Wenn ich an Prag denke, dann denke ich ans Café Louvre. Dieses beeindruckende, altehrwürdige Prager Kaffeehaus ganz in der Nähe des Nationaltheaters (narodní divadlo). Hier war schon Franz Kafka regelmäßig Gast und diskutierte mit Max Brod seine Werke. Die Zeitung raschelt, als Johanna zur nächsten Seite umblättert. Im Hintergrund ein lautes, summendes Stimmenwirrwarr der vielen Gäste an diesem Nachmittag. Und da ist immer noch derselbe Kellner von vor neun Jahren, der uns gerade zuzwinkert. Ich schlürfe mit geschlossenen Augen meine heiße Schokolade (horká čokoláda). Die beste, die ich je getrunken habe. Kein Pulvergemisch, sondern vielmehr wie heiße, flüssige, zuckersüße Vollmilchschokolade.

Nachdem wir uns wieder in unsere Mäntel eingewickelt haben, laufen wir schnell rüber ins Staatstheater (státni opera). Von den höchsten Rängen aus lauschen wir bedächtig den Klängen von Mozart’s Zauberflöte, ganz wie in alten Zeiten.

Am nächsten Tag geht unsere Reise durch die Prager Kaffeehäuser weiter. Wir frühstücken im pompösen Art Deco Café Imperial. Der Besuch dieses Glanzstücks lohnt sich schon allein wegen der atemberaubenden Inneneinrichtung im Jugendstil. Nach einem Abstecher ins Jüdische Viertel Josefov wärmen wir uns mit einem Milchkaffee in der Studentenkneipe Hany Bany auf und laufen anschließend über die Karlsbrücke auf die Prager Kleinseite (mála strána).

Hier geht das Café‐Hopping weiter, diesmal in der wunderschön eingerichteten Cukrkávalimonáda. Nachdem wir es geschafft haben, dieses Zungenbrecher über die Lippen zu bringen, bestellen wir uns erstmal palačinky, eine Art Prager Eierkuchen mit Apfelmus.

Mit der Abendsonne im Gesicht spazieren wir später an der Moldau entlang Richtung Wenzelsplatz zum Kino Lucerna. Neben einem Programmkino gibt es hier ‐ genau ‐ auch ein sehr schönes Café aus den 1920er Jahren, die Kavárna Lucerna. Nirgendwo sonst hat man wohl beim Ausblick eine kopfüber‐hängende Pferdeskulptur von David Černý vor der Nase.

Café‐ und Kaffeeliebhaber kommen in Prag definitiv auf ihre Kosten. Und da Prag eine kleine Großstadt ist, kommt man gut zu Fuß überall hin. Vor allem im Winter ist Prag eine Reise wert. Die gemütliche Prager Kaffeehauskultur lernt man doch erst so richtig zu schätzen, wenn man sich halb erfroren in einem gemütlichen, warmen Café aufwärmen kann.