Kaffeeersatz

Walk Of Death ‐ Von Berlin nach Angermünde: 80 Km in zwei Tagen

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Start

Keiner macht sich heute Gedanken wie schnell man von A nach B kommt. Auswahl gibt es genug – Bahn, Auto, Flugzeug usw. ‐ innerhalb kürzester Zeit ist das Ziel erreicht. Vor einigen Monaten haben ein Freund und ich darüber nachgedacht, wie es wohl ist, wenn wir lange Strecken, die sonst nur mit dem Zug oder dem Auto zurücklegt werden, laufen würde. Wie im Mittelalter .
So kamen wir auf die Idee mit dem Walk Of Death von Berlin nach Angermünde, 80Km, Zeitlimit: Zwei Tage. Unser Bericht:

Angermünde ist unsere Heimatstadt.
Im Durchschnitt verbringen wir dort jedes zweite oder dritte Wochenende (im Sommer) und planschen in den Seen Brandenburgs. Kein großer Ort – nichts aufregendes. Mit Umwegen ist die Ortschaft 80Km von Berlin entfernt. Eine Strecke, die mit dem Auto locker in 50‐60 Minuten zurückgelegt werden kann. Wir aber wollten wissen: wie viel Zeit benötigen wir, um diese Strecke zu Fuß abzuklappern. Also haben wir gerechnet. Aber wir sind nicht überzeugt von den Berechnungen. Zu viele Faktoren können nicht in die Berechnung mit eingehen: körperliche Fitness, Wetter, Gepäck oder zufällige Begegnungen. Also blieb uns nur eine Wahl: Schuhe anziehen und los!

Ungünstiger Start

Treffpunkt war Samstag morgen um 8 Uhr am S‐Bahnhof Berlin Ahrensfelde. Wir waren vier Personen. Nach einigen Verzögerungen konnten wir um 9 Uhr starten. Verkatert und total übermüdet setzte ich mir eine Regel für’s
Leben: „Nie wieder feiern gehen, wenn du am nächsten Tag einen Trip hast.“ Mal schauen wie lange ich mich daran halte. Wir gingen Richtung Blumberg. Als wir ein paar Wanderschilder entdeckten, fragten wir einen Bauern, ob wir einen großen Umweg machen, wenn wir die Hauptstraße verlassen und die Wanderwege benutzen. Mit den Worten „Dat nimmt sisch nich viel“ vertrauten wir den Mann.
Später hassten wir ihn dafür.
Wir mussten einen Umweg von ca. 8 Km in Kauf nehmen. Mit dem Auto „nimmt sisch dit nich viel“, aber zu Fuß ist es schon ein Unterschied. Als wir in Werneuchen ankamen, machten wir unter einem Baum den ersten großen Rast. Eine Stunde Pause, dann geht’s weiter. Schließlich haben wir einen Zeitplan. Wir gingen die Hauptstraße entlang (B158). Am Wegesrand entdeckten wir allerlei tote Tiere und Müll. Ab jetzt hieß nur laufen, so weit die Füße tragen, durchhalten, kein Rast auf offener Straße (nur in Ortschaften) und aufpassen, dass die Autofahrer uns nicht umfahren (einige hatten es anscheinend vor).

Autofahrer – Who killed Bambi?

Wandern als Sport?

Beim Laufen hat jeder viel Zeit zum nachdenken. Schließlich „schießt“ die Umgebung viel langsamer an einem vorbei, als bei einer Autofahrt. Wir haben uns über viele Dinge unterhalten. Häufiges Thema war, was andere Menschen für Trekking‐ Routen gegangen sind, die unglaublich spektakulär sind. Daraufhin stellt sich die Frage, wie körperlich fit der Mensch sein muss für Wanderungen. Unsere Antwort: Wer große Distanzen am Tag zurücklegen will, muss enorm fit sein. Wir haben ca. 40Km am Tag zurückgelegt mit 10‐15Kg Gepäck auf dem Rücken.
Das ist eine sportliche Leistung.

Etwas Großes kommt auf uns zu

Kreislaufprobleme und Schmerzen – Scheitert der Trip?

