Wir starten unsere Reise in Agadir. Hierher fliegt EasyJet mehrmals pro Woche und hier wird sich in 18 Tagen der Kreis schließen und unsere Reise enden. Zu viert wollen wir das Land durchqueren, mal mehr ‐ mal weniger komfortabel schlafen und vor allem viel neues entdecken. Marokko ist groß und bietet trotz der großen Wüste viel Abwechslung. Mit einem Mietwagen, den wir auf ominösen Wegen über das Internet reserviert haben, fahren wir los gen Taroudant. Hier wollen wir uns akklimatisieren.

Es ist noch relativ angenehm, um die 30 Grad, als wird das kleine Städtchen entdecken.
Während wir uns mit dem Essen vertraut machen planen wir die weitere Tour. Es geht nach Ouarzazate. Bekanntes Land, zumindest für mich. Hier habe ich im Oktober/November 2011 einen Monat gelebt und einen Film gedreht. Das Land hat mich schon da sehr fasziniert, nur leider blieb keine Zeit um mehr davon zu sehen. Ouarzazate ist durch die dort angesiedelte Filmindustrie sehr offen und in manchem angepasst. Wen wunderts, hier wurde unter anderem Gladiator, Babel und Die Päpstin gedreht.

Wir fahren weiter, die Wüste Zaghora wartet auf uns und je weiter wir kommen, desto mehr Wasser tanken unsere Körper. 46 Grad zeigt das Thermometer als wir mitten in der Wüste sind. Die Luft ist rot. Als wir ankommen ist es noch windstill, doch am frühen Abend wird es windig und das unwirkliche geschieht: Es regnet. Ein Gemisch aus Wasser und Sand fällt vom Himmel und versaut unsere weißen T‐Shirts. Das ist selten und auch die Einheimischen samt ihrer Kamele sind überrascht.

Wer nach Marokko fährt wird gern darauf hingewiesen kein Wasser aus der Leitung in den Mund zu nehmen, keine frischen Säfte zu trinken, keinen Salat zu essen und am besten alles und jeden vor Körperkontakt zu desinfizieren. Andererseits kann man das auch etwas lockerer nehmen und einen schönen Urlaub haben. Dann muss man allerdings einen Ausfalltag einplanen und sollte gute Medikamente im Gepäck haben. So kam es, dass ich in der ersten Wüstennacht ab ca. 3 Uhr wach lag und den Rest des Tages auf der Toilette, im Bett oder dem Weg dazwischen verbrachte. Anschließend war alles wieder gut, mein Körper abgehärtet ‐ nur die Kameltour in die Wüste samt Sandsturm habe ich verpasst. Nach zwei Nächten Wüste fordern unsere Körper Abwechslung und so beschließen wir weiter in den Toubkal Nationalpark zu fahren. Hier im Tal zwischen großen Bergen und mit vielen Bäumen herrschen ganz andere Temperaturen. Wir akklimatisieren uns ein zweites mal, wandern und genießen Abends das Essen aus der Tajine.

Unser nächster Anlaufpunkt ist Marrakech. Die Stadt mit einem Marktplatz auf dem Tag und Nacht das Leben tobt. Wir versuchen gar nicht erst mit dem Auto zu unserer, einem Reiseführer entnommenen, Unterkunft durchzukommen. Stattdessen kommt der Dacia auf einen bewachten Parkplatz und die Rucksäcke werden von einem freundlichen alten Mann mit Karren durch die engen Gassen gefahren. Das Gewusel auf den Straßen wirkt unkoordiniert, aber es funktioniert. Vorbei an offenen Fleischtheken, Gewürzläden, Schrotthändlern und auf Touristen ausgelegte Souvenirshops gelangen wir zu unserer Pension. Als wir uns am Abend bei milderen Temperaturen, aber dennoch lockeren 30 Grad, auf den Weg Richtung Markt machen ist noch immer Hochbetrieb. Die Händler bieten ihre frisch gepressten Säfte an, Pferdekutschen bahnen sich den Weg durch die Massen, es raucht und riecht nach gebratenem Fleisch. Kleine Kinder verkaufen Taschentücher und da wo Abends noch getanzt wurde sehen wir am nächsten Morgen Schlangenbeschwörer, Gewürzhändler und riesige Haufen aus Kleidung in denen unermüdlich gewühlt wird.
Das Auto fehlt uns nicht. Die nähere Umgebung durchstreifen wir zu Fuß, für weiter entfernte Ziele wie den Jardin Majorelle gibt es Petit Taxis die für wenig Geld durch die Stadt flitzen. Marrakech beeindruckt, strengt aber auch an.

Nach der großen Stadt stand das Meer auf dem Plan und so fahren wir weiter nach Essaouira. An der Atlantikküste gelegen ist dieses Städtchen besonders bei Surfern beliebt. Nach den hohen Temperaturen in Marrakech ist uns nun wieder kalt wenn wir durch die windigen Gassen spazieren. Gelohnt hat es sich trotzdem, allein wegen des frischen Fischs der einem frisch vor der Nase gebraten wird.

Die letzten Urlaubstage verbringen wir im La Dune, einer Pension mitten im Nationalpark und nur ca. eine Dreiviertelstunde von Agadir entfernt. In fünf Minuten ist man am Atlantik, hören tut man ihn die ganze Zeit. Es ist fantastisch sich in die Fluten zu stürzen und beängstigend wenn die übermannshohen Wellen zusammenbrechen und einen verschlucken. Zusammen mit einem Ortskundigen Ranger schauen wir uns dann noch den Nationalpark an, sehen Wasserschildkröten, Flamingos, den seltenen Waldrapp und allerlei interessante Pflanzen.

Das war sie, unsere Rundreise durch „Das Land, das sie nie wieder loslässt“ wie Marokko für sich wirbt. Auf mich trifft das zu, 18 Tage waren toll und vorerst genug ‐ aber ich komme auf jeden Fall mal wieder her. In Marokko kann man einfach und günstig reisen. Ein Pauschalurlaub ist es nicht, und man muss sich auf eine andere Kultur einlassen und bereit sein neue Wege kennen zu lernen. Wer nicht all sein Geld in teure Hotels investieren will, dem wird ab und an mal einen Kakerlake über den Weg laufen ‐ aber damit kann man leben.