Sponsored Post: Ein Roadtrip durch die Bretagne in Kooperation mit Atout France.

Ein holpriger Start.

»Es kotzt mich alles an, es kotzt mich an!«
Steven macht seinem Ärger Luft.
Apokalyptischer Landregen setzt ein, als wir den Flughafen in Nantes verlassen.
Kein Gepäck, Hunger, strömender Regen – unser fünftägiger Roadtrip durch die Bretagne kann beginnen!

Nantes – Sarzeau – Vannes – Baden – Île de Groix – Perros‐Guirec – Le Conquet – Île de Molène – Pointe de Saint‐Mathieu – Brest – Douarnenez – Nantes

Um Zeit zu sparen, decken wir uns im supermarché mit günstigem Käse, Baguettes und Tomaten ein und picknicken während der Autofahrt. Auf einer Skala von 1 bis 10 ist Stevens Laune bereits am absoluten Nullpunkt angelangt, da in Kürze eine Fahrradtour auf uns wartet und das bretonische Wetter bisher keine Anstalten macht, sich zu bessern.

Nachdem wir bereits die dreizehnte cidrerie passiert haben, biegen wir nach einem Kreisverkehr, einem rond‐point, in das Städtchen Sarzeau ein. Der freundliche Dude vom Radverleih wischt unsere im Regen stehenden Drahtesel mit einem Tuch trocken.
»Das kann er sich sparen.« In Stevens Augen liegt Skepsis. »Die Räder werden gleich wieder nass sein.«
»Keine Sorge, die Sonne zeigt sich gleich. Dann habt ihr einen schönen Nachmittag.«
In diesem Moment reißt die graue Wolkendecke auf. Entweder ist es unglaubliches Glück oder die Bretonen tragen das wenig erforschte Wettervorhersage‐Gen in sich. Wir treten in die Pedale.

Durch die schmalen Gassen der Altstadt schlängeln wir uns bis zu einem Radweg, der zum Vogelschutzgebiet der Halbinsel Rhuys führt. Hier können wir die Natur der Bretagne zum ersten Mal genießen. Brombeersträuche säumen die Radwege, die Ebbe hat den Atlantik so weit zurückgezogen, als würde er die Luft anhalten. Der Geruch von Algen, Wildblumen und Kräutern liegt in der Luft. In die typisch urigen Steinhäuser haben wir uns sofort verguckt und halten an jedem, dessen Zaun ein Zu verkaufen‐Schild trägt. Zwischendurch rasten wir an der Küste. Noch immer herrscht Ebbe, Muschelsammler sind unterwegs, sie tragen dicke Handschuhe und Gezeitenkalender in der Hosentasche.
Als wir Saint‐Armel erreichen, wird es Zeit einzukehren. Mit quiche, tarte und cidre lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen, bevor wir zu unserem Tagesziel aufbrechen, dem Pointe du Passage.

In Vannes offenbart sich eine in der Zeit eingefrorene Altstadt. Selten habe ich so viele schiefe Gebäude gemeinsam gesehen, sie lehnen sich über die gepflasterten Wege. Nach unserem Abendessen streifen wir durch die engen Gassen und ihre bedingungslose Stille.

 

 

Unsere Tagesroute: Von Nantes über Sarzeau nach Vannes

Empfehlenswert:

‐ Der ausgezeichnete Radweg zwischen Sarzeau, Saint‐Armel und dem Le Tour‐Du‐Parc.
‐ Das Le Moulin à Café in Saint‐Armel ist der perfekte Ort für einen Boxenstopp.
‐ Das Restaurant Anna et Paul, ein fabelhafter Tipp für Fleischfreunde wie mich, doch gibt es dort auch ein ausgezeichnetes veganes Menü, welches von Steven getestet wurde.
‐ Immer einen Snack für die Fahrt mitnehmen, falls die Straßen in der Hauptsaison verstopft sind. Am besten vor dem Start in einer boulangerie einkehren und sich Schokoladenbrot (pain au chocolat) oder croissants und einen café besorgen oder sich in einer Kaufhalle mit baguettes eindecken. An der Eingangstür finden sich die aktuellen Baguettepreise.
‐ Eine gute Stauwarnung bietet das Radio auf 107.7 FM.

Vermeiden:

‐ Verlass dich nicht auf deine Intuition, was das Wetter betrifft. Frag besser den nächsten Bretonen am Straßenrand.

Zu Fuß durch ein Meer.