Nach ca. 25‐30Km zeigten die Beine erste Anzeichen von Schmerzen. Aber wir hatten ein Tagesziel. Das mussten wir erreichen. Sonst würden wir die Tour nicht schaffen.
Also versuchten wir die Schmerzen zu ignorieren. Allerdings wurden diese kurz vor der Ortschaft Trampe so stark, dass wir nicht mehr stehen bleiben konnten, sondern immer weiterlaufen mussten. Sobald sich die Füße einmal nicht bewegten, wurde ein Weiterlaufen sofort qualvoller. Unser Tagesziel lag hinter Trampe und hieß Eberswalde. Dort wollten wir unser Lager aufbauen. Als wir in Trampe ankamen, wollten mich meine Beine nicht mehr tragen. Ich musste mich auf den Boden setzen und verlor ein wenig das Gleichgewicht. Wenn der Kopf sagt „Lauf Stefan, lauf!“, obwohl der Körper am Ende seiner Kräfte ist, meldet sich der Kreislauf. In diesem Moment habe ich es um so mehr bereut am Abend zuvor so viel Schnaps getrunken zu haben. Auch wenn es ein netter Abend war.
Ich hatte meine Leistungsgrenze erreicht. Jede Bewegung konnte nicht mehr als Schmerz definiert werden. Es war viel intensiver. Erst jetzt bemerkte ich, dass sich an meinen Füßen viele Blasen gebildet hatten. Das war noch ungünstiger. Mit Blasen an den Füßen kann so eine Strecke zum Albtraum werden. Wir beschlossen in Trampe zu nächtigen.

Der erste Tag war vorbei. Wir waren 12 Stunden unterwegs, 10 davon reine Laufzeit. In der Nacht tankten wir Energie für den nächsten Tag.

Ohne Worte

Tag Zwei – Seen, Schmerzen und … laufen

Mit unerträglichen Schmerzen starteten wir in den zweiten Tag. In Eberswalde besorgten wir uns ein paar Kleinigkeiten zum Frühstück und Kaffee. Nächstes Ziel Chorin. Fast jeder Ort war 5 – 8 Km entfernt. Unterwegs gab es nie viel zu sehen. Alles was hinter Eberswalde lag, also Richtung Angermünde, war landschaftlich schön anzusehen. Außerdem gab es viele Seen. Klarer Vorteil für uns. Am Choriner See machten wir einen längeren Rast von einer Stunde. Planschen und Beine im Wasser baummeln lassen. Meine Blasen machten mich fertig. Wäre ich ein Tier, hätte man mich erschießen müssen. Solche Qualen musste ich erleiden. Dann bot mir einer der Mitwanderer einen Verband an. ZACK – die Füße wurden eingewickelt. Danach ging es einigermaßen besser – oder anders ausgedrückt: hätte dieser weise Mitreisende den Verband nicht eingepackt, wäre Chorin meine Endstation gewesen. Ich hätte mich abholen lassen.

Jetzt lagen noch zwei Passagen vor uns. Zwei lange Passagen. Wir mussten uns gegenseitig aufpuschen, um durchzuhalten. Mit jedem Kilometer stieg die Motivation, dass Ziel zu erreichen. Aufgeben? Fehlanzeige. Nachdem wir bereits weit über die hälfte der Strecke gemeistert haben, kam aufgeben für uns nicht mehr in Frage. Mittlerweile wurde der Abstand zwischen uns immer größer. Die Kräfte schwanden dahin. Jeder kämpfte mit sich und seinen Beinen. Laufen sieht anders aus ‐ Wir humpelten, weil die Gelenke schmerzten. Unser Körper wollte nicht mehr weiter, aber die Motivation stieg mit jedem Schritt.

Der Denker

Das Ziel vor Augen

In Serwest machten wir die letzte große Pause. Dann starteten wir in die finale Runde. Der Weg schien endlos. Dann ging es auch noch Bergauf. Wir waren am Ende unserer Kräfte. An einer Kreuzung, ca. 4Km vor dem Ziel, mussten wir nochmals Halt machen, um ein wenig Energie zu tanken. Dann ging es weiter. Als wir das Ortseingangsschild sahen konnte uns keiner mehr bremsen. Das Ärgerlichste wäre, wenn sich genau jetzt jemand das Bein brechen würde. Doch wir humpelten lässig zum Ortseingangsschild und waren einfach nur glücklich und wahnsinnis stolz auf unsere Leistung.
Fast jeder hat gesagt, dass wir verrückt sind, solch eine Tour durchzuziehen. Es sei krank und überflüssig. Schließlich gibt es ja Autos. Aber dieser Trip war eine unvorstellbare Erfahrung. Wer nicht dabei war, oder etwas ähnliches noch nicht durchgezogen hat, kann sich nicht vorstellen, was es für eine Leistung ist in zwei Tagen 80 Km zu laufen. 80 Km in zwei Tagen. Das sagte ich mir immer wieder, als ich im Bett lag und mich nicht mehr bewegen konnte. Danke an die Mitwanderer.
Es hat echt Spaß gemacht.

