Kaffeeersatz

Oh dear, what a year ‐ Unser Jahresrückblick 2013

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Unser Flug- und Roadtrip durch Norwegen

Wir lernten uns kennen, als wir den norwegischen Regen auf uns herabfallen ließen. Ich nahm Abschied von deinem Bruder und begrüßte dich mit hohen Erwartungen. Vielversprechend solltest du sein und bitte, bitte keine Probleme machen. Jetzt, nach 12 Monaten des Zusammenseins, kann ich sagen, dass du deine Launen hattest. Viele Höhen und Tiefen hast du abverlangt und mich immer wieder auf die Probe gestellt. Trotzdem danke ich dir für das, was ich von dir lernen konnte.
Dein Name, vier Ziffern, die die Quersumme sechs bilden: Au revoir 2013!

In den ersten Wintermonaten hast du eine Ansage gemacht. Nachdem ich meine Liebe zu Südtirol geteilt habe, wolltest du es nicht wahrhaben. Als ich in den Sextener Dolomiten mit meinem hart ersparten niegelnagelneuen Snowboard den Park unsicher machte, stürzte ich unglücklich und kugelte mir die Schulter aus. Das neue Snowboard, ein kurzes Vergnügen.

Fast zur gleichen Zeit krabbelte Oli unter Tage in Tirol durch die Spannagelhöhle, erhielt in Geologie etwas Nachhilfe und nahm sich vor, für den Sommer noch etwas abzuspecken. Oli gegenüber warst du ohnehin wohlgesonnen. Hin und wieder hatte ich den Eindruck, dass du und er wie füreinander geschaffen seid. Immerhin hast du ihm eine winterliche Schneeschuhwanderung mit anschließender Tiefschneeabfahrt beschert. Wie kann man so etwas toppen? Vermutlich nur mit Oreos.

Oli auf Schneeschuhwanderung

Große Reisen wurden bei mir vorerst gestrichen. So eine ausgekugelte Schulter kann viel mit sich ziehen. Daher entschloss ich mich, auf Roadtrips umzusteigen. Da Freunde und Bekannte ebenfalls eine Schwäche für diese Reisen haben, ordnete ich meine Gedanken und kritzelte eine Ode an die Autobahn nieder. Kurz nachdem endlich diese nervende Schulterschiene abgenommen wurde, folgten wir unserer neuen Tradition: Jährlich für ein paar Tage nach Schweden reisen, für weniger als 100 Euro (!!!). Auch dieses Jahr hat es wieder funktioniert, obwohl wir noch mehr Teilnehmer und ein weiteres Auto hatten.

Roadtrip nach Schweden für unter 100 Euro

Die folgenden Monate mussten Oli und ich uns dem Lernen widmen, da unsere IHK‐ Abschlussprüfungen anstanden. Mit Eifer, Schweiß und der Erkenntnis, dass ich seit dem Abitur keine Vorstellung habe, wie man eigentlich richtig lernt, absolvierten wir die schriftlichen und mündlichen Prüfungen. Mit Erfolg. Zugegeben, bei der mündlichen Prüfung stand ich etwas verkatert vor dem Prüfungsausschuss, da es eine Nacht zuvor feucht fröhlich abging. ABER: Bestanden mit eins. Wir waren stolz wie Bolle. Nun waren wir wer. Endlich können wir bei diesen zahlreichen Formularen im Netz das Feld „Beruf“ ausfüllen: Kaufmann für Marketingkommunikation (Eine viel zu lange Berufsbezeichnung).
Kurz vor der Prüfung zog es mich jedoch nach Graz. Eine Stadt, die durchaus das Potential hat, Europas Designerstadt zu werden. So viele kreative Menschen auf einem Fleck. Wie zum Beispiel das Kollektiv Les Avignons, das auch an der Surfdoku „The Old, The Young & The Sea“ oder dem unglaublich schönen Cornwall Reiseführer „Eat, Surf, Live“ arbeitete.

Nach unserer Ausbildung musstest du uns trennen. Drei spannende Jahre arbeiteten Oli und ich zusammen in einem Unternehmen. Er blieb, ich ging. Es folgte eine reine Freundschaft ohne beruflichen Hintergrund. Gleichzeitig musste ich schon wieder eine neue Wohnung beziehen. Damit blieb ich meinem Rhythmus, jedes Jahr eine neue Wohnung in Berlin zu suchen, treu. Du hast mich nach Moabit geschickt. Jenem Bezirk, der Neukölln vor fünf Jahren gleicht. Auf der einen Seite junge Familien, Kindergärten und Parkanlagen, auf der anderen Seite werden Menschen auf offener Straße erschossen, Erotikkinos reihen sich neben Spielkasinos und in den Eckkneipen treffen sich die verlorenen Seelen. Ich wohne auf der anderen Seite. Direkt neben dem Erotikkino. Trotzdem habe ich mich nie so wohl in einem Bezirk gefühlt. Hier bewegt sich etwas und das ist nicht der Zwergpinscher, der jeden Morgen einen fußballgroßen Haufen direkt vor meiner Haustür setzt.

