Auf Einladung.

Es gibt 53 verschiedene Arten von Eskimorollen. Ich beherrsche nicht eine davon. Stefan auch nicht. Kein Problem! Unser Guide Sander zeigt sie uns. Das Wasser im Sognefjord ist immerhin noch angenehme 11 Grad warm. Sander ist sich nicht mehr ganz sicher, ob er die Rolle noch drauf hat. Aber das ist kein Problem, sagt er.
Im Notfall müssten wir halt hinterherspringen.

Wir sind gerade erst ins Kajak gestiegen. Vor uns liegt eine Tour durch Sogndal und Umgebung. Stefan werkelt gerade noch an der Steuerung herum und ich schaue mir die Landschaft genauer an. Plötzlich taucht vor uns eine Flosse auf. Ein Delfin? So ein Scheiß, denke ich mir. Delfine im Sognefjord in Norwegen, alles klar. Sander meint, wir sehen gerade den kleinsten Wal der Welt. Einen Wal? Ich habe in freier Natur zwar noch nie Wale gesehen, aber dieser erscheint mir doch sehr klein. Der Zwergwal wird nur höchstens einen Meter fünfzig groß, bringt dafür aber 100 Kilo auf die Waage. Ein kleiner Fetter also. Von dieser Begegnung waren wir so überrascht, dass wir ihn nicht einmal vor die Linse bekommen haben.

Nun sind wir gespannt, was es sonst noch zu sehen gibt. Sander hält an der nächsten Insel. Während wir noch anlegen, kommt schon eine kleine Herde Ziegen auf uns zu. Sie werden hier auf der Insel mitten im Fjord gehalten ‐ so muss der Bauer keine Zäune bauen. Da die Tiere nicht schwimmen können, fliehen sie nicht. Sander hat Brot zum Füttern mitgenommen. Und so sitzen wir drei Männer in unseren Kajaks und füttern die auf der Insel gestrandeten Ziegen.

Langsam bekommen auch wir Hunger. Nachdem wir dem Flusslauf noch eine Weile gefolgt sind, legen wir an einer kleinen Halbinsel an. Dort machen wir unsere Pause, mitten in der Idylle von Sogndals wilder Landschaft. Sander lädt uns auf Apfelsaft und Nüsse ein, beides aus der Region. Was für ein Genuss! Nebenbei schwärmt er von Sogndal. Unsere Augen werden dabei auch immer größer. Vor uns liegt ein wahres Outdoormekka. Wassersport, Bergsport, alles möglich. Stefan schielt schon zu den Kletterfelsen hinüber, von denen Sander nur in den höchsten Tönen redet. Die Berge wollen wir am nächsten Tag bei einer Trekkingtour erkunden.

Nach der Kajaktour und einer Stärkung wollen wir noch ein paar Biere einkaufen gehen. Wir sind in der Sogndal Lodge untergebracht. Dort werden abends noch weitere Gäste erwartet und wir möchten sie mit einem Umtrunk begrüßen. Mittlerweile ist es kurz vor 22 Uhr und wir haben keine große Hoffnung, noch eine geöffnete Kaufhalle zu finden. Doch dann wird Stefan fündig. Die Szene im Supermarkt spielte sich ungefähr folgendermaßen ab:

Geil, der Laden hat noch bis elf geöffnet! Ha! Tolles Land!

Wir stürmen zu den Kühlschränken, greifen uns Bier, laufen zur Kasse. Ein freundliches Lächeln auf dem hübschen Gesicht der Kassiererin. Das freundliche Lächeln teilt uns mit, dass hier leider kein Bier nach acht Uhr abends verkauft wird.

Ach komm schon! Ja, das hatten wir schon wieder vergessen. Ganz im Ernst, mit diesem Land stimmt doch was nicht!

Später sagen uns die neuen norwegischen Gäste in der Lodge, dass es so etwas früher nicht gegeben hätte. Da hätten wir zu keiner Zeit Alkohol bekommen!

Sander führt uns durch die Lodge ‐ er ist nicht nur Guide, sondern auch Miteigentümer des Hauses.Wir finden die Hütte großartig. Sie bietet Unmengen an Platz und ist mit viel Liebe zu Details eingerichtet. Dazu gehören persönliche Erbstücke wie alte Skier und ein riesengroßer selbstgebauter Holztisch, der das Zentrum des Aufenthaltsraumes bildet.

Nach einer guten, aber kurzen Nacht in der Sogndal Lodge wartet schon eine Trekkingtour auf dem Blue Ice Glacier auf uns. Er hört auch auf den Namen Nigardsbreen und liegt im Nationalpark von Jostedalen. Wir erreichen den Fuß des Berges mit dem Boot. Der See hat sich durch die Bewegung des Gletschers gebildet, denn jedes Jahr zieht sich die kalte Masse um einen Meter mehr zurück. Unser Guide begrüßt uns in einem provisorischen Unterstand, gibt uns Steigeisen und los geht’s. Obwohl wir auf jeden unserer Schritten achten müssen, können wir unsere Augen nicht vom Eis lassen. Die Farbe und das Geräusch, das die Steigeisen erzeugen, sind so faszinierend ‐ wir müssen stehenbleiben, um es zu begreifen.

Willst du mehr über Norwegen erfahren? Super! Dann verfolge einfach unsere nächsten Beiträge. Hier kommst du zu unserer vorherigen Etappe: Nordfjord. Unser nächster Stopp: Bergen.

In Zusammenarbeit mit Visit Norway, Northern Lights und der Flugesellschaft Widerøe sind wir eine Woche durch Norwegen geflogen und haben atemberaubende Orte entdeckt.