The Travel Episodes Buchcover

von Oli.

Meine welterste Buchrezension. Dementsprechend gebe ich mir auch besonders viel Mühe. «The Travel Episodes – Neue Reisegeschichten von allen Enden der Welt» ist der dritte Teil der Buchreihe und eine Matrjoschka-Puppe aus einzigartigen Erlebnissen, lebensverändernden Aha-Momenten, wunderbaren Banalitäten und Skurrilitäten. Ich habe das Buch gelesen und danach direkt meinen Reiserucksack gepackt. Einziger Grund, weshalb ich noch nicht unterwegs bin: Ich schreibe diese Rezension. Lass uns die Reise beginnen!

Das Erzähltempo variiert von Anekdote zu Anekdote, wodurch eine Balance zur inhaltlichen Achterbahnfahrt zwischen Nahtoderfahrungen, Spiritualität und witzigen Situationen entsteht.

So beschreibt der tragikomische Held Philipp Laage «Rain Man»-ig / «Brügge sehen… und sterben?»-esque die Normalität und Absurdität einer Kreuzfahrt in der Karibik. So nah, dass ich gleichzeitig mit ihm lachen und ihn in den Arm nehmen will, um ihn anschließend auf ein Glas guten Rum einzuladen.
Als Ausgleich dazu zeigt Karin Lochner in einer gemächlichen Ruhrpott-Betrachtung der Zeche und Kokerei Zollverein in Essen nach dem Super-GAU für die Kumpel: Der Schließung der Anlage in 1993.

«Das Glück des Fremdseins»

Das erste Kapitel wird zudem durch die Reisegeschichte von Martin Zinggl bereichert. Sie liest sich wie ein Kriminalroman: Der Protagonist stolpert charmant-tollpatschig von einer  Extremsituation in die Nächste bis er sich schließlich vor einem bewaffneten Crackdealer wiederfindet. Spätestens hier muss ich kurz das Buch aus der Hand legen, um die schweißnassen Hände an meiner Hose abzuwischen.

Mit einem Abenteuer in der Mongolei endet das erste Kapitel. Franziska Bärs Geschichte habe ich verschlungen wie ein griechisches Dessert, denn viele Ansichten teile ich eins zu eins, seit ich selbst im Sandmeer des Dschingis Khan unterwegs war. Genau wie Franziska fühlte ich dort die einmalige grenzenlose Freiheit, welche jedoch auch einen großen Teil Angst beinhaltete.

The Travel Episodes Buchcover seitlich

«Aus Angst wird Mut»

In Kapitel II wird mir diese Angst wieder genommen. «Paranoia Pushkar» ist ein herrlich ehrlicher Erlebnisbericht über Oleander Auffarths Reise durch Indien. Herrlich, weil er mir erneut bestätigt, dass Indien einer der wenigen Flecken dieser Welt ist, den ich nicht erkunden möchte.

«Der Kälte entgegen» fixt mich an. Jessica J. Lee ist eine Winterschwimmerin und beschreibt kurz und unterhaltsam, wie sie sich auf das sehr kalte Nass im Januar vorbereitet. Als sie sich für ihre Abkühlung schließlich den Weg mit dem Hammer bahnt, um einen Brandenburger See vom Eis zu befreien, wird mir tatsächlich etwas kühl um die Nasenspitze und ich bin froh, auf einem angenehm warmen Sessel zu sitzen und nicht im viehisch kalten Seddiner See.

«Allein ist nicht einsam»

Nach den vorherigen mutigen Entdeckungsreisen fasst Herausgeber Johannes Klaus die letzten Geschichten zu einem ganz besonderen Kapitel zusammen: Reiseerlebnisse gepaart mit Mini-Biografien, versteckt zwischen den Zeilen.
Norah Steiner erinnert mich in einer Liebeserklärung an die Freiheit im griechischen Hinterland daran, dass es nicht viel zum Glücklichsein braucht. Sicher muss ich nicht gleich zum Aussteiger werden und wie in «Das einfache Leben» meinen Alltag an den eines Selbstversorgers anpassen. Es reicht auch ein geteiltes Bier mit neuen Freunden im «Nachtzug nach Bagan», ein Saunagang in Finnland oder die Erkenntnis, Alleinsein nicht mit Einsamkeit zu verwechseln.

Besonders deutlich macht es Dirk Rohrbach. Der Abenteurer teilte schon in den ersten beiden Büchern seine Erlebnisse. Beeindruckt hat mich zuletzt sein Bericht «Allein in der Wildnis» Alaskas. Seine Gefährten vor Ort: Elf Schlittenhunde.
Dieses Mal bereist er den Yukon auf einem selbstgebauten Kanu aus Baumrinde. Warum nicht?

Meine 4 Erkenntnisse:

  • The Travel Episodes versammelt Geschichten aus der ganzen Welt. Trotzdem ist sich jeder Reisende in diesem Buch einig: Die Einwohner des Landes, in dem er sich momentan aufhält, sind die gastfreundlichsten der Welt. Ich möchte das unterschreiben.
  • «Alleine reisen ist einfach, alleine ankommen ist schwierig.»
    – Philipp Laage, «Was ich im finnischen Mökki lernte»
  • Vergorene Stutenmilch vereint Menschen von Kirgisistan bis in die Mongolei.
  • Çay regiert die Türkei.

Die letzte Seite ist gelesen, ich muss wieder los.
Das Reisefieber packt mich und Gesa Neitzels Bemerkung aus dem Vorwort trifft es auf den Punkt. Das Fundament für jede meiner Reisen, Grundstein für Erkenntnisse, Entdeckungen und Vielfalt: «Es geht um Begegnungen.»

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