Irland ‐ Die letzte Klippe vor dem Atlantik

Diesen Sommer entschied ich mich zu reisen. Sehen, erleben, lieben, nachdenken und schreiben. Das wollte ich machen. Und das habe ich auch gemacht. Die erste Station war Irland. Ein wunderschöner Roadtrip auf der linken Seite der Straße. Mein erstes Mal Linksverkehr. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Mehrere Tage verbrachte ich in Connemara und Galway. Ich entdeckte das Haus in dem der Schriftsteller Oscar Wilde aufwuchs, sprang von einer Klippe während einer Kanutour und stellte fest, dass des Iren Beredsamkeit das schönste ist, was Irland zu bieten hat.

Oli rasant durch Österreich

Es folgten einige Wochen Österreich. Oli leckte Blut beim Downhill Mountainbiking in Saalbach Hinterglemm und bezwang todesmutig die Seven Summits of Saalbach Hinterglemm. Was für ein Adrenalinjunkie dieser Kerl!

Ähnlich verlief es bei mir. Zwei Wochen fuhr ich mit meinem alten Volvo, treue Seele, und einer perfekten Playliste für einen Roadtrip durch Tirol und Kärnten. Anfang des Jahres hörte ich von einem Tal, das auf dem 47. Breitengrad liegt, und ein Outdoor‐Mekka für Naturliebhaber und Sportenthusiasten sein soll ‐ die Area 47. Eine wirklich coole Anlage mit einer der schnellsten Rutschen der Welt. Und einem Blob.
Am Achensee hatte ich (im wahrsten Sinne des Wortes) eine atemberaubende Klettertour im Rofangebirge. Eine großartige Tour, die jedoch Kondition voraussetzt. Außerdem habe ich das erste Mal wildes Edelweiß entdeckt. Ein Blümchen mit Fell.
Im Anschluss erforschte ich einige Touren des noch jungen Fernwanderweges „Alpe Adria Trail“. Definitiv eine Empfehlung für Wanderfreunde, da der Trail noch nicht überlaufen ist.

Die erste Etappe des Alpe Adria Trails

Dann kam endlich eine Reise, die ich mit Oli gemeinsam durchziehen konnte. Vor lauter Reisen ist das ja eine Seltenheit. Die Reise nach Norwegen. Über eine Woche zog sich unser Flighttrip. Jeden Tag saßen wir in einem anderen Wideroe‐Flieger, der uns durch das Land flog. Von einer Mountainbike‐Tour durch schneidende Regentropfen in Loen über eine Gletschertour in der Nähe von Sogndal und dem kleinsten fettesten Wal der Welt bis hin zu der Hafenstadt Bergen. Was für ein Trip. Als wir wieder in Berlin ankamen, setzte uns die Actiongrippe zu. Wir brauchten erstmal Geborgenheit und Zeit, um diesen Testosteronüberschuss verarbeiten zu können. Dann hieß es für mich: Jobsuche.

Mit dem Boot unterwegs zum Nigardsbreen Gletscher

Immerhin konnten mich diese Reisen nicht ewig ernähren. Bevor ich mich jedoch endgültig in den Käfig eines Angestellten einsperre, musste ich noch einen Trip angehen. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich dieses Land bereisen werde, aber du, liebes 2013, wolltest es so.

Mexiko! Dieses großartige Land nutzte ich weder für actiongeladene Touren, noch für Touristensensationen. Nein, ich tat etwas, dass ich viel zu selten mache: Zeit nehmen, bremsen und nachdenken. Ich hatte dort ein interessantes Gespräch mit Conni über eine junge Frau, die sich genau über ihre Ziele im Leben den Kopf zerbrochen hat. Mir wurde bewusst, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte, wohin mich diese ganzen Reisen führen. Also musste ich mir mal einen Kopf machen wie es weitergehen soll. Aber vorher, und jetzt kommt’s, habe ich mir Gedanken über Mexiko gemacht und 24 Dinge gesucht, die mir im Land der leckeren Biere und dicken Menschen so aufgefallen sind.

Mexikanisches Inselbild: Isla Holbox

Danach kam der Job in der Werbeagentur, der nicht lange anhielt. Vielleicht hattest du Spaß daran, diese ganze Szenerie zu beobachten oder du wolltest, dass ich auch diese Erfahrung durchleben sollte. Wiedemauchsei. Deine heiße Schwester, 2014, sieht zu wie ich den neuen Job in der neuen Werbeagentur antrete. Darauf freue ich mich schon wie meine kleine Nichte auf gebrannte Mandeln.