Um 7 Uhr stehen wir in der Küche eines restaurierten Bauernhauses, dem Le Val de Brangon. Vor zwanzig Minuten war am Himmel noch nichts außer dem Mond zu sehen, mittlerweile taucht die aufgehende Sonne den Hof und die angrenzenden Haselnussbäume in ein mildes Gold. Wir frühstücken süß, nach vier Stücken Kuchen muss ich aufgeben.

Die frische Morgenluft tut gut, das Wetter ist perfekt und ich genieße die an uns vorbeiziehende Landschaft, bis ich hinter einer Brücke in die Eisen gehe. Unter uns fließt der Fluss Rivière du Bono, zu beiden Seiten der Straße tun sich endlose Pinienwälder auf. Wir steigen aus, um ein Foto vom Städtchen Bono zu machen, denn noch immer steht die Sonne tief. Was wir sehen, wirkt surreal.

Nach einem zweiten süßen Frühstück in einer boulangerie in Lorient erwartet uns an dessen Hafen eine besondere Überraschung: Alle kostenlosen Parkplätze sind belegt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als einen Privatparkplatz aufzusuchen. 20 Euro für 24 Stunden Parkzeit, das übertrifft sogar meine bisher teuersten Flughafenparkgebühren. Schwamm drüber, wir müssen zur Fähre und wollen auf die Insel Île de Groix übersetzen. Als sie ablegt meint Steven noch, das Meer sei heute ziemlich ruhig. Eine Viertelstunde später wirft ihn der Seegang an die Reling, als er frei auf dem Oberdeck stehend ein Foto machen will. Die Fähre wird zur Hochseeschaukel.

 

Nach einem kurzen Boxenstopp im Hotel finden wir uns in einer beinahe außerirdischen Landschaft wieder. An den Füßen Laufschuhe, den Kopf in der konstanten Brise des Meeres. Steven und ich joggen los. Wir folgen dem schmalen Weg der gelb markierten Route Sentier côtier, welche sich zeitweise nur mit Phantasie erahnen lässt.

Majestätische Klippen neben uns, die Ebbe zaubert ihnen schwarze Füße. Wenn ich einatme, habe ich Aromen von Meersalz, Algen, Jod und Muscheln im Mund. Sie hinterlassen einen Nachgeschmack wie Eisen, so als hätte ich mir auf die Zunge gebissen. Die Landschaft besteht einzig aus Farnen, so scheint es. Sie zeigen uns das Farbspektrum des Herbstes. Bis hin zum gewellten Horizont, wo der Ozean den Himmel trifft: Grün, orange, braun, gelb und rot.
Ein Meer über dem Meer.

Am nächsten Morgen liegt der Hafen von Groix noch im Tiefschlaf. Ein Lokal hat dennoch geöffnet, wir versorgen uns mit café und pain au chocolat und steigen auf die Fähre Richtung Lorient.

Unsere Tagesroute: Von Baden über Lorient auf die Île de Groix

Empfehlenswert:

‐ Der Besuch der Insel Île de Groix. Die Fähre kostet 15€ pro Person pro Fahrt, Tickets können auf www.compagnie‐oceane.fr vorher gebucht werden.
‐ Die gelb gekennzeichnete Wanderroute Sentier côtier führt durch immer wechselnde Landschaften an der Küste der Insel entlang. Festes Schuhwerk ist dein Freund.
‐ Das urige Hôtel de la Marine ist eine schöne Übernachtungsmöglichkeit, eingerichtet mit vielen Kleinigkeiten des maritimen Lebens auf der Insel, jedoch auch etwas hellhörig.

Vermeiden:

‐ Einen Privatparkplatz aufzusuchen. Besser in der Umgebung eine Lücke ausfindig machen, selbst eine halbstündige Suche und ein etwas längerer Weg zur Fähre lohnen sich.
‐ Keinesfalls ein Stadtfahrrad auf Groix mieten, falls du die Insel erkunden willst. Besorg dir besser ein Mountainbike, dann kannst du ungehindert die Umgebung genießen. Entweder den blau markierten Radweg nutzen oder auf die Wanderroute ausweichen.

Ein Herz für Tramper.

© Steven Hille, 2016.