„Eschman, wenn wir den Trip hinter uns haben, ist uns kein Weg mehr zu weit!“ … „Naja, außer ein weiterer Weg.“

Lomo‐Wall #1

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Schnappschüsse sind immer noch die besseren Bilder.
An ihnen werden keine große Anforderungen gestellt wie High Definition oder 5.1 Sourround. Analoge Bilder wie in den 80er oder 90er sind nicht nur Retro, sondern etwas Besonderes. Mit Digiatlkameras werden tausende Bilder geschossen. Wer eine analoge Kamera hat, überlegt gründlich, ob dieses Motiv das Geld wert ist. Einige Schnappschüsse, die ich mit meiner Lomo Diana F+ geschossen habe werde ich ab und zu hier veröffentlichen. Unter den Fotos findet ihr noch wildgewordene Sätze. Einfach nur Unsinn…

Als der kleine Junge sich die Schuhe zubindet und merkt, dass er schnürsenkelfreie Schuhe hat, richtet er sich wieder auf und blickt in das schildlose Schild. Er konnte sich nicht erklären, was dieser schildlose Rahmen ihm damit sagen wollte. Von dem ganzen Nachgedenke bekommt er Hunger und möchte sich einen kleinen Crêpe kaufen. Leider ist dem Laden die Schokolade ausgegangen. Da war der Junge so wütend, dass er unbedingt Schokolade ernten wollte. Er ging zu einem Kutter und wollte über den Atlantik schippern. Doch dann blieb er stehen. Irgendetwas ist merkwürdig. Es scheint, als wolle etwas großes, gewaltiges aus seinem Körper. Er rülpst, pustet den Gestank seitlich weg, und entdeckt dabei einen kranken Vogel, der auf einem Baumstamm sitzt. Der Vogel sah ängstlich aus. Anscheinend hat er sich einen Flügel gebrochen. Der Junge empfand Mitleid. Mitleid mag der Junge nicht. Also geht er auf einen Jahrmarkt. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Er schlenderte die ganze Nacht an Achterbahnen und Zuckerwattebuden vorbei. Er kauft sich so viel Zuckerwatte von den Zuckerwattebuden, dass er am nächsten Morgen eine Zuckerwatte eine Frau schenkt, die Akkordeon spielt. Er sagt zu hier: „Hier ich habe Zuckerwatte von den Zuckerwattebuden gekauft!“ Sie freut sich und spielt ein Lied für ihn. Er will nach Hause. Ein kurzer Blick zum Museum und dann geht er zu seinem Fahrrad, stellt den Kaffeeersatz­Becher auf den Gepäckträger und radelt los. BÄH….

Party, alte Freunde und Knast – Ein Studentenwochenende in Greifswald

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An einem Wochenende kann viel geschehen. Jeder erzählt sich danach in der bekanntlichen Montagsstimmung die lustigen Geschichten, die am Wochenende passiert sind. Ich hatte dieses Wochenende genug von der Hauptstadt und habe Freunde in Greifswald besucht.
All in all: Ein Absturz auf höchster Ebene.

Die 10‐Minuten‐Regel

Freitagabend 21:19 Uhr kam ich in Greifswald Süd an.
Mein Kumpel holte mich freundlicherweise vom Bahnhof ab. Nachdem wir uns begrüßt hatten, gingen wir auch schon in den nächsten Supermarkt (der praktischerweise direkt am Bahnhof liegt) und besorgten uns etwas zu trinken, um unser Wiedersehen feiern zu können. Mit den Worten „Der Winter ist vorbei, der Schnaps muss jetzt gemischt werden.“ Besorgte ich eine Flasche Cola und er den billigen Fusel.
Ich hatte schon die Hoffnung, dass das Wochenende keine Eskalation bereithält.

Dem war allerdings nicht so.
10 Minuten nach meiner Ankunft in der Studentenstadt hatte ich mein erstes Bier in der Hand und fühlte mich entspannt … noch.