Und nun? Ich muss zugeben, dass ich etwas ausgelaugt bin. So erlebnisreich wie es mit dir war, so belastend war es gleichzeitig. Würde ich die Stunden zählen, die ich schlafend verbracht habe, wie kann ich überhaupt noch am Leben sein. Als ich vor kurzem mit einer Mitfahrgelegenheit in einem alten Bulli von Dresden nach Berlin gefahren bin, blieb ein Satz in meinem Kopf hängen. Die Fahrerin war eine Erbin der 68er Hippie‐Bewegung. Ich liebe diese Menschen, aber sie fasste ihren Lebensstil treffend zusammen: „Anders zu sein, ist anstrengend.“ Was ist anders, was normal?

Ich danke dir! Au revior 2013!

Mein besonderer Dank geht an Oli, der mich (mit Fäusten) immer wieder an diesen Blog erinnert, trotz den ganzen organisatorischen Meisterleistungen, die dieses Jahr anstanden. Darüber hinaus freut es mich immer wieder, dass er seinen viel zu guten Schreibstil hier teilt.

Vielen Dank an alle Kooperationspartner, die uns viele Reisen dieses Jahr ermöglicht haben und mit denen wir Gedanken, Strategien und den einen oder anderen Drink teilen konnten: Tirol Werbung und Österreich Werbung, Condor, Visit Norway und Northern Lights, Hotel Wiesler und Les Avignon, Tourism Ireland, Rügen Piraten, Hohe Tauern ‐ und entschuldigt bitte unsere Anspruchslosigkeit auf Reisen.

Wir wollten keinen Luxus, nur Action.

Warum sich Menschen nicht ändern

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Aufgenommen in Schweden. Hier und hier die Artikel dazu.

Ich besuchte sie bei der Arbeit. Hätte ich sie erst an jenem Abend kennengelernt, ich hätte sie nicht beachtet. Oder anders gesagt, sie wäre mir nicht aufgefallen. Nachdem sie sich änderte. Plötzlich spricht sie Hochdeutsch, hat eine gerade Haltung, trägt ordentliche Kleidung, tauscht sich über aktuelle politische Diskussionen aus oder trifft sich Nachmittags mit anderen Frauen, um den neuesten Gossip aus sich herauszuspucken. Verflogen ist der Ghetto‐Slang, die Leckarsch‐Haltung und der Joint für Zwischendurch. Ein Schleier der Persönlichkeitsentwicklung legt sich über ihren Körper. Zumindest für die Menschen, die sie ab dem Tag kennenlernt haben, an dem sie entschieden hat, sie müsse etwas ändern.
„Ich erkenne dich nicht wieder.“, „Du bist so anders geworden.“, „Früher konntest du darüber lachen.“ ‐ Die klassischen Reaktionen der alten Freunde auf einem Abi‐Treff.

Nachdem wir das Büro verließen und uns in ihrer Wohnung breit machten, kam der alte mir vertraute Lümmel‐Charme aus ihr heraus. Wir lachten, diskutierten, stritten, witzelten ‐ alles in einer Nacht. Jeder kannte den anderen besser, als eine dieser neuen Bekanntschaften der letzten Nacht, die vielleicht immer noch im Schlafzimmer lag. Vielleicht hätten wir mal nachschauen sollen? Die einzigen Dinge, die sich geändert hatten, waren die Nichtigkeiten.

Aus der Tiefkühlpizza wurde der Lieferservice, aus dem Sternburg wurde ein edles Tröpfchen Bio‐Rotwein, aus dem Unkraut wurde Qualitätsgrün. Der Mensch hinter alledem hatte sich nicht verändert. Wir fühlten uns jung. Es fühlte sich gut an.

Treffe ich einen alten Freund, dessen Persönlichkeit sich scheinbar verändert hat, wende ich ein hochkomplexes Verfahren an. Ich mache ihn/sie volltrunken. Dann kommt er zurück. Und ist der Vorhang erst einmal gefallen, bleiben sie.
Meine Mutters Mutter, sprich meine Oma, riet ihr kurz vor der Hochzeit mit meinem alten Herrn: „Wenn du wissen willst, ob er dich liebt, mach ihn betrunken.“. Scheint funktioniert zu haben. Nicht anders verhält es sich mit alten Freunden. Sie ändern sich nicht. Mit ihnen teilten wir die wertvollsten Erfahrungen, die unsere Eltern bis heute nicht von uns wissen. Nicht mal der Annahme sind, dass wir zu solchen Dingen fähig waren. Das ist das Band, das zwischen uns permanent straff gezogen ist und immer wieder einen langen, tiefen Ton schlägt, der die Geschichten von damals summt.

