Auf Einladung.

Ich nehme einen tiefen Atemzug. Die Luft ist so kühl und frisch, dass sie in der Lunge sticht. Der Pulverschnee, der sich bei der letzten Abfahrt in meinem Gesicht verfangen hatte, ist jetzt gefroren und beißt in meine Wangen. Ich nehme die Schneebrille ab und muss blinzeln, weil mich die in Watte gebettete Landschaft blendet.
Und während mein Blick über die schneebedeckten Hänge schweift, frage ich mich, wieso es mich aufs Neue hierher verschlagen hat.
Wieso eigentlich immer Tirol?

Mit fünf Jahren war ich mit meinen Großeltern zum ersten Mal im Skiurlaub. Gut, ich habe mehr Zeit mit dem Hintern im Schnee als auf Brettern verbracht. Obwohl ich das Gedächtnis einer Eintagsfliege habe, kann ich mich noch gut an unsere Unterkunft am Fuß des Hintertuxer Gletschers erinnern.
Von dort unten gesehen, war er für mich der größte Berg der Welt. Nach all den Jahren hat der Gletscher seinen Zauber nicht verloren, und für mich ist er immer noch genauso groß wie damals. Seitdem habe ich ihn oft besucht.

Mittlerweile durfte ich auch einige Tiroler näher kennenlernen, ganz besondere Menschen. Wie zum Beispiel Familie Kratzer vom Ortnerhof in Prägraten, bei der ich wie ein König speisen durfte.
Oder Familie Neururer vom Brunnenkogel in St. Leonhard, bei der es besonders urig war.
Oder Familie Schneeberger vom Tuxerhof in Tux. Bei ihnen durfte ich zuletzt Gast sein und neben vorzüglichen regionalen Köstlichkeiten auch die ansehnliche Saunalandschaft genießen.

Ich als Berliner fühlte mich hier sofort heimisch, denn schon beim ersten Händedruck wurde das „du“ angeboten. Sagt was ihr wollt, doch hier sind die Leute noch einen Tick freundlicher als anderswo. Das liegt sehr wahrscheinlich an der Umgebung – würde ich im Gebirge wohnen, zwischen saftigen Wiesen und klaren Bächen, wäre ich auch zufrieden und froh.
Anfangs etwas wortkarg, doch so mancher Tiroler ist nach einszwei Getränken an der Bar aufgetaut und hat tolle Geschichten mit mir ausgetauscht.

Wie neulich auch Christoph, mit dem ich mir eine heiße Oma geteilt habe. Von ihm habe ich erfahren, dass er nicht nur Tourenguide ist, sondern auch viel Zeit auf der Alm verbringt. Außerdem ist er zur Stelle, wenn auf einer Skihütte Arbeit anfällt. Damit ist er der erste Freelancer ohne Laptop, den ich kennenlernen durfte.
Zum Verständnis: Bei der heißen Oma handelte es sich um ein Heißgetränk mit Eierlikör.
Nur sollte man immer bedenken, dass man nach all der Hüttengaudi auch noch den Berg hinunterkommen muss. Ein Tiroler macht das mit links.

Von Elisabeth Kröll vom Tourismusverband Tux‐Finkenberg erfahre ich, dass Land‐ und Viehwirtschaft in der Region auch heutzutage eine wesentliche Rolle spielt. Die Arbeit der heimischen Bergbauern ist noch immer eine Vollzeitbeschäftigung und wird mit Herzblut betrieben.
Tourismus ist zwar wichtig für die Region, jedoch nur in Maßen. In der Region Tux‐ Finkenberg wird besonders darauf geachtet. Wie alle anderen Wirtschaftszweige soll auch der Tourismus nachhaltig wachsen, im Einklang mit der Natur. Eine Maßnahme dafür sind die ausgeprägten Busverbindungen. So sind weniger einzelne Autos unterwegs und die Besucher können sich entspannt von A nach B fahren lassen. Auch nutzen die Tourismusbetriebe vorwiegend heimische Erzeugnisse, was die Produzenten vor Ort unterstützt, aber auch dem Charme der Unterkünfte zugute kommt.

Elisabeth war es auch, die mir mein neues Lieblingsrestaurant zeigte, die urige Bergfriedalm. Neben den verteufelt guten Wildspezialitäten durfte ich dort auch den bisher besten Kaiserschmarrn meines Lebens genießen! Zufällig las ich auf meiner Hinreise im Pleasure Snowboard Magazin einen Artikel über Pro Snowboarder Marco Grilc, der genau hier in der Bergfriedalm einige Tage verbrachte. Inhaberin Frau Stock erzählt, dass Herr Grilc hier gern des Öfteren verweilt, um am nahegelegenen Gletscher an seinen Tricks zu feilen.
Die ganze Zeit frage ich mich, wieso mir Frau Stocks Name so bekannt vorkommt, bis es bei mir endlich Klick macht. Sie ist die Mutter des bekannten Pro Snowboarders Werni Stock! Ob er auch immer hier übernachtet? Nein, meint sie, er bereist meist andere Regionen, um dort die Berge unsicher zu machen.

Tirol ist einer der vielseitigsten Orte, die ich je bereist habe.
Allein die Vielfalt der sportlichen Aktivitäten ist beinahe unendlich: Wintersport wie Snowboarden, Schneeschuhwandern, Eisklettern, Snowkiten oder Alpinsport wie Wandern, Höhlentrekking, E‐Mountainbiken, Paragliding.
Neben der körperlichen Ertüchtigung darf die Entspannung danach nicht zu kurz kommen. Dafür gibt es unzählige Spas, Thermen, oder Bäder in Tirol. Mein Favorit sind jedoch eher die schönen Holzsaunen. Schwitzen nach dem Schwitzen. Damit klingt der Tag perfekt aus.

Was alle Aktivitäten erst besonders schön macht, ist die Verbindung mit der Natur. In ganz Tirol gibt es 573 Dreitausender. Da kommt jeder Outdoorfreak auf seine Kosten. Auch hier wird viel Arbeit in den Bereich Nachhaltigkeit gesteckt, besonders in den Erhalt der Berge und Gletscher. Von Matthias Dengg von den Zillertaler Gletscherbahnen erfuhr ich, dass die Stützen für die Skiliftanlagen bis zu drei Mal pro Jahr versetzt werden müssen.
Außerdem kämpft man gegen die spürbare Gletscherschmelze mit künstlicher Beschneiung und Schneeauffang. Eine weitere Maßnahme ist das Abdecken des Gletschers während der wärmeren Monate. All diese Aufwendungen tragen dazu bei, den Hintertuxer Gletscher als einziges Ganzjahresskigebiet Österreichs zu erhalten.

Deshalb komme ich immer wieder zurück nach Tirol.
Wegen der intakten, vielerorts unberührten Natur, der Vielfalt an sportlichen Möglichkeiten, wegen des geglückten Spagats zwischen Aufbau verschiedener Wirtschaftszweige und Erhalt von Tradition. Natürlich werde ich weiterhin auch andere Orte erkunden. Doch eines bleibt für mich sicher:

Für immer Tirol.

Meine Reise nach Tux‐Finkenberg fand im Rahmen des Bergwinter Tirol statt. Vielen Dank an Familie Schneeberger für die schöne Unterbringung im Tuxerhof, danke an Elisabeth für einmalige Tipps und ein tolles Gespräch, danke an das Team der Bergfriedalm für den weltbesten Kaiserschmarrn und den Schnaps, und noch einmal vielen Dank an Manuela von Tirol Werbung für die gute Organisation!