„Täglich Arbeit – täglich Brot“ steht in fast jeder Almhütte der Bergbauern. Ihre Lebensaufgabe ist es, Haus und Hof ordentlich zu halten und durch ihr tägliches Schaffen die Familie zu ernähren. Vielen ist das nicht bewusst, aber tatsächlich ist diese Tradition unglaublich harte Arbeit. Wir besuchten ein paar Bergbauern in Südtirol und haben uns einen Eindruck verschafft. Was uns besonders auffiel – Geschichte und Tradition einer Bauernfamilie werden geschätzt. Ausgezeichnet mit ihrer Gastfreundschaft, werden die Bergbauern oft von Wanderern und Touristen besucht.

„Es gibt immer etwas zu tun“

Bereits früh am Morgen wird eine To‐Do‐Liste im Kopf erstellt, welche Arbeiten zu erledigen sind. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als transportieren die Bauern irgendwelche Dinge von A nach B. Der Schein trübt. Der Berghang muss gemäht werden (enorm großes Gefälle), das Gras muss getrocknet und in die Scheune transportiert werden. Von dort aus geht es zu den Tieren in den Ställen. Klingt einfach. Nebenbei fallen aber noch allgemeines Füttern der Tiere, Reparaturen und Wartung von Maschinen, Pflege und Schönheitsreparaturen am Hof an. Meist werden diese Aufgaben von Vater und Sohn erledigt.

Wir gehen zur Hand … ähm … zum Euter

Der Kuhstall weckte unser besonderes Interesse. Als wir über die Türschwelle traten, schauten uns 15 sanftmütige Geschöpfe an. Zahm sind die Damen. Der Bauerssohn erzählte uns einiges zum Thema Melken. Zwei Mal am Tag werden die Euter der Kühe geleert (morgens und abends). Erst werden die Kühe gefüttert, damit sie ruhiger sind. Danach wird der Schemel geschnappt und mit warm Wasser das Euter gereinigt. Anschließend wird kurz per Hand „angezapft“. Hier dürfen wir auch Hand anlegen. Das Melken funktioniert erstaunlich einfach. Ist die Handarbeit erledigt, wird die Melkmaschine angeschlossen. Hier verfliegt die Vorstellung von Tradition. Allerdings wird uns berichtet, dass die Anlage erst im Februar angeschlossen wurde. Vorher wurde die Arbeit mit reiner Muskelkraft betrieben. Eine gute Kuh gibt 30‐35 Liter Milch am Tag. Keine einfache Arbeit früh am Morgen oder am späten Abend.
„Da weiß man, was das eigentlich für schwere Arbeit ist.“ Berichtet uns der junge Bauer, während er eine weitere Kuh an die Melkanlage anschließt.
Die Milch gelangt über ein Rohrsystem in einen Tank, der das weiße Gold auf 6°C abkühlt. Am nächsten Tag wird die Milch ins Tal zu der hiesigen Käserei und Molkerei gefahren. Dort stehen bereits die ersten Kunden Schlange, um etwas von den Köstlichkeiten zu erlangen.

Es funktioniert!

Riesige Betriebe mit unzähligem Vieh? Große Distanzen zu Verarbeitungshallen? Dumpingpreise für die bäuerlichen Erzeugnisse? Hier nicht! Genau das hat uns angenehm überrascht. Im Sommer wird die Arbeit unter mehreren Bauern aufgeteilt. Einer kümmert sich um die Kühe der anderen. Einige legen dann mit der Herde 40km am Tag zurück, um den Tieren Auslauf und Abwechslung zu bieten. Kälber tollen an den Hängen herum, Ziegen klettern auf Baumstämme und Felsen. Durch die regionale Verarbeitung, die nicht auf Massenware für die ganze Welt ausgerichtet ist, fühlen sich nicht nur die Tiere, sondern auch die Bergbauern wohl. Und außerdem, ob man es glaubt oder nicht, geschmacklich grenzt sich dies deutlich von der Massenware ab.