Ebenso verhält es sich mit Sichtweisen. Im Kindergarten/Grundschule mussten wir ein Kalenderjahr in Form einer Uhr malen. Die Monate wurden entsprechend der Anzeigen benannt und so ergaben 12 Monate ein gleichmäßiges Kalenderjahr, das sich so in unsere Köpfe einnisten sollte. Auf meiner Uhr fehlten die Monate Juli und August, also sieben und acht Uhr. Diese Monate existierten für mich nicht, weil es die Ferienmonate waren. Und da die Sommerferien der Höhepunkt des Jahres waren, sind die Sommerferien die Halbzeit des Kalenderjahres, also der sechste Monat. Dementsprechend befindet sich beispielsweise der Juni in meinem Kopf irgendwo auf vier und fünf Uhr. Das hat sich festgebrannt. Heute bin ich mir bewusst, dass der Juni die Halbzeit des Jahres ist. Spricht mich heute jedoch einer auf den Juli oder August an, grübelt mein Kopf immer noch irgendwo auf sechs Uhr.

Menschen ändern sich nicht.

24 Dinge, die mir in Mexiko aufgefallen sind

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Eine Reise in Kooperation mit Condor und Hostelbookers.

Auf Einladung.

Frage nie einen ortsunkundigen Mexikaner nach dem Weg! Er zieht es vor, dich in die falsche Richtung zu schicken, als zuzugeben, dass er keine Ahnung hat. Und woran erkennst du einen ortsunkundigen Mexikaner? Wenn du nach drei Stunden immer noch auf der Suche nach deinem Hostel bist und dich im Kreis bewegst.
Das war die erste Lektion, die ich am eigenen Leibe erfahren musste, als ich meine ersten Atemzüge in dem Land der Mariachis und Guacamole machte. Zugegeben, Conni und ich haben uns bereits nach der Landung des Condor‐Fliegers kräftig über’s Ohr hauen lassen und uns von einem Typen einreden lassen, er fährt uns in unsere Hostels. Nach über 10 Stunden Flug und Matsch in der Birne, kann man uns diese Entscheidung nicht übel nehmen. Mit einem kritischen Blick beobachteten wir die Pauschaltouristen, die in die auf sie wartenden Busse einstiegen und in die Zone gefahren wurden. Die Hotelzone. Vorher wurde ihnen ein Bändchen für ihr All‐Inclusive‐Hotel angelegt. Abgestempelt. Unsere Reise ging nach Downtown. Cancun, Yucatan, 22 Uhr.
Dass der Fahrer unseres Vans keine Ahnung von Cancun hatte, zeigte sich spätestens daran, dass er alle paar Meter anhielt und jemanden nach dem Weg fragte. Das war unser Untergang. Es dauerte Stunden bis ich endlich in meinem Hostel ankam. Das Bed and Breakfast Garden.

Als ich am nächsten Tag einen Blick auf die Karte warf, fiel mir auf, dass der Typ die ganze Zeit im Kreis um das Hostel herumgefahren war. Frage nie einen ortsunkundigen Mexikaner nach dem Weg!

Cancun diente jedoch nur als Auffangbecken. Zwei Wochen Mexiko lagen vor mir. Was sollte ich anstellen? Ich hatte überhaupt keinen Plan. Ginge es nach meiner Fantasie, hätte ich das ganze Land in diesen zwei Wochen erkundet. Jedoch war das Beamen immer noch nicht erfunden (ich arbeite daran). Also musste ich mir etwas anderes überlegen. Zufälligerweise waren Christoph von VonUnterwegs und Conni von Planet Backpack ebenfalls gerade in Cancun. Und da Christoph bereits nach der Landung abgedampft war, nahm mich Conni unter ihre Fittiche. Sie kann spanisch. Und spanisch ist in Mexiko lebensnotwendig.

Wir hatten eine entspannte und abwechslungsreiche Reise. Von Cancun über Isla Holbox durch Merida bis nach Campeche. Dort trennten sich unsere Wege. Die einzelnen Spots werde ich später noch vorstellen. Vorher muss ich jedoch allgemeine Punkte über Mexiko verraten, die für den einen oder anderen von großer Bedeutung sein können:

