Kaffeeersatz

Ich motorrolle, also bin ich. 25 asiatische Weisheiten

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Frisch aus Asien zurück.
Zum ersten Mal habe ich diesen exotischen und geheimnisvollen Kontinent betreten und viele Dinge gelernt, unzählige Meter zurückgelegt und noch mehr hat sich meine Sicht auf die Welt geändert oder manifestiert. Das möchte ich niederschreiben, um es mit euch zu teilen. Each one teach one.
Es folgen meine Erkenntnisse. Manches ist neu für mich, manches ist alt wie die Welt.
Habt ihr auch Weisheiten, die ihr teilen möchtet? Immer her damit!

1. Ich motorrolle, also bin ich.

2. Es gibt zu viele Buddhas auf der Welt.

3. Es gibt nicht genügend Buddhas auf der Welt.

4. Asien ist da, wo sich Menschen einen Platz im Bus suchen und sich im Schneidersitz darauf niederlassen.

5. Die Gotteshäuser der Kambodschaner sind im vietnamesischen Exil größer und goldener als in ihrer Heimat.

6. Asien ist Ankommen in einer neuen Stadt und feststellen, dass es immer noch etwas schwüler geht.

7. Die schönsten Frauen der Mongolei sind Ausländerinnen.

8. In Kambodscha gibt es alles für „Only one dollaaaarrr…!“.

9. In Kuala Lumpur passiert man eine goldene Heiligenstatue und unzählige wunderschöne religiöse Relikte, erklimmt zweihundertzweiundsiebzig Stufen zu den Batu‐Höhlen, um sich in schwindelerregender Höhe in einem Tempel wiederzufinden, der so dreckig, kommerziell und ohne Liebe ist, wie das billigste Bordell in Tschechien.

10. Die Silberpagode in Phnom Penh bekam ihren Namen durch ihren besonderen Boden – er ist mit Fliesen aus purem Silber ausgelegt. Leider kann man diesen selbst nach dem Bezahlen von fünf Euro Eintrittsgeld nicht bestaunen, da er von rotem Teppich überlagert wird.

11. Hat man einen unmotivierten Fahrer angeheuert, so kann in der mongolischen Wüste irgendwann Wodka wichtiger als Wasser werden.

12. Ho‐Chi‐Minh‐City ist in den Köpfen aller Einheimischen noch immer Sai Gon und dort zeigt sich Rucksacktourismus von seiner hässlichsten Seite. Unbedingt den nächstbesten Bus ins Mekongdelta nehmen und sich dort von freundlichen Vietnamesen einquartieren lassen. Es findet sich immer jemand, der ein Familienmitglied hat, das eine Herberge oder ähnliches betreibt.

13. Singapur ist aufgrund der ebenen und guten Straßen ein Mekka für Skateboarder und Inliner. Würde nicht alle fünfzig Meter ein Schild darauf hinweisen, dass unter Strafe von fünfhundert Singapurdollar das Skaten strengstens verboten ist.

14. In den ländlichen touristischen Gegenden Südostasiens wird ein „No“ als Antwort auf ein Kaufangebot niemals akzeptiert. Hier empfiehlt sich das viel verwendete „Maybe later“.

15. Beginnt man ein Gespräch mit einem älteren asiatischen Gentleman der Alten Schule, ist seine erste Frage immer: „Wie gefallen dir unsere Frauen?“

16. Der günstigste Weg über Land von Singapur nach Kuala Lumpur ist mit dem Linienbus. Sie sagen, es dauert vier Stunden. Mit einer indischen Reisegruppe dauert die Fahrt acht Stunden. Ist dafür aber auch doppelt so lustig. Besonders, wenn man nebenbei Helge Timmerbergs „Shiva Moon“ liest. Und man bekommt Kekse geschenkt.

17. In Südkorea dürfen unverheiratete Paare nicht allein in den Urlaub fahren, geschweige denn ohne Aufsicht miteinander übernachten. Dafür gibt es in allen großen Städten sogenannte „Love Motels“, wo sie sich ein Zimmer für die Nacht mieten und ungestört sein können. Alle wissen davon, keiner redet darüber. Jede ältere Person wird auf Nachfrage die Existenz dieser Love Motels verneinen.

18. Da in Viet Nam der Konsum leichter Drogen genauso bestraft wird, wie der Besitz harter Drogen, vertrauen Einheimische auf starken Tabak aus der Bambusbong.
Ist legal und knallt mordsmäßig.

