Kaffeeersatz

Eine Ode an Bangkoks Nachtmarkt

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Nach dem ersten Bissen verfalle ich in eine Art Trance.

Die einsetzende Dämmerung lenkt meinen Blick in ein blauorangenes Zwielicht, der wacklige rosa Plastikhocker unter mir verwirrt mein Gleichgewichtsgefühl und das Geruchsgemisch aus gezupftem Entenfleisch, Kohl und Teigtaschen raubt mir die Sinne. Es ist, als würde ein Nervengift von der Zunge aus in mein Hirn kriechen, um dort jeden sich formenden Gedanken im Keim zu ersticken. Die repetitiven Bewegungen meiner Umgebung formen sich zu einem Schema: Das Schlurfen von Latschen, das Schlürfen von Suppe aus hunderten Mündern, das Schleifen der kleinen Plastikhocker auf dem zerlebten Gehweg. Weiterlesen

Zu Besuch im goldenen Käfig

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“Denn sie wissen nicht, was sie tun”, sagt er zu mir.
“Wie könnten sie auch? Sie kennen weder sich selbst noch ihre Geschichte. Sie haben keine Identität mehr, nachdem sie vor Pol Pot geflohen sind. Das ist nicht einmal 20 Jahre her.“ Ein mattes Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht.

„Die goldenen Dächer, Säulen und Verzierungen der Tempel sind nicht annähernd so viel wert, wie das Wissen, das hier vermittelt wird. Ich bin hier, um zu lernen. Meine Brüder und Schwestern, die auch hier in Vietnam leben, wissen zwar um ihre Herkunft. Die meisten wissen aber nicht mehr, was es heißt, Khmer zu sein.“
„Und das lernst du alles hier in den farbenfrohen Tempeln mitten im Wald?“ „Ich lerne es und gebe es danach an meine Landsleute weiter.“

Bei einem Eiskaffee fragt er mich, was mich hierher geführt hat. Seit drei Tagen bin ich im Mekongdelta unterwegs, um die Tempel der Region zu besuchen und herauszufinden, wie die Khmer im Exil Vietnams leben.
Stunden hat es gedauert, die Tempelanlagen zu finden. Meine Suche führte mich durch grün‐ saftige schier endlose Reisfelder und die tropische Hitze der Region, vorbei an Ziegelbrennereien und Longanplantagen, über Brücken zwischen Enten‐ und Fischfarmen.

Am Straßenrand traf ich immer zuerst auf den Vorboten der jeweiligen Anlage: Ein Tor, umgeben von einigen Metern Alibi‐Zaun. Mal gülden, mal alt und steinern, mal vom vietnamesischen Holzwurm heimgesucht.
Ein langer Gang führt von der Straße zum zentralen Platz der Tempelanlage. Es dauert seine Zeit, ihn zu beschreiten. Zeit, einen Kaffee zuzubereiten oder als Tourist um einen Mopedtaxipreis auszuhandeln.
In dieser Zeit höre ich nur die tausendsprachige Geräuschwand des Waldes, der die heilige Stätte vor dem Straßenlärm schützt. Ironischerweise weiß ich nicht, wo es ruhiger wäre: Auf der einsamen Landstraße der sumpfigen Sackgasse Südostasiens oder vor einem Tempel zu den Füßen eines grinsenden Mönchs?
Sicher ist die Akustik die Gleiche, doch zwischen äußerer und innerer Ruhe gibt es große Unterschiede.

Kinder spielen im Hof der religiösen Stätte, lachen laut und ehrlich. In einem offenen überdachten Raum teilen sich ein Hausschwein und ein Hundewelpe die makellose Stille der Mittagsstunde.
„Wo sind die Mönche alle hin?“, möchte ich wissen. Vorhin habe ich sie noch auf einem alten Instrument spielen hören, wie aus vielen Glocken zusammengesetzt.
„Sie schreiben gerade eine Art Prüfung.“
Er bedeutet mir, ihm zu folgen. Der Weg führt vorbei an nassen orangefarbenen traditionellen Gewändern, die sorgfältig auf der Wäscheleine aufgehangen wurden.