  • Viele männliche Mexikaner haben die Kopfform einer Mango. Keine heißen Señoritas!
  • Die Mexikaner sind in der Regel üppig gebaut. Die wenigen exotischen Damen hat sich Hollywood geangelt, um uns ein gefälschtes Bild auf den Bildschirmen zu Hause adaptieren zu können. Vor kurzem wurde sogar gesetzlich festgelegt, eine Fettsteuer auf Fastfood zu erheben. Im Volksmund auch liebevoll Fettsteuer genannt. MFH‐Alarm, sage ich da nur.
  • Mit dem Kaffee haben die Mexikaner es nicht so. In Merida bekamen wir einen Cappuccino, der mit aufgeschäumter Kondensmilch gefüllt wurde. In den Hotels wird vorwiegend Instantkaffee serviert. Ich dachte, dass es im mittelamerikanischen Raum den besten Kaffee gibt, aber falsch gedacht. Am besten Tee bestellen, sofern Tee angeboten wird. Mit dem Tee haben die Mexikaner es auch nicht so.
  • Hupt ein Auto hinter dir, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Taxi.
  • Taxen sind verdammt günstig und super praktisch.
  • Ohne spanisch kommt man aber nicht weit.
  • Für 8 Euro mit dem Bus über sechs Stunden unterwegs sein und eine andere Stadt besuchen? In Mexiko sind die Möglichkeiten der Fortbewegung für Langstrecken zwar nur auf Bus, Auto und Flugzeug ausgelegt, aber der Bus ist für Reisende das bewährte Mittel. Manchmal auch mit semi‐professionellen Musikern an Board.
  • Viele Steckdosen sehen entweder aus wie Munch’s „Schrei“ oder wie der Gesichtsausdruck einiger Frauen, wenn ich meine Hose herunterlasse.
  • Für drei bis fünf Euro tiefer in die Tasche gegriffen, bekommt man anstelle eines Hostel‐ auch ein stilvolles Hotelzimmer. Immer schön die Augen offenhalten.
  • Nicht jeder, der dich auf der Straße anspricht, möchte dir etwas verkaufen. Viele freundliche Mexikaner möchten dir einfach nur ihre Stadt zeigen. Danach verschwinden sie wieder.
  • Mezcal ist die Alternative zum Tequila. Love it or hate it.
  • Obdachlose werden gesellschaftlich nicht ausgegrenzt.
  • Im nächtlichen Merida habe ich einen Zirkusclown an einer Telefonzelle telefonieren sehen.
  • Zwischen 13 und 17 Uhr sollte man sich nirgendwo im Freien aufhalten, sofern kein Meer oder Pool in der Nähe ist. Es.ist.heiß.
  • In Campeche kann man nur bis 21 Uhr Bier kaufen.
  • Das beste Moskitospray heißt H24. Da Zeug ist so stark, dass die Haut brennt und in der EU mit Sicherheit nie zum Verkauf angeboten wird. Aber hey, das Zeug hilft! AUTAN kannst du dabei nur belächeln.
  • Ich habe nicht einen Mexikaner mit einem Sombrero gesehen. Dafür aber meinen ersten Kolibri. Welch schwungvolle Erscheinung!
  • Kommt dir eine ältere Dame auf dem Gehweg entgegen, musst du für sie Platz machen. Selbst, wenn du dazu auf die Straße gehen musst. Oder mit anderen Worten: Frauen solltest du lieber aus dem Weg gehen.
  • Die Nacht lebt.
  • Die Klobrillen sind nicht durchgängig rund, sondern an der spitze offen. Vorteil: Kein lästiges Andocken der Morgenschwellung.
  • Quesadillas sind der Döner Mexikos ‐ passt immer!

Vielen Dank an die Condor und Hostelbookers, die mich auf dieser Reise unterstützt haben!

Warum Bergen eure Gedanken beflügelt

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Eine Reise in Kooperation mit Visit Norway, Northern Lights und der Flugesellschaft Widerøe.

Auf Einladung.

Alternative Titel für diesen Artikel:
„Eine Stadt in den Bergen“
„Wenn man keine Berge(n) besteigen möchte“ „Das Gebergen‐Gebirge wird geboren“
„Wir wollten Berge(n) bezwingen!“

…allesamt Schenkelklopfer meiner Oma. Dann mal los:

Der Straßenmusiker klappte seinen Gitarrenkoffer mit den hart erspielten Münzen zu. Das Publikum applaudierte. Er ging auf die Yacht, die hinter ihm im Hafen ruhte, und ließ sich vom Butler einen Champagner eingießen.

Ich beobachtete die Szenerie, während Oli und ich unser mühsam erarbeitetes Geld gegen eine Pizza und zwei Bier bei Peppes Pizza eingetauscht hatten. In Ländern wie Mexiko hätte ich dem Kellner einen Zehner dafür gegeben. Damit hätte ich Tischrechnung und Trinkgeld beglichen. Jedoch waren wir in Bergen. Noch dazu speisten wir am traditionellen Hafen dieser norwegischen Stadt. Dem ehemaligen Handelsknotenpunkt der Hanseaten. Wir zückten unsere Kreditkarten.