Party die Erste

Nachdem ich mein Gepäck in der WG abgestellt und alte bekannte begrüßt habe, blieb mir nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Die erste Party‐Einladung musste wahrgenommen werden. Wir gingen auf eine WG‐Party irgendwo in der Innenstadt. Mein Kumpel und ich kannten niemanden dort. Das macht die Sache natürlich spannend. Niemand wusste, was uns dort erwartet. Wir kamen an und mussten uns natürlich bei dem Gastgeber vorstellen. Anmerkung: Wir benutzen auf fremden Partys Pseudonyme. Mein Begleiter hieß Lars und ich Emil. Wir studieren Kriminologie in Rostock (keine Ahnung, ob es den Studiengang dort überhaupt gibt). Zum Glück hat uns niemand zum Studium ausgequetscht. Anscheinend ist dieser Studiengang so langweilig, dass es niemandem interessiert was ein Kriminologe so alles anstellt. Demzufolge weiß ich, was ich nicht studieren möchte.
In der kleinen 70qm WG quetschten sich gefühlte 120 feierlustige Menschen. Dementsprechend dauerte es nicht lange, bis die Polizei anrückte. Zufälligerweise standen meine Begleiter und ich an der Tür. Es klingelte, wir öffneten und mit einem kräftigen „Verpisst euch hier!“ knallte Lars die Tür wieder zu. Glücklicherweise wurde diese vulgäre Aufforderung von den Herren nicht beachtet. Nach 20 Minuten wurde die Party endgültig gesprengt.

Party die Zweite

Wir gingen also zur nächsten Party. Auf dem Weg dort hin hatten wir wieder eine Begegnung mit der Polizei. Ein Kumpel von uns wurde angehalten, weil er mit dem Fahrrad fuhr. Dieser Satz hört sich komisch an, ist aber so. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht mehr, was genau vorgefallen ist. Der Weg zur nächsten Party wurde aus meinem Gedächtnis gelöscht. Vielleicht war mein Erinnerungsspeicher voll. Die nächste Party war in den berühmten Geo‐Keller. Das Motto hier: tanzen und trinken auf billigem Niveau. Ich glaube allerdings, dass ich einfach nur leblos auf der Tanzfläche stand. Es war mir nicht möglich eine koordinierte Bewegung mit meinen Gliedmaßen zu erzielen. Mein Kumpel wollte unbedingt ein Mädchen aufreißen, die „Karen“ hieß. Mit den Worten „Jetzt wollen wir den Karen mal ausm Dreck ziehen!“ versuchte er sein Glück bei der jungen Dame. Erfolglos.
Aus irgendeinen Grund machte sich die Aufbruchstimmung breit. Entweder, weil wir müde waren oder die Tatsache, dass wir noch einen gefühlten 50 Km langen Fußmarsch vor uns hatten.
(Anmerkung: Bitte liebe Greifswalder, löst dieses Problem mit der unflexiblen Nacht. Kauft euch eine U‐Bahn.)
Draußen vor dem Geo‐Keller sah ich noch eine Frau, die recht betrunken war. Sie stolzierte mit starrem Blick den Weg entlang. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sie anfängt hinzufallen und keine gerade Bewegung vollführen kann, wenn sie für uns außer Sichtweite war. Schade, dass sie alleine nach Hause ging. So hatte sie niemanden, der ihr die Haare beim Kotzen hielt. Ich gab ihr den Namen Steven.

Knast

Im betrunkenen Zustand machen Jungs ziemlich blöde Sachen.
Warum? Keine Ahnung.
Bringt auch nichts darüber nachzudenken.
Wir wollten natürlich nicht laufen. Daher, versuchten wir zu dritt auf einem Fahrrad zu fahren. Es hätte geklappt, wenn wenigstens einer von uns einigermaßen nüchtern gewesen wäre. Wir fielen bestimmt 6‐mal, zusammen mit dem Rad, auf den Gehweg. Als wir eingesehen hatten, dass es nicht die optimale Fortbewegungsmethode war, entschieden wir uns zu laufen. Schließlich wurden Beine früher erfunden als das Fahrrad. Mit der Idee zwei Straßenrand‐Gulli‐Deckel zu öffnen, wollten wir uns wieder wie 15 fühlen. Wir dachten, dass sich dort ein Kätzchen eingesperrt hat, das wir natürlich retten müssen. Außerdem wollten wir ein Foto von uns machen, wie wir in einem Gulliloch stehen. Selbstverständlich dachten wir nicht an irgendwelche Folgen. Wie auch? Wir dachten ja nicht mal ans Denken. Immerhin haben wir in unserem Leben bereits richtig blöde Dummheiten angestellt. Nur wurden wir bisher noch nie erwischt.

