Auf Einladung.

Unruhen brechen in den ach so friedlichen Straßen des märchenhaften Norwegens aus. Fahnen werden geschwungen, Feuer entfacht, Musik erklingt. Wir leben in keiner perfekten Welt. Blickt man in die Geschichte eines Paradieses, lässt sich die Schattenseite erkennen. Es sind eben diese Hintergründe, die von offizieller Seite verborgen werden. Wie der Bezirk Svartlamon. Der Stein im Schuh der Stadt Trondheim.

Dabei fing doch alles so gut an. Einst ein traditionelles und harmonisches Viertel. Tüchtige Arbeiter, fröhliche Familien und fortschrittliche Studenten prägten das Straßenleben.
Dann kam die Modernisierung.

Trondheim wollte sein Stadtbild der Moderne anpassen. Sterile Luxuswohnung‐Architektur schoss wie Unkraut aus dem Boden. Alte Häuser wurden abgerissen, Mieten erhöht, Studenten suchten verzweifelt Wohnungen. Als die Bagger vor dem Viertel Svartlamon standen, stießen sie auf Widerstand. Die Einwohner wollten sich nicht vertreiben lassen und wehrten sich mit aller Kraft gegen die geplanten Umbauten. Die Politik kämpfte gegen Aufstände, Hausbesetzungen und Demonstrationen. Auch Norweger lassen sich nicht alles gefallen. Ein Beispiel, dem wir in Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln folgen sollten. Wohin sind unsere Alternativen abgetaucht?

Und wie sieht Svartlamon heute aus? Alte, bunt bemalte Holzhäuser, kreativ eingerichtete Hinterhöfe, an Bäumen herunterhängende Puppen, die leblos vom Wind gewogen werden ‐ eine Welt ohne Regeln, unkonventionell bis ins kleinste Detail. Erkennbar auch an den Bewohnern. Mit hochgehaltener Schnapsflasche wurden Oli und ich eingeladen, abends auf einen Drink vorbeizuschauen, als wir die Hinterhöfe erforschten. Hätten wir mehr Zeit gehabt, ich hätte diese freundlichen Menschen gern kennengelernt.

Einige werden sich schwer tun, dieses Viertel überhaupt zu finden. Auf offiziellen Karten ist es nicht eingezeichnet. Begibt man sich jedoch nord‐östlich des Stadtzentrums nach Lademoen, ist an einer Brücke das Eingangsschild „Svartlamon“ zu entdecken. Selbstverständlich versuchen die Bewohner wirtschaftlich unabhängig zu sein. Diese Haltung gegen die Unmöglichkeit spiegelt sich in alternativen Cafés, wie dem „Ramp“, oder den ökologischen Lebensmittelläden wider.

Leben und leben lassen. Auch wenn Svartlamon heute wie eine kunterbunte Welt aussieht, symbolisieren Risse in der Fassade die harte Zeit, die hinter ihnen liegt. Respektvoll sollte damit umgangen werden, oder man lässt sich selbst hängen wie eine Puppe, die im Wind gewogen wird.

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In Zusammenarbeit mit Visit Norway, Northern Lights und der Flugesellschaft Wideroe sind wir eine Woche durch Norwegen geflogen und haben bemerkenswerte Orte erlebt.