Wir erreichen ein Gebäude, architektonisch eine Mischung zwischen einem heiligen Tempel (außen) und dem Warteraum im Arbeitsamt (innen). Da wir im Erdgeschoss ein leeres Klassenzimmer vorfinden, steigen wir die Treppe außerhalb des Gebäudes hinauf zum ersten Stock.
Die Räume sind nackt und haben keine Türen. Frische Luft für frische Gedanken. Ich biege in ein Klassenzimmer ein und sehe die Mönche dort brav sitzend und schreibend. Links von mir eine beschriebene Tafel, auf der wahrscheinlich auf Vietnamesisch geschrieben steht: Wer abschreibt, fliegt.
Geradezu sitzt ein streng dreinblickender Mann an einer Schulbank, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Die Mönche sind hochkonzentriert, doch als ich ein Foto mache, schauen sie auf und lächeln.
Wir verlassen das Gebäude und schlendern über laubbedeckte Erde.

„Woher weißt du, wann deine Ausbildung beendet ist?“
„Ich werde es einfach wissen“, sagt er.
Er reicht mir die warme Hand zum Abschied, dreht sich um und geht. Ich sehe ihm hinterher, bis er durch eine Tür in die riesenhafte goldene Statue eines schlafenden Buddhas verschwindet, der sich hier an den Gestaden des Mekongs zur Ruhe gelegt hat.

Vietnam ist der dritte Stopp auf meiner Reise durch Asien. Im Mekongdelta habe ich viel über Nervenkitzel gelernt, die Geschichte dazu heißt „Glück mit Kondensmilch“. Bevor ich in den schwülen Süden Vietnams reiste, war ich im Norden des Landes zu Gast bei einer Bauernfamilie: Die Schwarze H’mông, der Wasserbüffel und ich. Zuvor habe ich in der Mongolei das Sandmeer des Dschingis Khan erkundet und habe mich danach in einem von Koreas Badehäusern auf die Suche nach dem unverfälschten Korea gemacht.

Glück mit Kondensmilch

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Ein kleines Dorfcafé am hinterletzten Ende von Tra Cu. An der Hafenstraße die überdachten Hängematten, dahinter das kleine Haus aus Stein. Im Garten warten die Hähne. In der Küche warten die Shrimps.
Ein spritziger Tod im Wok.

Während sich der Gastgeber für die Gesellschaft seiner fünf Freunde und meiner Wenigkeit bedankt, wird das Abendessen von den Frauen des Hauses angerichtet. Wir Männer sitzen im Kreis auf dem Boden, eine Zweiliterflasche mit sechzigprozentigem Reisschnaps macht die Runde. Er schmeckt nach eindeutig mehr Alkohol.
Ich komme kaum zum Essen, dauernd wird ein besonders langer vietnamesischer Trinkspruch fällig. Wir teilen uns die kleine Trinkschale, nach jedem Einschenken wird der Respekt vor dem Gegenüber ausgedrückt und dann wandert der Schnaps in den Rachen. Ob ich viel Alkohol vertrage, fragt der Gastgeber. Er hätte noch eine weitere Flasche herumzustehen.

Eine neue Runde wird gegeben. Seit drei Stunden spielen sie nun schon Karten und vertreiben sich so die Zeit. Auf dem einzigen Tisch des Hauses sitzend wird diskutiert, geflucht und gejubelt. Ich stehe daneben und trinke bereits die vierte Kokosnuss leer. Wenn ich Glück habe, findet heute noch ein Hahnenkampf statt. Das Nokia 3310 des Gastgebers klingelt ununterbrochen. Er würde liebend gern einen Kampf organisieren, denn sein momentaner Lieblingshahn hat die richtige Größe erreicht und ist in Topform. Er zeigt ihn mir mit einem strahlenden Lächeln.
Gefiederter Stolz.
Nun versucht er einen gegnerischen Hahn zu finden, doch dieser muss auch in der gleichen Gewichtsklasse sein, damit der Kampf fair ist. Der Hahnenkampf liegt den Vietnamesen im Blut. In ländlichen Regionen besitzt jeder Mann mindestens einen Kampfhahn. Sie werden tagsüber auf die Terrasse zur Straße gestellt, in einem Leichtmetallgerüst ähnlich einer Käseglocke. Dass jegliches Glücksspiel in Vietnam verboten ist, interessiert die Leute herzlich wenig. Die hiesige Polizei übrigens auch nicht. Gegen ein entsprechendes Entgelt, wie ich erfahre.

