Eine Reise in Kooperation mit Visit Norway, Northern Lights und der Flugesellschaft Widerøe.

Auf Einladung.

Alternative Titel für diesen Artikel:
„Eine Stadt in den Bergen“
„Wenn man keine Berge(n) besteigen möchte“ „Das Gebergen‐Gebirge wird geboren“
„Wir wollten Berge(n) bezwingen!“

…allesamt Schenkelklopfer meiner Oma. Dann mal los:

Der Straßenmusiker klappte seinen Gitarrenkoffer mit den hart erspielten Münzen zu. Das Publikum applaudierte. Er ging auf die Yacht, die hinter ihm im Hafen ruhte, und ließ sich vom Butler einen Champagner eingießen.

Ich beobachtete die Szenerie, während Oli und ich unser mühsam erarbeitetes Geld gegen eine Pizza und zwei Bier bei Peppes Pizza eingetauscht hatten. In Ländern wie Mexiko hätte ich dem Kellner einen Zehner dafür gegeben. Damit hätte ich Tischrechnung und Trinkgeld beglichen. Jedoch waren wir in Bergen. Noch dazu speisten wir am traditionellen Hafen dieser norwegischen Stadt. Dem ehemaligen Handelsknotenpunkt der Hanseaten. Wir zückten unsere Kreditkarten.

Ich gebe zu, mit Städten habe ich es nicht so. Berge, Wälder, hin und wieder auch das Meer ‐ das sind meine essenziellen Elemente einer Reise. Städte fallen durch das Sieb. Ein interessanter Punkt im Hintergrund der Tatsache, dass ich aus Berlin komme. Eine Kleinstadt in der Nähe von Potsdam. Dies macht diese Ansicht unglaubwürdig und verständlich zugleich. Ein unglaubwürdiges Verständnis der Dinge. Könnte eine Headline sein. Städte, egal wie groß, lassen mich wie eine Maus durch die Straßen rennen. Ähnlich der Maus aus einer Erzählung von Kavka. Sie beschreibt die erdrückenden, riesigen Wände, die immer näher zu scheinen kommen, bis sie sich letztendlich umdreht und von der Hauskatze verspeist wird. Sie war ein Opfer der Leichtgläubigkeit. Jetzt dient Kavkas Werk als Türstopper meiner Zimmertür aus.
Die praktische Seite der Literatur.

Wie die Maus ergeht es mir, wenn ich durch Städte schlendere. Kommen noch viele Gassen hinzu, wird es kuschelig. Und in Bergen gibt es viele Gassen. Es sind aber nicht diese unangenehmen kleinen Gassen wie in Venedig oder Amsterdam. Vielmehr geben sie ein „Huch, ein Hinterhof“‐Gefühl. Liebevoll gestaltet und beruhigend, weil menschenleer. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich in der Nacht die Junks derbe zuknallen und die Gassen für sich beanspruchen. Dadurch legen sie einen Schatten auf die Bezeichnung Gassen. Wenn dem so ist, würde ich es gerne mit meinen eigenen Augen sehen. Es könnte aber auch reine Spekulation sein.

Bergen ist ein sehr guter Anwärter für die Kategorie „Städte, in denen ich leben möchte“. Das Gesamtbild wirkt so unglaublich harmonisch. Die schicken kleinen Häuser, die Straßen aus Kopfsteinpflaster, die kleinen kreativen Läden, diese Individualität ‐ es wirkt alles so ehrlich und verständnisvoll. So wie überall in Norwegen.

Dass Norwegen verständnisvoll ist, erkennt man an den Reaktionen der Tragödie vom 22. Juli 2011. Die Welt berichtete. In den ersten drei Tagen nach dem schrecklichen Ereignis zeigte der Ministerpräsident in erster Linie Menschlichkeit. Er forderte die Norweger auf zu trauern und zeigte ihnen selbst, wie Trauer ausgedrückt werden kann. Er weinte vor laufender Kamera. Sein Kopf lief rot an. Danach nahm er sich für jeden Angehörigen der Opfer persönlich Zeit, um mit ihnen zu reden. Er unternahm nicht eine übereilte politische Handlung. Es wurden keine neuen Gesetze geschmiedet. Politisch gesehen hat sich nichts geändert. Was jedoch von großer Kraft zeugte: Weltweit zeigte diese politische Führung, dass ein Volk in schwierigen Zeiten nichts anderes braucht als Menschlichkeit und Zuneigung.
Ich erinnere mich an einem Satz, den unser Guide in Sogndal zum Thema gesagt hat. Er hat sich vorsichtig ausgedrückt, damit wir ihn nicht falsch verstehen: „Wir können von Glück reden, dass diese schreckliche Tat von einem Norweger vollzogen wurde.“ In Norwegen leben 12 % Einwanderer.

