Auf Einladung.

Der Motor des Fiat Punto jault laut auf, als ich vom zweiten in den ersten Gang schalte. Die letzten Ausläufer des Städtchens Algarrobo sind so eng, dass ich sehr froh bin, nur mit einem kleinen Auto unterwegs zu sein. Wobei, eigentlich wäre ich lieber ohne Auto unterwegs.
Ob der Wagen die vor mir liegende Steigung packt? An der nächsten Häuserecke biege ich ab und finde mich auf einer Straße wieder, die noch weiter ansteigt. In meinem Rückspiegel verschwinden die letzten Lichter. Das Display neben dem Tacho zeigt meinen aktuellen Kraftstoffverbrauch: 40 Liter auf 100 Kilometer. So weit ist es hoffentlich nicht mehr bis zu meiner Unterkunft, außerdem kann dieser Bergkamm unmöglich so hoch sein.
Mein rechter Scheinwerfer versagt. Nur mithilfe des Fernlichts gelingt es mir, in dieser Dunkelheit meinen Weg zu erkennen. Es ist, als würde diese spanische Nacht jeden Schimmer mit ihrem riesigen Schlund verschlucken, hungrig und nimmersatt.
Plötzlich tauchen vor mir mitten auf der Straße zwei Männer auf.
Mir bleibt das Herz fast stehen.

Die Männer sind in Wahrheit Straßenpoller, zur Freude der Besucher als Menschen konstruiert und für bessere Sichtbarkeit weiß angemalt. Sehr lustig.

Nachdem ich die befestigte Straße verlasse und bergauf über einen holprigen Feldweg fahre, begrüßt mich ein neugieriger Hund. Er gehört zu Gabriele, er passt auf die Ferienhäuser hier oben auf und sorgt dafür, dass es den Gästen an nichts fehlt. Nach einer sehr freundlichen Begrüßung komme ich endlich am ersten Etappenziel an: An meiner Unterkunft für die Nacht, dem Ferienhaus über dem Meer. Von der Terrasse aus lässt sich erahnen, wie schön es hier tagsüber ist: Um mich herum die Berge, trotzdem kann ich hinunter auf die hell erleuchtete Stadt sehen. Das Mittelmeer liegt dunkel und ruhig.

Am nächsten Morgen sitze ich draußen in der Sonne und genieße mein Frühstück zwischen Olivenbäumen und mit Blick auf die umliegenden Berge. Ein leichter warmer Wind weht mir um die Nase. Spanien im November? Ein Traum! Das Wetter ist ausgezeichnet und so wird es Zeit, die Umgebung zu erkunden.

Nachdem ein Großteil des Wegs bergab gemeistert ist, komme ich wieder durch das kleine Örtchen, durch dessen Gassen ich gestern mein Auto bugsiert habe. Die weiß angestrichenen Häuser reflektieren die Novembersonne Andalusiens, dass mir fast die Augen schmerzen. Die meisten Dörfer der Umgebung sind durch diese Farbwahl gezeichnet. Ab der Hüfthöhe abwärts schmücken bunte Fliesen die Wände. Schnell ist die kleine Ansiedlung durchquert und ich komme in den Genuss der andalusischen Nationalstraßen.

Torre del Mar ‐ ohne Touris durch die Straßen schlendern

Kurze Zeit später lenke ich den Wagen durch die Straßen Torre del Mars, vorbei an großen Schulhöfen und kleinen Pollo Asado Imbissständen. Die Saison ist vorbei, auf den Parkplätzen der Kleinstadt findet sich mühelos eine Stelle, um das Auto abzustellen. Die Luft riecht nach Meer, eine leichte Brise geht. Instinktiv suche ich die nächstgelegene zur Küste führende Straße.

Der Kies knirscht unter meinen Füßen, als ich den fast menschenleeren Strand überquere. Die Sonne legt ihren angenehm wärmenden Umhang um mich, doch als ich bis zu den Knien in die Wellen wate, treibt mich die maritime Kälte sofort wieder hinaus. Ein Badetag wird es also nicht, Umdenken ist die Devise.

Auf der Strandpromenade flanieren die, die sich nichts mehr beweisen müssen und ihren Lebensabend genießen wollen. Braungebrannt, helle Kleidung, tiefenentspannt. Kinder auf Rollern formen den angenehmen Kontrast zu diesem Bild. Einheimische sitzen an den kleinen Buden und Restaurants, in denen hauptsächlich Meerestiere zubereitet werden.
Doch in Andalusien, einem Schinkenparadies wie Madrid, muss ich unbedingt zuerst von anderen Spezialitäten probieren. Am Strand werde ich jedoch nicht fündig, alles zu teuer oder ungemütlich, und so zieht es mich wieder in die Stadt hinein. In den Gassen tobt das Leben. Es wird getratscht und gesungen, die Restaurants sind gut besucht.

Neben mehreren chinesischen Restaurants entdecke ich endlich ein spanisches Lokal, welches von Einheimischen gut besucht wird: Das Mesón Arte y Solera, direkt am Platz Paseo Larios. Ich bestelle ein heimisches Bier und ein Tostada, ein belegtes und gegrilltes Stück Brot mit Schinken. Als ich herzhaft in den spanischen Snack beiße, muss ich zufrieden meine Augen schließen.
Salzige Meeresluft, Wärme, ausgelassene Spanier und gutes Essen ‐ so hatte ich mir Andalusien vorgestellt.

Salobreña ‐ weiße Stadt über dem Meer

Die Zeit reicht noch für einen kurzen Abstecher nach Salobreña. Das Städtchen liegt auf einem Felsen über dem Meer, also mache ich mich bereit für den Aufstieg. Noch ist Siesta, die Türen der Häuser verschlossen. Ab und zu kann ich Bob Marleys Stimme durch ein mit Tüchern verhangenes Fenster hören. Die Farben der Häuser erinnern mich an Gebisse von Hollywoodstars. Mit Fliesen verzierte Balkone brechen hier und dort diesen Eindruck, ich fühle mich wie in einer anderen Welt.

Bis zur alten maurischen Burg werde ich nicht mehr hinaufsteigen, dafür gefallen mir die quadratisch angelegten Palmenalleen im Herzen der Stadt zu sehr. Es sind kaum Menschen unterwegs und ich habe die Eindrücke während meines Spaziergangs für mich.

Als sich der Fiat wieder den Berg hinaufkämpft, um mich zu meiner Unterkunft zu bringen, treffe ich im Schritttempo Gabrieles Auto an. Wir holpern hintereinander über den Feldweg, bis wir unser Quartier erreichen und aus unseren Wagen steigen. Aus einem kurzen Hallo wird ein langes Gespräch, währenddessen schauen wir zu, wie die Sonne untergeht.
Es wird kühler und Zeit, wieder ins Haus zu gehen und den Ofen für die Tortilla anzuwerfen. Es warten außerdem noch Schinken, Käse, Brot, Oliven und in Essig eingelegte Gemüsemischungen, die ich später während meiner Reise leider nicht mehr im Supermarkt entdecken konnte.

Mit dem Blick auf das sich schlafen legende Meer und einem Gin Tonic in der Hand, denke ich zufrieden über meine erste Etappe nach. Kann es jetzt noch besser werden?

Danke an Ruralidays für die Einladung in das schöne urige Ferienhaus in Andalusien, ich wäre gern länger geblieben. Vielleicht auch für immer. Hier findet ihr das spanische Ferienhaus in den Bergen.

Die erste Etappe meines Andalusien Roadtrips ist auf der Karte verzeichnet. Der nächste Stopp auf meiner Route wird Granada sein.