19. Heißt ein mongolisches Unternehmen nicht „Dschingis Irgendwas“ oder „Khaan Sonstwas“, so wird es nie Erfolg haben.

20. Jimjilbang, das traditionelle Badehaus, ist der einzige Ort in Korea, an dem es keine Kameraüberwachung gibt.

21. In der mongolischen Wüstenhauptstadt Dalanzadgad lohnt es sich nicht, länger als einen Tag zu verweilen. Und das nur, wenn man sich den ganzen Tag mit Vorräten eindeckt.
Zitat eines Mitreisenden: „Hier hängste auch tot über’n Zaun.“

22. Niemals mit einer Magenverstimmung einen Roadtrip durch die Mongolei antreten, der mit einer zwölfstündigen Busfahrt Richtung Nirgendwo beginnt. Zwischenstopps gibt es nur auf massive Nachfrage und der Fahrer hält grundsätzlich nur mitten in der weiten Ebene des Hinterlands.

23. In der koreanischen Stadt Gyeongju befindet sich die Rotlichtmeile direkt gegenüber des Rathauses. Was sagt uns das über die örtlichen Politiker?

24. Die Worte meines Mitreisenden René über Meditation in Thailand: Erst tut dein Körper weh, und dann tun deine Gedanken weh.

25. Der Hahnenkampf ist in Viet Nam eine sehr alte Tradition. Jeder Mann auf dem Land besitzt mindestens drei Kampfhähne. Er wird dir sagen, dass Hahnenkämpfe in Vietnam höchst illegal sind.
Und dir dann voller Stolz seine Hähne zeigen.

Bunte Seele, graues Gewand: Belgrads Street Art

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Belgrad ist Liebe auf den zweiten Blick.
Die Stadt drängt sich nicht auf. Doch wenn du dir Zeit nimmst und dich mit einem Kaffee in den Sonnenschein setzt, dann erzählt sie dir gern ihre Geschichte und weiht dich in ihre Geheimnisse ein.
„Never judge a book by its cover“, lautet ein englisches Sprichwort. Diese Worte passen perfekt zu Belgrads Altbauten, denn sie sind prächtig und erhaben. Zugleich sind sie grau und alt und heruntergekommen. Nun liegt es im Auge des Betrachters, ob sich der Zauber dieser Stadt für ihn eröffnet.

Gleiches lässt sich auch über die Einwohner sagen.
Da wären die wunderschönen stolzen Frauen, die ihre Lebensfreude erst auf den zweiten Blick zeigen. Starke und griesgrämig dreinblickende Männer, die erst bei einem persönlichen Gespräch ihre Miene wechseln.
Belgrad gibt sich nicht so einfach her, es will von jedem Besucher persönlich erobert werden. Die Stadt will ihre Wertschätzung und das zu Recht.

Auf meinem Fotostreifzug finde ich unzählige alte Gebäude mit noch älteren Geschichten. Viele sind bereits zerfallen, doch an den Stellen mit dem größten Makel finden sich bunte Kunstwerke von kreativen Schaffenden aus der ganzen Welt.
Sie erzählen von einer vergessenen Zeit, erinnern an den Ort, der die Stadt früher war und färben das graue Straßenleben wieder bunt.

Mein Besuch in der wunderschönen Stadt Belgrad fand im Rahmen der Aktion Lifestyle Serbia statt. Während dieser war ich auch auf dem EXIT Festival unterwegs und habe in meinem Artikel „Dann lasst uns tanzen“ darüber geschrieben.
Vielen Dank an Diana von mascontour und Aleksandra von der Nationalen Tourismusorganisation Serbiens für die tolle Zeit in Serbien und die gute Organisation!

Ich will zurück nach Korfu

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Fotos von Marie Lawrenz.

Ich winke dem Eselchen zu, bevor ich in die Allee aus Weinranken und Olivenbäumen einbiege. Ihre Schatten bergen eine angenehme Kühle an diesem heißen Tag.

„Heute wird ein guter Tag“, meint Oma Niki.
„Einer, an dem man seine Seele baumeln lassen sollte.“

Mir ist nach Abenteuer – ich will die griechische Insel erkunden und mir den Küstenwind um die Ohren wehen lassen. Oma Niki sagt, ich solle es ruhig angehen lassen. Ich hätte noch so viel Zeit. Oma Niki hat immer Recht. Sie setzt sich in ihren Schaukelstuhl und beginnt Dinge zu tun, die griechische Omas am Wochenende üblicherweise tun. Und so schlendere ich durch diesen heißen Samstag, bis ich das Rauschen des Meeres vernehme und mir das Funkeln und Glitzern der Brandung sagt, dass ich die Küste erreicht habe.