Die Fahrt von Lorient über Perros‐Guirec nach Le Conquet könnte nicht schöner sein. Landstraßen, Feldwege, Quasiautobahn N12, Europastraße E50.
Hinter dem Kreisverkehr stehen zwei junge Menschen. Nathalie und Sebastien stellen sich vor, als wir am Straßenrand halten. Sie wollen zu einer Party im Norden, wirken jedoch so, als kämen sie gerade von einer. Wir nehmen sie mit und unterhalten uns in Sprachfetzen über den besten Belag für crêpes (»Zimt und Zucker oder Ziegenfrischkäse. Naja, eigentlich alles!«) und über die Eigenart der bretonischen Autofahrer, auf der Überholspur unentwegt zu blinken. Wenigstens rasen die Bretonen auf der N12 nicht, weil hier ein Tempolimit von 110 km/h gilt und an jeder Ecke Blitzer stehen. Meiner Meinung nach wird trotzdem jeder Mensch ein anderer, sobald er ins Auto steigt. Wieso hat bisher niemand ein Buch über die verhaltensverändernde Wirkung des Zündschlüsselumdrehens geschrieben? »Betrachtungen von Wahnsinnigen« könnte es heißen.

In Perros‐Guirec säumen riesige Villen die Küstenlinie. Zwischen den Baumreihen lugen dunkle Steinbauten hervor, die gleichzeitig atemberaubend und erdrückend wirken. Einzig die weißen Fensterrahmen verleihen ihnen einen freundlichen Charakter.

Die blauen Augen des SUP‐Europameisters Alexis Deniel machen uns einen Strich durch den T agesplan.
»Sorry Jungs, heute ist es zu windig für eine Runde Stand‐Up‐Paddling.«
»Kein Problem.« Steven bleibt optimistisch. »Gehen wir eben surfen.«
»Dafür ist heute wiederum zu wenig Wind.«
Es soll nicht sein. Deshalb springen wir ohne Sportgeräte in den stürmischen Atlantik und retten uns erst kurz vor dem Erfrieren zurück an den Strand. Ein Aufwärmprogramm ist schnell gefunden: Eine Stunde Fußweg entfernt können wir eine rosafarbene Granitküste bestaunen. Wir entscheiden uns, am Fuß der Steilklippen entlangzuwandern, denn die Ebbe hat das Wasser hinaus in die Ferne verbannt.

Sonntagsanzüge, Jogginganzüge, Badeanzüge.
Ganz Frankreich ist sonntags auf den Beinen, so scheint es. Als wir den besagten Küstenabschnitt erreichen, sind wir etwas enttäuscht. Zwar sehen die Gesteinsformationen aus, als hätte Obelix hier persönlich sein Hinkelsteinlager angelegt, doch sind sie von der Farbe Rosa meilenweit entfernt. Stattdessen lauschen wir dem rhythmischen Stakkato der Wassermassen, als sie versuchen, das Land auf dem wir stehen zu verschlingen.

Unsere Tagesroute: Von der Île de Groix über Perros‐Guirec nach Le Conquet

Empfehlenswert:

‐ Falls du länger unterwegs bist, nimm dir in Le Conquet eine Taschenlampe mit. Um 1:30 Uhr morgens wird die öffentliche Straßenbeleuchtung abgeschaltet.
‐ Selbstbedienungstankstellen sind in! Die Automatenstimmen weisen dich freundlich darauf hin, was du zu tun hast.
‐ In der Crêperie Les Blés Noirs die moules frites probieren, im Restaurant mit dem besten Preis‐Leistungsverhältnis in der Nähe des Strandes Trestraou.

Vermeiden:

‐ Besuch die Rosa Granitküste zwischen dem Strand von Saint‐Guirec und dem Leuchtturm Mean Ruz nicht bei schlechtem Wetter, denn dann sind die Steine braun anstatt rosa.
‐ In Le Conquet macht die Anreise mit dem Auto keinen Spaß. Besucher müssen auf einem teuren Parkplatz hinter der Gendarmerie parken. Die Umweltzone macht in meinen Augen hier keinen Sinn, da Touristen einen längeren Anreiseweg haben und weniger mobile Besucher demnach doppelt so oft fahren müssen.

Zwischen Himmel und Hölle.

Nachdem wir das ruhige Wellenbett mit dem Zodiac durchbrochen haben, stehen wir nun auf der Insel Île de Molène und sehen gespannt durch ein Fernrohr. Das Archipel ist einerseits der Albtraum vieler Schiffer, andererseits die Heimat von vielfältiger Wasserflora und –fauna. In diesem Meeresnaturpark ILES et MER d’Iroise hatten wir heute das Glück, bei perfektem Sonnenschein eine Delfinfamilie und Kegelrobben hautnah zu erleben.

Unterwegs mit Christel und Lucky auf einer ihrer Archipel Excursions lernten wir viel über das fragile Ökosystem vor der Küste der Bretagne, welches es unbedingt zu erhalten gilt. Die Robben von Saaremaa durfte ich schon vor Estland kennenlernen, doch hier in Frankreich sind sie noch neugieriger.