Au ha, jetzt habe ich aber weit ausgeholt. Wie schaffe ich nur die Brücke zurück nach Bergen? Genau. Als ich im Café Aura saß und das Treiben beobachtete, fielen mir vielmehr die Touristen, als die Einwanderer auf (Oh well, dieser Übergang war flach). Das Café Aura ist jedenfalls ein super Spot, um das Treiben beobachten zu können. Außerdem bieten die jungen Inhaber so leckeren Kuchen an, dass ich kurzerhand vergessen konnte, dass mir von Kuchen eigentlich schlecht wird. Naja, bis mir dann wieder schlecht wurde. Was aber immer wieder sehenswert ist: Die unglaublich schönen Frauen.
Das ist kein Vorurteil.
Das ist Tatsache.
Das Leben fühlt sich gut an, wenn der Großteil der weiblichen Bevölkerung problemlos mit der neuen Generation von Model verglichen werden können. Nicht diese Bohnenstangen, sondern natürliche Schönheiten. Sicherlich denkt die andere Seite ebenso über die Männerwelt in Norwegen. Bergens Schönheit zeigt sich also nicht nur in der typisch norwegischen Holzhausarchitektur.

hihi…

Diese ist übrigens im Stadtteil Bryggen, dem Kai, besonders ansehnlich. Der komplette Hafen besteht aus Holzhäusern. Sie dienten als Kontore ehemaliger Hanseaten. So viel Holz lässt das Feuer im Pyromanen entfachen. 1702 brannte ein großer Teil nieder, wurde jedoch 1965 originalgetreu nachgebaut. Da ließ sich jemand Zeit.

Eher prachtvoll als funktionell sind hingegen die massiven Bauwerke. Ist auch eine schwierige Angelegenheit aus Holz ein prachtvolles Haus zu schnitzen. Speziell die Kunstmuseen Kode 1‐ 4, die in vier Bauwerke und vier Themen aufgeteilt sind, haben meine Fantasie beflügelt. Endlich wieder klassische Kunst. Ich bin ja nicht der gebildete Kunsthistoriker und die Grenzen in Sachen Museumskunst sind bei mir recht klein gehalten. Aber gerade deswegen genoss ich es regelrecht, in ein klassisches Gemälde einzutauchen. Gerade weil ich in Berlin permanent mit dieser fragwürdigen Hipsterkunst konfrontiert werde, über die sich die Betrachter stundenlang austauschen. In einer Ausstellung vor einigen Jahren sah ich nur einen zusammengefegten Laubhaufen mit einem von der Decke hängendes Ahornblatt. In einem sonst leeren Raum. Ich weiß manchmal nicht, ob sich die Dinge dadurch in eine falsche Richtung bewegen und wir unsere Sicht auf Kunst verlieren. Die jungen Kreativen sollten der Tradition und Klassik eine Chance geben und sich nicht von der Moderne blenden lassen. Schließlich kommt die neue hektische Kreativität ursprünglich von den großen Künstlern früherer Epochen. Ach, ich weiß auch nicht.

Was das mit Bergen zu tun hat? Denke ich an Bergen zurück, hat sich ein Stadtteil besonders festgesetzt. Blöderweise habe ich den Namen nicht herausbekommen. Eine eigene kleine Welt auf einem Hang, die vom Hafen aus am Ende der Straße Vetrlidsallmenningen zu erreichen ist. Ich sehe junge Erwachsene, die sich ihre Zukunft in den Bars und Cafés wie Legosteine aufbauen. Sie lachen, sie erschaffen, sie träumen. Zwischen weißen Holzhäusern, die keine 1,5 Meter auseinanderstehen sitzt sie, die Zukunft Bergens, die Zukunft Norwegens. Zwischen Häusern, die so kleine Wohnungen in sich tragen, dass sie nicht mehr klein, sondern gemütlich sind. Gemütlichkeit, das ist es, was ich in Bergen gefunden habe. Eine Stadt mit Gemütlichkeit. Und welche Stadt kann das schon von sich behaupten?

Willst du mehr über Norwegen erfahren? Super! Dann verfolge einfach unsere nächsten Beiträge. Hier kommst du zu unserer vorherigen Etappen: Sogndal und Trondheim.

In Zusammenarbeit mit Visit Norway, Northern Lights und der Flugesellschaft Widerøe sind wir eine Woche durch Norwegen geflogen und haben bemerkenswerte Orte entdeckt.