Es ist ein Sommer, den ich nie vergessen werde und an den ich mich noch oft sehnsüchtig zurückerinnern werde. Die Strandpromenade ist menschenleer. Hier und da eine Taverne und ein kleiner Souvenirladen, der auch überlebenswichtige Luftmatratzen und Sandschaufeln verkauft. Zuerst faszinieren mich die Farben.
Der grobe graubraune Sand wird zu rundem Kies, welcher von der aufgewühlten See regelmäßig gewaschen wird. An der Grenze von Land und Meer ist das Nass noch dunkel, fast grünlich, bevor es nach einigen Metern in das Blau übergeht, von dem eine magische Anziehungskraft ausgeht.

Die Wellen tragen weiße Gischt. Trotz klarer Sicht wirken die angrenzenden Berge Albaniens transparent. Sie sind so weit weg und doch kann ich jede einzelne Kontur erkennen. Die wilde Formation ist fast zum Greifen nah und ich muss mich zurückhalten, um nicht den Versuch zu wagen, hinüber zu schwimmen.

Ich verlasse den Strand und gehe zurück auf die Straße, die sich durch die nördlichen Küstenstädtchen schlängelt. Hitze tanzt über den Asphalt und spielt meinen Augen Streiche. Manchmal treffe ich Einheimische auf dem Weg. Wir grüßen uns nickend uns zu, tauschen Kalimeras aus. Sie bieten mir heimisches Obst und Gemüse an. Die Früchte sind übergroß und saftig, die Farben intensiver. Sie vertreiben mir die Wartezeit, die ich an der Bushaltestelle verbringe. Die Griechen auf Korfu haben die Fertigkeit perfektioniert, sich nicht an ihre ausgehangenen Fahrpläne zu halten. Trotzdem bekomme ich für 3 Euro eine wunderschöne Panoramafahrt nach Korfu Stadt, der größten Ortschaft auf Korfu.

Ein kleiner Hafen wird von der Alten Festung und der Neuen Festung umringt. Seine Besucher, Fischer und Händler führen mich durch enge Gassen zur Altstadt. Neue Bauten sind nur halb fertiggestellt. Die alten Häuser erzählen Geschichten von rauer Seeluft und Eroberern.

Die Stadt treibt mich durch ihre alten Adern, in denen das Leben nicht mehr ganz so schnell pulsiert. Ich atme die Seeluft und koste das Salz. Street Food zwingt mich immer wieder zum Anhalten. Koulouri (Brotringe mit Sesam), Gyros im Pitabrot, eine Handvoll Nüsse und Honig. Korfu schmeckt herrlich nach Freiheit.

Zurück bei Oma Niki.
„Hast du meinen Rat befolgt und es ruhig angehen lassen?“

Ich sage ja. Und während die Abendsonne Stück für Stück von den nun seichten Wellen des Meeres umarmt wird, merke ich, warum ich so entspannt und zufrieden bin. Hier auf Korfu steht die Zeit nicht still.
Es gibt keine Zeit.

Geheimnisvolles Tallinn

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Die wunderschöne Altstadt im Kern Tallinns breitet ihre Arme aus. Andauernder Platzregen macht die unzähligen verwinkelten Gassen noch etwas enger und schluckt das Tageslicht. Das nasse alte Kopfsteinpflaster glänzt speckig und erschwert das Laufen. Estlands Hauptstadt ist ein mysteriöser Ort, der sich irgendwo zwischen dem hohen Norden und dem tiefen Osten an die Enden der Ostsee schmiegt.

Alte Stadtmauern, Wachtürme und der Domberg sind Zeitzeugen aus einer Ära, in der Eroberer aus den Nachbarländern hier regierten. Ich will die Stadt abseits der alten Gemäuer ihrer Mitte entdecken und herausfinden, wohin es ihre Bewohner zieht.

Am Hafen treffe ich auf einen großen grauen Betonklotz von Bauwerk. Es ist die Linnahall, ehemals eine Mehrzweckhalle, mittlerweile ein heruntergekommener und trister Ort. Sogar die maroden Treppenstufen zerfallen Stück für Stück. Trotzdem eröffnet sich von hier ein hervorragender Ausblick auf die Stadt. Das ist auch der Grund, weshalb sich an lauen Abenden viele Einheimische hier treffen, um den Sonnenuntergang und die Seeluft zu genießen.
Von seiner besten Seite zeigt sich auch das Meer, welches sich den Weg vorbei an Schweden und finnischen Inseln gebahnt hat. Und noch etwas kann ich neben der bunten neuen Fassade der Küstenhäuser erkennen: Ein altes Gefängnis.
Wo einst Insassen gefoltert und gelyncht wurden, finden mittlerweile Raveparties für Tallinns Elektroszene statt.