Bis zum besagten Tag.
Wir sahen auf dem Gehweg eine recht stattliche männliche Gestalt. Quasi ein Gorilla in einer breiten Jacke und ohne Haare auf dem Kopf. Dieser Mann kam schnell, mit wedelnden Armen, auf uns zu und hielt meinen Kumpel fest, der versuchte zu flüchten.
Jetzt sahen wir, dass der Türsteher ein Polizist war.
Dieser brüllte uns an, was wir dort machen (und so weiter…na was Polizisten so eben für blöde rhetorische Fragen stellen). Da wir artige Jungs sind, haben wir natürlich die Gulli‐Löcher wieder geschlossen. Damit war es allerdings noch nicht genug. Wir wurden aufgefordert, in ein Gerät zu pusten. Verdutzt sahen wir die Polizisten an. Ich fragte, was hier eigentlich los ist.

„Laut §315a ist ihr Handeln eine Straftat und eine Gefährdung des Straßenverkehrs.“
Ich blickte mich um und kann bis heute sagen, dass nicht EIN Auto während dieser Zeit auf der Straße gefahren war. Also fragte ich: „Welcher Verkehr?“
Die Frage wurde ignoriert. Plötzlich sollten wir auf das Präsidium. Nun waren wir richtig verwirrt. Dort angekommen warteten wir, bis jeder einzeln in das Büro gehen sollte. Vor uns war noch irgendein Junky an der Reihe, durchgenommen zu werden. DER war ein Verbrecher. Nicht wir. Egal…

Irgendwann kam dann der Polizeichef raus und war der Meinung uns lautstark belehren zu müssen.
„IST EUCH EIGENTLICH KLAR, WAS IHR DA GEMACHT HABT? DAS WIRD KONSEQUENZEN HABEN! ICH HABE JA SCHON VIEL SCHEISSE GEMACHT. ABER SO ETWAS NOCH NICHT!“
Ich hatte enorm damit zu kämpfen nicht lachen zu müssen.
Erstens dachte ich mir, wenn er so etwas noch nicht gemacht hat, hatte er bis dato ein total langweiliges Leben. Zweitens hatte er einen echt lustigen Pornobalken unter der Nase.
Als wir dem Alphatier in Hochdeutsch erklärten, dass wir ja eigentlich ordentliche Bengels sind, war er sichtlich verwirrt und verstand offenbar noch weniger warum wir das getan haben. Aber wir wussten das ja auch nicht…Zwischenzeitlich überlegten wir uns, wie wohl der fachliche Ausdruck zu „Gullideckel“ lautet.

Nach drei Stunden wurden wir zum Sonnenaufgang entlassen. Das Angebot, ob man uns nach Hause fahren soll, haben wir dankend abgelehnt. Das hätten die uns bestimmt in Rechnung geschrieben. Spätestens jetzt habe ich gehofft, dass ein Clown um die Ecke kommt und Konfettischmeißend ruft „April, April. Alles nur ein Scherz!“

Vögel twittern und entspannen

Als ich am nächsten Morgen wieder aufgewacht bin, hoffte ich, dass alles nur ein Traum war. Aber der Blick auf mein Handy verriet, dass es die Realität war. Folgende Nachrichten (in genau dieser Reihenfolge) waren auf mein Handy:

Von M: „Oh mein Gott…was ist passiert? Wieso sitzt du bei der Polizei?“

Von L: „S. was ist da los? Warum? Soll ich irgendwo anrufen? Brauchst du Geld? Meld dich! Hilfe…“

Von Mama: „Guten Morgen großer =) bist du gut in Greifswald angekommen und hattest Spaß?“

