab, während man dort an der Wand hängt.

Zelten, Verpflegung und A‐A‐Topf

Zelten innerhalb des Steinbruchs ist erlaubt. Oben auf den Wiesen allerdings nicht. Jedenfalls „nicht erwünscht“. Da es allerdings im Steinbruch sehr kalt werden kann und sich morgens ein Nebel über den Boden schmiegt, kampierten wir auf einer Wiese im oberen Teil. Der Vorteil: ein unglaubliches Panorama bei Nacht über den Dächern der umliegenden Dörfer. Der Nachteil: Die komplette Kletterausrüstung muss den steilen Weg in den Steinbruch getragen werden. Das kann mit Flip‐Flops eine schmerzhafte Erfahrung werden.
Wer so ein Einstein war und sich auf alles vorbereitet hat außer auf die Nahrungseinnahme, kann sich in Löbejün in einem Edeka mit Essen & Co. eindecken. Die Vielscheißer haben ein kleines Problem, wenn sie sich davor scheuen, ihr heiliges Geschäft in der freien Natur durchzuziehen. Toiletten, Duschen und Waschräume sind nicht vorhanden. Dafür werden auch keine Campinggebühren eingezogen.

Steinbruch + Wasser = Klippenspringen!

Dazu hatten wir keine Möglichkeit. Dennoch ist ca. eine Stunde Fußmarsch der berühmte Steinbruch, in dem gebadet und getaucht werden kann. Das Wasser soll dort Tief genug sein, um von den hohen Klippen springen zu können.
Für Freunde des Klettersports ist Löbejün ein Hotspot. Egal, ob die Anfahrt zwei oder drei Stunden dauert. Wenn man an der Wand hängt, hat man das alles vergessen. Klettern in Löbejün rockt einfach!