Dem Kultuurikilomeeter (Kulturkilometer) folgend, wird zuerst eine alte Fabrik sowie das Kulturzentrum passiert. Dann führt mich die Straßenbahnstrecke parallel zur Põhja puiestee zu Tallinns Hauptbahnhof Balti jaam. Nach einem kurzen Fußmarsch erreiche ich ein alternatives Viertel. Hier stehen ausgediente Fabrikgebäude und verfallene Lagerhallen. Auf den ersten Blick kein schöner Ort, auf den zweiten Blick ein sehr interessantes Gebiet. Nachtschwärmer sammeln sich hier, um in einer besonderen Atmosphäre ihre Sorgen wegzufeiern. Inzwischen sind einige alte Bauten renoviert und Cafés, Clubs und Galerien eingezogen – die Kreativität ist hier mit den Händen fühlbar.

Tallinn bleibt auch nach meinem Besuch geheimnisvoll. Eine Stadt, die ihre alten Gebäude im Kampf vor Zerstörung bewahrte, indem sie ihren Todfeinden schnell Tür und Tor öffnete. Eine Stadt mit Charme, die zugleich bedacht und fortschrittlich ist. Eine Stadt mit erfinderischen Bewohnern, die Freiluftkinos auf Parkhäusern aufbauen, sobald es das Wetter zulässt. Die nächtliche Sternfahrten organisieren, weil es zu wenig Radwege gibt. Die so spontan sind, wie das wechselhafte Küstenwetter.

Viele alte Tore Tallinns bleiben ungeöffnet und warten darauf, dass ich zurückkehre, um deren verborgene Geheimnisse zu entdecken.

Vielen Dank an Evely und Kristiina vom Estonian Tourist Board für die gute Organisation und Kooperation!

Mit Franz Kafka beim Kaffee

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Wenn ich an Prag denke, dann denke ich ans Café Louvre. Dieses beeindruckende, altehrwürdige Prager Kaffeehaus ganz in der Nähe des Nationaltheaters (narodní divadlo). Hier war schon Franz Kafka regelmäßig Gast und diskutierte mit Max Brod seine Werke. Die Zeitung raschelt, als Johanna zur nächsten Seite umblättert. Im Hintergrund ein lautes, summendes Stimmenwirrwarr der vielen Gäste an diesem Nachmittag. Und da ist immer noch derselbe Kellner von vor neun Jahren, der uns gerade zuzwinkert. Ich schlürfe mit geschlossenen Augen meine heiße Schokolade (horká čokoláda). Die beste, die ich je getrunken habe. Kein Pulvergemisch, sondern vielmehr wie heiße, flüssige, zuckersüße Vollmilchschokolade.

Nachdem wir uns wieder in unsere Mäntel eingewickelt haben, laufen wir schnell rüber ins Staatstheater (státni opera). Von den höchsten Rängen aus lauschen wir bedächtig den Klängen von Mozart’s Zauberflöte, ganz wie in alten Zeiten.

Am nächsten Tag geht unsere Reise durch die Prager Kaffeehäuser weiter. Wir frühstücken im pompösen Art Deco Café Imperial. Der Besuch dieses Glanzstücks lohnt sich schon allein wegen der atemberaubenden Inneneinrichtung im Jugendstil. Nach einem Abstecher ins Jüdische Viertel Josefov wärmen wir uns mit einem Milchkaffee in der Studentenkneipe Hany Bany auf und laufen anschließend über die Karlsbrücke auf die Prager Kleinseite (mála strána).

Hier geht das Café‐Hopping weiter, diesmal in der wunderschön eingerichteten Cukrkávalimonáda. Nachdem wir es geschafft haben, dieses Zungenbrecher über die Lippen zu bringen, bestellen wir uns erstmal palačinky, eine Art Prager Eierkuchen mit Apfelmus.

Mit der Abendsonne im Gesicht spazieren wir später an der Moldau entlang Richtung Wenzelsplatz zum Kino Lucerna. Neben einem Programmkino gibt es hier ‐ genau ‐ auch ein sehr schönes Café aus den 1920er Jahren, die Kavárna Lucerna. Nirgendwo sonst hat man wohl beim Ausblick eine kopfüber‐hängende Pferdeskulptur von David Černý vor der Nase.

Café‐ und Kaffeeliebhaber kommen in Prag definitiv auf ihre Kosten. Und da Prag eine kleine Großstadt ist, kommt man gut zu Fuß überall hin. Vor allem im Winter ist Prag eine Reise wert. Die gemütliche Prager Kaffeehauskultur lernt man doch erst so richtig zu schätzen, wenn man sich halb erfroren in einem gemütlichen, warmen Café aufwärmen kann.