Ich musste lächeln.
Beim Frühstück (13Uhr) ist uns klar geworden, dass die Geschichte so peinlich ist, dass wir nicht gerade das Vergnügen hatten, unseren Kindern davon zu erzählen. Also haben wir überlegt, diese Nacht etwas ganz Großes zu planen. Ich hatte die Idee ein Segelboot zu entwenden und damit nach Rostock zu segeln. Alle waren von der Idee fasziniert, doch wir sollten später in der Nacht den Hafen nicht finden und das Vorhaben geriet in Vergessenheit. Den Tag verbrachten wir mit chillen am Hafen. Ich versuchte eine Anti‐Atomkraft‐Aktivistin zu erklären, dass das Bier, das sie getrunken hat, eine besondere Bedeutung hat (Biermarke: Stralsunder). Ich erklärte ihr, dass der Name Stralsund altdeutscher Herkunft sei und eine Zusammensetzung aus „Strahlung ist gesund“ sei. Laut der alt‐alt‐deutschen Rechtschreibung wurde Strahlung seinerzeit ohne H geschrieben. Sie hatte Zweifel an meiner Theorie.

Party, die…dritte…

Am Abend trafen wir uns mit ein paar Mädels und so. In einem 9 qm‐Zimmer saßen wir mit 13 Personen. Ich nahm mir den Stadtplan und versuchte mir einen Überblick über diese Stadt zu verschaffen. Obwohl ich bereits mehrmals in Greifswald war, hatte ich überhaupt keinen Orientierungssinn. Selbst als ich einen Tag in Barcelona verbracht habe, konnte ich mich besser zurechtfinden als in Greifswald. Komische Stadt. Komische Menschen. Komische Polizisten.
Wir gingen auf eine Medizinerparty und lernten weitere Menschen kennen. Da wir nur noch Blödsinn im Kopf hatten, verliefen die Gespräche so:

„Hey wie heißt du?“
„Lara“
„aha…ist das die Kurzform von Heinz?“

„Hallo, ich bin Tini.“
„Tini grübel ah! Du bist doch die, die nur einmal in der Woche kacken geht?!“ (Anmerkung: Das tat sie wirklich. Kein Scherz“)

Irgendwann wurde die Party langweilig. Als ein junger Herr auf uns zukam mit den Worten „Hey ihr seid doch Emil und Lars (zum Entsetzen unsererseits kannte er unsere richtigen Namen!). Ich habe schon so viel von euch gehört!“ wurde die ganze Angelegenheit unheimlich. Wir beschlossen, aufzubrechen. Da wir die 100Km zur Wohnung nicht laufen wollten, entschieden wir bei einem Bekannten zu schlafen.
Als wir heftig fünf Minuten lang am Fenster klopften, fiel uns auf, dass dies nicht seine Wohnung war.
Also gingen wir eine Wohnung weiter.
Verschlafen, mit Boxershorts ausgestattet und sichtlich breit, bot er uns an bei sich zu übernachten. Kurzerhand beschlossen wir, bei der netten Dame zu übernachten, mit der wir die Party verlassen haben. Ich fand sie ganz nett. Sie erklärte mir, dass ein erigierter Penis mit dem Parasympathikus zusammenhängt. Das war Grund genug, um bei ihr zu übernachten.

Abflug und Summary

Am nächsten Morgen gingen wir zurück in die WG. Ich war so im Eimer, wie das Erbrochene von meinem Kumpel. Später am Tag fuhr ich mit dem Zug zurück nach Berlin. Über die Mitfahrzentrale habe ich eine Gruppe gefunden, mit der ich günstig nach Berlin kam. Die Ansprechdame für das günstige Gruppenticket sah wirklich gut aus. Sie machte einen gepflegten Eindruck. Ganz im Gegensatz zu mir. Nach zwei Tagen Party sah ich aus wie der letzte Dreck unterm Teppich. Trotzdem habe ich ihre Nummer behalten und halte den Kontakt. Man weiß ja nie.

Ich fasste einen Entschluss. Nie wieder Greifswald. Was allerdings nicht möglich war, denn ich muss ja sowieso noch hin wegen der Polizeianzeige. So spielt das Leben. Anfangs hören wir zu, dann erleben wir viel Blödsinn und zum Schluss erzählen wir es weiter. Ganz am Ende sterben wir. Aber bis dahin: Scheiß drauf…Rock’n’Roll!

Anmerkung zum Text: Die Strafe ist übrigens nicht lustig. Bis zu 1300 Euronen und 5 Jahre Gefängnis. Macht so ein Blödsinn nicht. Bleibt brav, lasst euch n Pornobalken wachsen und werdet Polizeichef.

Whatever …