Heute soll noch eine Menge gewettet werden. Viel geraucht werden. Unmengen Kaffee mit Kondensmilch getrunken werden.
Glück mit Kondensmilch und Eiswürfeln.
Nach einem Tag voller Sonne bin ich völlig kaputt. Sechs Stunden Fahrt auf einem ausrangierten Motoroller, immer dicht an das Hinterteil meines Guides Phat gepresst. Durch Reisfelder, über unzählige Brücken und an Kokosnussplantagen vorbei. Unerbittliche Sonne und tropische Luftfeuchtigkeit machen mir zu schaffen. Phat wird heute Nacht in einer der Hängematten des Cafés schlafen, denn die Moskitos tun ihm nichts, sagt er. Sie hätten sich an ihn gewöhnt und gemerkt, dass sein Blut nicht schmeckt. Und trotzdem möchte ich gern unter meinem Moskitonetz schlafen, als ein Moskitoweibchen in der Größe eines kleinen Vogels an mir vorbeifliegt. Eine Minute später wird es von einer noch größeren Spinne gefangen und gefressen.

Die Cafégäste sind ausschließlich Männer. Zum Pinkeln stellen sie sich hinters Haus und lassen laufen. Mitten in den Garten.
Jeder Einzelne hat seiner Frau gesagt, er hätte wichtige Geschäfte zu erledigen. Nun sitzen sie hier beim Glücksspiel. Ich frage mich, welche Geschichten die Frauen ihren Männern im Gegenzug erzählen, sollten sie einmal außer Haus sein.

Mittlerweile ist es stockduster, heute wird es leider keinen Kampf mehr geben. Der Gastgeber hat den ganzen Tag erfolglos telefoniert. Dafür sitzen jetzt sechs Männer auf einem Tisch, Rauchfahnen steigen aus ihren Mündern und ihren Händen neben dem Schneidersitz. Am Fuß des Tisches liegen meine sieben Sachen und eine Strohmatte, auf der ich heute Nacht schlafen werde. Für die lokalen Verhältnisse ist es bereits voll geworden. Alle Gäste stehen um den Tisch herum und beobachten das Spektakel.
Vor jeder Runde werden die Karten komplett neu gemischt, die zerknüllten Gesichter Ho Chi Minhs wechseln ihren Besitzer. Die Geldscheine verschwinden unter dem dünnen auf dem Tisch liegenden Teppich.

Phat sollte heute besser nicht spielen. Erst kürzlich hat er sechzig Euro beim Spiel verloren und momentan sieht es wieder nicht nach Glückssträhne aus. Trotzdem gibt er weiter Karten, legt weiter Geld in die Mitte. Neuer Kaffee, neue Zigarette. Irgendwann bin ich auch im Rausch. Ich frage Phat, wie es für ihn läuft. Ein ernster Blick ist die Antwort. Die Spieler schwanken je nach Kartenglück zwischen vollendeter Stille und tosendem Jubel.
Zu viel Reisschnaps, Kaffee und Zigarettenrauch. Zu viel Sonne über den Tag, zu viel frisches gutes Street Food. Plötzlich merke ich, wie müde ich bin. Ich widme mich der Strohmatte unter dem Moskitonetz. Im Hintergrund höre ich nur noch vereinzelt die Männer murmeln, sie analysieren das Spiel und besprechen die Gewinne und Verluste des Abends.
Die Karten ruhen.

Der Hahn ist mein Wecker. Der verfluchte ganze Stolz des Gastgebers reißt mich um halb fünf aus dem Schlaf.
Ich sehe zu Phat hinüber. Er rollt aus seiner Hängematte, lächelt mir zerknittert zu – völlig verkatert vom Reisschnaps. Und komplett von Moskitos zerstochen.

Ich nehme mir eine grüne Kokosnuss und öffne sie mit einem Buschmesser. Sie schmeckt am besten am frühen Morgen, denn immer dann liegt eine Stimmung in der Luft, die ich mir nicht erklären kann. Die ich nicht greifen kann. Ruhe und Geschäftigkeit zugleich. Ich spüre sie im gesamten Süden Vietnams.
Reis, Dschungel, Schwüle und das pulsierende Leben in den Adern des Mekongs.