Ich gebe zu, mit Städten habe ich es nicht so. Berge, Wälder, hin und wieder auch das Meer ‐ das sind meine essenziellen Elemente einer Reise. Städte fallen durch das Sieb. Ein interessanter Punkt im Hintergrund der Tatsache, dass ich aus Berlin komme. Eine Kleinstadt in der Nähe von Potsdam. Dies macht diese Ansicht unglaubwürdig und verständlich zugleich. Ein unglaubwürdiges Verständnis der Dinge. Könnte eine Headline sein. Städte, egal wie groß, lassen mich wie eine Maus durch die Straßen rennen. Ähnlich der Maus aus einer Erzählung von Kavka. Sie beschreibt die erdrückenden, riesigen Wände, die immer näher zu scheinen kommen, bis sie sich letztendlich umdreht und von der Hauskatze verspeist wird. Sie war ein Opfer der Leichtgläubigkeit. Jetzt dient Kavkas Werk als Türstopper meiner Zimmertür aus.
Die praktische Seite der Literatur.

Wie die Maus ergeht es mir, wenn ich durch Städte schlendere. Kommen noch viele Gassen hinzu, wird es kuschelig. Und in Bergen gibt es viele Gassen. Es sind aber nicht diese unangenehmen kleinen Gassen wie in Venedig oder Amsterdam. Vielmehr geben sie ein „Huch, ein Hinterhof“‐Gefühl. Liebevoll gestaltet und beruhigend, weil menschenleer. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich in der Nacht die Junks derbe zuknallen und die Gassen für sich beanspruchen. Dadurch legen sie einen Schatten auf die Bezeichnung Gassen. Wenn dem so ist, würde ich es gerne mit meinen eigenen Augen sehen. Es könnte aber auch reine Spekulation sein.

Bergen ist ein sehr guter Anwärter für die Kategorie „Städte, in denen ich leben möchte“. Das Gesamtbild wirkt so unglaublich harmonisch. Die schicken kleinen Häuser, die Straßen aus Kopfsteinpflaster, die kleinen kreativen Läden, diese Individualität ‐ es wirkt alles so ehrlich und verständnisvoll. So wie überall in Norwegen.

Dass Norwegen verständnisvoll ist, erkennt man an den Reaktionen der Tragödie vom 22. Juli 2011. Die Welt berichtete. In den ersten drei Tagen nach dem schrecklichen Ereignis zeigte der Ministerpräsident in erster Linie Menschlichkeit. Er forderte die Norweger auf zu trauern und zeigte ihnen selbst, wie Trauer ausgedrückt werden kann. Er weinte vor laufender Kamera. Sein Kopf lief rot an. Danach nahm er sich für jeden Angehörigen der Opfer persönlich Zeit, um mit ihnen zu reden. Er unternahm nicht eine übereilte politische Handlung. Es wurden keine neuen Gesetze geschmiedet. Politisch gesehen hat sich nichts geändert. Was jedoch von großer Kraft zeugte: Weltweit zeigte diese politische Führung, dass ein Volk in schwierigen Zeiten nichts anderes braucht als Menschlichkeit und Zuneigung.
Ich erinnere mich an einem Satz, den unser Guide in Sogndal zum Thema gesagt hat. Er hat sich vorsichtig ausgedrückt, damit wir ihn nicht falsch verstehen: „Wir können von Glück reden, dass diese schreckliche Tat von einem Norweger vollzogen wurde.“ In Norwegen leben 12 % Einwanderer.

Au ha, jetzt habe ich aber weit ausgeholt. Wie schaffe ich nur die Brücke zurück nach Bergen? Genau. Als ich im Café Aura saß und das Treiben beobachtete, fielen mir vielmehr die Touristen, als die Einwanderer auf (Oh well, dieser Übergang war flach). Das Café Aura ist jedenfalls ein super Spot, um das Treiben beobachten zu können. Außerdem bieten die jungen Inhaber so leckeren Kuchen an, dass ich kurzerhand vergessen konnte, dass mir von Kuchen eigentlich schlecht wird. Naja, bis mir dann wieder schlecht wurde. Was aber immer wieder sehenswert ist: Die unglaublich schönen Frauen.
Das ist kein Vorurteil.
Das ist Tatsache.
Das Leben fühlt sich gut an, wenn der Großteil der weiblichen Bevölkerung problemlos mit der neuen Generation von Model verglichen werden können. Nicht diese Bohnenstangen, sondern natürliche Schönheiten. Sicherlich denkt die andere Seite ebenso über die Männerwelt in Norwegen. Bergens Schönheit zeigt sich also nicht nur in der typisch norwegischen Holzhausarchitektur.

hihi…

Diese ist übrigens im Stadtteil Bryggen, dem Kai, besonders ansehnlich. Der komplette Hafen besteht aus Holzhäusern. Sie dienten als Kontore ehemaliger Hanseaten. So viel Holz lässt das Feuer im Pyromanen entfachen. 1702 brannte ein großer Teil nieder, wurde jedoch 1965 originalgetreu nachgebaut. Da ließ sich jemand Zeit.