Nach der Idylle des Meeresnaturparks schlägt Lucky nun etwas düstere Töne an, als wir den Leuchtturm Phare des Pierres Noires umrunden.
»Ein Leuchtturmwärter durchläuft in seinem Beruf verschiedene Etappen und muss sich beweisen. Seine Karriere beginnt in der Hölle, so wird ein Leuchtturm mitten im Meer genannt. Besteht er diese Herausforderung, kann er zu einem Leuchtturm auf einer Insel versetzt werden, welcher dann Fegefeuer genannt wird. Der Karrierehöhepunkt ist dann das Paradies: Ein Leuchtturm auf dem Festland.«

Wir machen große Augen. Selbst jetzt, bei guter Sicht und ruhiger See ist für uns ein Leben in einem kleinen Raum nur 30 Meter über dem Meeresspiegel unvorstellbar. Die Einsamkeit, das unaufhaltsame Geräusch der sich drehenden Leuchtanlage und das ständige Donnern der anschlagenden Wellen würden uns recht schnell in den Wahnsinn treiben.
Luckys Seemannsgarn bestätigt unsere schlimmsten Vorstellungen, denn unzählige Mythen ranken sich um die Leuchttürme, die das Meer vor der Bretagne sichern. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Unsere Tagesroute: Der Meeresnaturpark ILES et MER d’Iroise und die Île de Molène mit dem Zodiac von Christel & Lucky

Empfehlenswert:

‐ Christel und Lucky behandeln die Tiere mit Respekt und warten auf sie, statt auf sie zuzufahren.
Île de Molène hat eine gute crêperie. Mit der Fähre kommst du von Le Conquet aus auf die Insel.

Vermeiden:

‐ Nicht die Sonnencreme vergessen! Selbst die braungebrannten Seebären der Bretagne nutzen Lichtschutzfaktor 50, denn sonst: Hautkrebs ahoi!

Heimkehr wider Willen.

Die malerische Küstenstraße D85 führt nahe den dutzende Meter hohen Steilklippen vorbei, links die alten für die Bretagne typischen dunklen Steinhäuser, zur Rechten das raue Dunkelblau des Atlantiks, gebrochen durch die weiße Gischt, wenn hohe Wellen gegen Landmassen schlagen.
Ein Donnern am Ende der Welt. Im Finistère, dem nordwestlichsten Département der Bretagne, haben römische Eroberer einst das Ende der Welt gesehen. Nachdem das Land ins Wasser fällt, kommt Nordamerika zwar als nächstes, bis dahin wartet jedoch vorerst eine ganze Weile nasses Nichts. Für die Einheimischen war dieses Fleckchen Erde seit jeher das genaue Gegenteil: Penn ar Bed, der Anfang der Welt.

Umsteigen in Paris. Zwei Air France Maschinen haben Verspätung, für beide beginnt das Boarding zur gleichen Zeit. Ein Flieger bringt uns in die Heimat Berlin, der andere nach Nantes, woher wir eben erst kamen.
»Unsere letzte Chance, nochmal umzukehren. Es wird bestimmt niemand merken!« Steven guckt mich verschwörerisch an. Ich muss grinsen.
»Nicht heute. Doch wir kommen wieder, so viel ist sicher.«

Unsere Tagesroute: Vom Pointe de Saint‐Mathieu über Brest und Douarnenez nach Nantes

Empfehlenswert:

‐ Welchen Ort du auch mit dem Auto besuchst, informiere dich besser vorher über kostenlose Parkmöglichkeiten, es lohnt sich! Notfalls im Touristenbüro nachfragen.
‐ Viel bewegen: In der bretonischen Küche wird gern und ausgiebig mit Butter gekocht. Speisen schmecken deshalb wahnsinnig gut, sind aber zuweilen sehr gehaltvoll.
‐ Geduldig sein: Nicht jeder Bretone spricht Französisch. Ich habe die Bretonen als sehr hilfsbereit kennengelernt.

Vermeiden:

‐ Bier zu trinken. Ist viel zu teuer in der Bretagne. Steig am besten auf trockenen cidre oder Wein um.

Unsere gesamte Route durch die Bretagne findest du hier:

Vielen Dank an Christine vom Tourismusverband der Bretagne in Deutschland für die Chance, die Bretagne besuchen zu können sowie die gute Organisation. Es war mir ein besonderes plaisir! Besten Dank auch an Steven von Funkloch für’s Mitnehmen und den unterhaltsamen Beifahrer!