Steven beim Canyoning im Chassezac, Frankreich

Steven im Canyon des Chassezac in der Lozère, Frankreich

Ich traue meinen Augen nicht. Was tue ich hier? Was ist bloß mit meiner Vernunft geschehen? Ich sitze auf einem Felsen im Canyon des Chassezac in der Lozère in Frankreich. Auf meinen Rücken prescht das kalte Nass mit einem Druck von mehr als 640 Liter pro Sekunde. Ich bin kurz davor zu springen.

Alle erdenklichen Ängste schießen mir durch den Kopf.

Ich habe Angst, stecken zu bleiben, vom Druck der Wassermassen erdrückt zu werden. Ich habe Angst, mich in der Tiefe der Felsspalten zu verkanten und zu ertrinken. Ich habe Angst, loszulassen und einfach in den Siphon hineinzugleiten. Ich mag die Dunkelheit nicht. Ich mag es nicht, unter Wasser zu sein und nicht atmen zu können. Aber vor allem mag ich die Ungewissheit nicht. Ich bin ein Mensch, der Sicherheit braucht und sich gerne in positiven Erfahrungen wiegt.

Doch dieser Tag im Canyon hat etwas mit mir angestellt, wovon ich vorher nicht träumen mochte. Der schmale William und ich sind über acht Stunden im Rausch des Übermuts durch den Chassezac gezottelt. Mal über Felsen, mal unter den Felsen hindurch. Ein anderes Mal im Wasser oder mal unter Wasser. Jedoch immer stromabwärts und immer auf der Jagd nach einem noch größeren Adrenalinkick.

Dieses Hindernis sollte mir alles abverlangen. Natürlich gäbe es auch einen anderen Weg, ganz ohne Siphon. Doch William meint, dass es nach diesem Tag kein zurück mehr gäbe. Also nehme ich meinen ganzen Mut zusammen, hole Luft für mehrere Minuten, zähle langsam von drei zurück und lasse mich letztendlich vom Druck der Wassermassen getragen in das dunkle Loch gleiten. Etwa drei Meter falle ich in die Tiefe, ehe ich in einem Wasserloch gebremst werde, nach wenigen Sekunden tauche ich in einer kleinen Grotte nach Luft japsend auf. Ein schmaler Lichtschimmer weist mir den Weg. Meine Hände zittern. Doch dieses Mal liegt es nicht an der kalten Wassertemperatur. Es ist die Aufregung gepaart mit Erleichterung.

Noch zwei Stunden nach der Challenge zittern meine Hände. Und das, obwohl ich die Sicherheit hatte, dass William mich natürlich nicht in ein unerforschtes Loch hätte springen lassen. Denn Sicherheit steht genauso wie bei mir, auch bei ihm und seinem Arbeitgeber Grandeur Nature an erster Stelle.

Steven war in Kooperation mit Lozère Tourismus in Frankreich unterwegs, um Abenteuer zu erleben. Vor Ort war er nicht nur im Canyon unterwegs, er hat auch tolle Menschen getroffen, sich mit ihnen über die Balance zwischen Leben, Arbeit und Natur unterhalten und die Region mit dem E‐Bike entdeckt.