Eher prachtvoll als funktionell sind hingegen die massiven Bauwerke. Ist auch eine schwierige Angelegenheit aus Holz ein prachtvolles Haus zu schnitzen. Speziell die Kunstmuseen Kode 1‐ 4, die in vier Bauwerke und vier Themen aufgeteilt sind, haben meine Fantasie beflügelt. Endlich wieder klassische Kunst. Ich bin ja nicht der gebildete Kunsthistoriker und die Grenzen in Sachen Museumskunst sind bei mir recht klein gehalten. Aber gerade deswegen genoss ich es regelrecht, in ein klassisches Gemälde einzutauchen. Gerade weil ich in Berlin permanent mit dieser fragwürdigen Hipsterkunst konfrontiert werde, über die sich die Betrachter stundenlang austauschen. In einer Ausstellung vor einigen Jahren sah ich nur einen zusammengefegten Laubhaufen mit einem von der Decke hängendes Ahornblatt. In einem sonst leeren Raum. Ich weiß manchmal nicht, ob sich die Dinge dadurch in eine falsche Richtung bewegen und wir unsere Sicht auf Kunst verlieren. Die jungen Kreativen sollten der Tradition und Klassik eine Chance geben und sich nicht von der Moderne blenden lassen. Schließlich kommt die neue hektische Kreativität ursprünglich von den großen Künstlern früherer Epochen. Ach, ich weiß auch nicht.

Was das mit Bergen zu tun hat? Denke ich an Bergen zurück, hat sich ein Stadtteil besonders festgesetzt. Blöderweise habe ich den Namen nicht herausbekommen. Eine eigene kleine Welt auf einem Hang, die vom Hafen aus am Ende der Straße Vetrlidsallmenningen zu erreichen ist. Ich sehe junge Erwachsene, die sich ihre Zukunft in den Bars und Cafés wie Legosteine aufbauen. Sie lachen, sie erschaffen, sie träumen. Zwischen weißen Holzhäusern, die keine 1,5 Meter auseinanderstehen sitzt sie, die Zukunft Bergens, die Zukunft Norwegens. Zwischen Häusern, die so kleine Wohnungen in sich tragen, dass sie nicht mehr klein, sondern gemütlich sind. Gemütlichkeit, das ist es, was ich in Bergen gefunden habe. Eine Stadt mit Gemütlichkeit. Und welche Stadt kann das schon von sich behaupten?

Willst du mehr über Norwegen erfahren? Super! Dann verfolge einfach unsere nächsten Beiträge. Hier kommst du zu unserer vorherigen Etappen: Sogndal und Trondheim.

In Zusammenarbeit mit Visit Norway, Northern Lights und der Flugesellschaft Widerøe sind wir eine Woche durch Norwegen geflogen und haben bemerkenswerte Orte entdeckt.

Der Mann, der im Wald Akkordeon spielte

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Bevor du diesen Artikel anfängst zu lesen, solltest du diesen Song jetzt abspielen:

Es war ein grauer Herbsttag. Keine Sonne, nur graue Wolken in einer von welkenden Blättern übersäten Waldidylle. Elvis und ich schienen die einzigen Seelen im Wald gewesen zu sein. Ich hatte das Bedürfnis ohne Ziel umherzulaufen. Ich musste nachdenken, wusste nicht worüber, wollte es aber herausfinden. Handy, Kamera, Musik, Buch ‐ alles ließ ich zu Hause. Nur mein Hund, ich und die Rehe, die im Wald graziös umhersprangen. Viele reden vom Herbst als schönste Zeit des Jahres. Was viele jedoch nicht wissen ‐ man kann den Herbst auch fühlen, sofern man denn möchte.

Keine andere Jahreszeit ist so intensiv prädestiniert für Nostalgie wie der Herbst. Nach den sonnenreichen Monaten, die uns mit Glückshormonen gemästet haben, wird es Zeit für ein wenig Entschleunigung, um wieder zur Besinnung zu kommen, versteckt hinter Schal und Mütze. Oft möchte ich in diesen Monaten diese ganze sinnvolle Sinnlosigkeit an digitalen Gerätschaften wie Handys, Laptop oder dieses Internet in die Tonne werfen. Von all unseren Besitztümern, gibt es ein paar verstaubte Schätze, die uns den Herbst fühlen lassen können. Die analoge Kamera, die mit einer Rolle Kodachrome gefüttert wird (wird leider nicht mehr hergestellt). Der Schallplattenspieler, der uns mit seiner abgenutzten Plattennadel Miles Davis‘ „My Funny Valentine“ in analoger Tiefe abspielt. Dazu ein Buch aufschlagen. Ein echtes Buch mit echten Seiten, die man umblättern kann. Idealerweise mit vergilbten und brüchigen Seiten, die ihren eigenen Geruch absondern. Dazu einen Tee und eine hausgemachte Waffel mit Puderzucker, deren Duft in der ganzen Wohnung verteilt wurde. All diese Analogien der Haptik, Pioniere unseres heutigen Lebensstils.
Was ich mag: Eine Wanderung mit meinem Hund durch den Wald. Dabei den Duft der aufgebrochenen Kastanien, kombiniert mit dem Geruch vom Wildtier und der faulenden Blätter aufnehmen. Ab und zu erwischt uns auch eine Pilznote.

Ich watete durch die verwelkten Blätter. Ein lautstarkes Geräusch, das sich in dieser lautlosen Umgebung wie ein startendes Flugzeug anhört. Kein Vöglein zwitschert. Keine Wanderer kreuzen den Weg. Elvis genoss den Ausflug. Dank seines für Beagles typischen Tricolor‐Fells, passte er in diese Umgebung, als hätte er sie erschaffen. Elvis, dieser Gott! Manchmal stelle ich ihn mir als Engländer vor. Die gebogene Pfeife in der Schnauze, Schiebermütze auf dem Kopf, Weste mit Taschenuhr, Monokel und eine Flinte an der Schulter gelehnt. Im Hintergrund das Herrenhaus. Mit prüfendem Blick darauf wartend, dass sein Herrchen auf allen Vieren die Fährte des Wilds erschnüffelt. Was für ein Gentleman!
Was ich nicht mag: Ein bewölkter Nachthimmel im Oktober, Fontane im November, den Dingen nicht auf den Grund zu gehen, Dezember.

Elvis, der Gott

Nach ca. 1,5 Stunden wandern vernahm ich etwas Untypisches. Etwas Fremdes. Etwas, das ich nicht einordnen konnte. Nach weiteren 20 Minuten war ich mir sicher: es war Musik. Ein Akkordeon. Jemand spielte ein Akkordeon im Wald. Ich war fassungslos. Interessiert daran, woher diese Klänge kamen, ging ich weiter. Die Musik spielte, ganz langsam, immer lauter. Keine andere Musik passte besser in dieses herbstliche Gemälde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Akkordeon im Herbst erfunden wurde. Und wenn das Gegenteil bewiesen werden kann, habe ich trotzdem recht. Ist eben so. Es klingt viel zu schön. Als schwebe die Musik wie Nebel durch den Wald. Dabei wurde das Akkordeon nicht als Schlagerinstrument vergewaltigt. Es erklang im stilvollen französischen Liedertum. Yann Tiersen in seinen besten Jahren. Es gibt Situationen, in denen es mir schwer fällt, dass mich die Realität umgibt. Vielmehr erscheint alles wie ein Ausgleich der Gefühle. Wie in einem Traum kann ich Gefühlszustände nicht einordnen. Mir wird auf‘s Neue schwindlig, wenn ich darüber nachdenke. So erging es mir, als ich die Musik im Wald vernahm.

Ein Bootsman im Morgennebel

Ich stand wenige Meter vor dem alten Mann, der im Wald Akkordeon spielte. Er saß auf einem Steg einer Hütte, die zu einem Waldsee hinausblickte. Direkt sehen konnte ich ihn nicht. Erhaschte jedoch einen kurzen Blick, als ich seitlich auf die Hütte zuging. Die Hütte, versteckt zwischen den Bäumen, versperrte den Zugang zum Steg. Ich überlegte, wusste nicht, ob ich mich zu ihm gesellen sollte. Sehnsüchtig möchte ich mich mit ihm unterhalten. Über den Zauber, den er mit seinem Akkordeon über See und Wald ausstrahlte. Wer so spielt, hat Geschichten zu erzählen. Solch eine Melodie spielt man nicht einfach so. Dahinter verstecken sich Erinnerungen. Ich blieb stehen. Irgendetwas hielt mich davon ab, dieses Haus zu betreten. War es dieser Zustand eines Traumes in der Realität?

Ich drehte mich um und wanderte zurück zum Auto. Etwas benommen fuhr ich nach Hause. Es fühlte sich mehr als nur Herbst an.

Welche Musik ihr jetzt hören müsst: Bon Iver (siehe oben) und Miles Davis
Welche Bücher ihr jetzt lesen müsst: Tender Bar und Das Spiel des Engels und Hollywood