Vietnam ist der dritte Stopp auf meiner #Asienabenteuer Reise. Zuvor habe ich in der Mongolei das Sandmeer des Dschingis Khan erkundet und mich danach in einem von Koreas Badehäusern auf die Suche nach dem unverfälschten Korea gemacht. Vor meiner Reise ins Mekongdelta war in den wilden Bergen Vietnams mit einer Schwarzen H’mông und einem Wasserbüffel unterwegs.

Das schöne Antlitz des Verfalls

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Der Mann nickt, als er mein Ticket sieht. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und trete durch den steinernen Torbogen. Vor mir öffnet sich eine Welt aus grün. Der Dschungel schluckt alle Geräusche, die hinter seinem Blättermeer ausharren: Tuk Tuks, Touristen, Straßenverkäufer. Kühe, Affen, Vögel und Moskitos. Nur das Knirschen meiner eigenen Schritte auf dem sandigen Untergrund nimmt mir mein ohnmächtiges Gefühl und macht mir bewusst, dass ich nicht taub bin.

Der Tempel Ta Prohm ist kein Gebäude mehr, nur noch eine Gruppierung von Steinen, die durch Wurzeln gestützt werden. Zu allen Seiten wird das Gebilde von dichtem Geäst umzingelt. Das Dach der Bäume hält seine Finger vor meine Augen, um mich vor der Sonne zu schützen, und hindert meine Gedanken daran, sich im kambodschanischen Himmel zu verlieren.
Dann greift etwas nach meinem Fuß.

Weder der Geist der Ahnen, noch von Vishnu oder sonst eine übernatürliche Kraft hält mich zurück. Auch kein frecher grauer Affe, der mir einen Streich spielen will.
Der feste Griff stammt von einer einfachen Wurzel. Wie eintausend Hände durchstoßen sie das Erdreich unter mir und strecken ihre Finger Richtung Sonnenlicht.
Ich gebe zu, langsam steigt mir die tropische Hitze zu Kopf.
Wasser. Jetzt oder nie. Die Flasche aus dem Rucksack wird geöffnet und in einem Zug geleert.

Als ich mich wieder gesammelt habe, tut sich das alte Mauerwerk des Tempels vor mir auf. Das vor vielen Jahrhunderten von Menschenhand geschaffene Gebilde wird lautlos erdrosselt. Wurzeln von Würgefeigen umklammern das marode Gemäuer wie Tentakeln eines ungeheuerlichen Kraken. Langsam erobern Ranken und Moose ihre Welt zurück.
Steinplatten heben sich vom Boden ab und werden vom Wurzelwerk aus dem Boden gehebelt. Ganze Bäume setzen sich auf die Gemäuer des Tempels, machen es sich gemütlich wie in einem Ohrenbackensessel. Wie auf einem Thron sitzen sie dort, mit kühnem Blick und Kronen aus Vogelgezwitscher, die ihr schlankes graues Haupt zieren.

 

Die Szenerie im Innenhof gleicht der gespenstischen Ruhe nach einem Erdbeben. Steinblöcke liegen zerstreut herum und fehlen in den Mauern. Mit Ornamenten verzierte Türsäulen sind zur Hälfte weggebrochen und warten darauf sich gänzlich fallen zu lassen. Nur das Fundament bleibt standhaft, alles andere blickt als Ruine zu Boden.

Zeit fließt durch die Gänge der Tempelanlage wie zähflüssiger Honig.
Das von der Vegetation strangulierte Gestein zeigt sein schönstes Gesicht und grüßt mit Facetten aus rotbraun, Grautönen und seinem neuen Kleid aus blassgrün. Aus allen Poren schießen zarte aber widerspenstige Sprösslinge, die aus dem Nichts zu wuchern scheinen. Sie zersetzen Figuren, Bodenplatten, Säulen, Dächer, Türme.
Bis auch der letzte Stein zerdrückt wird und in eintausend Sandkörner zerfällt.

Kambodscha ist der vierte Stopp auf meiner Reise durch Asien. Zuvor habe ich in der Mongolei das Sandmeer des Dschingis Khan erkundet, mich danach in einem von Koreas Badehäusern auf die Suche nach dem unverfälschten Korea gemacht und war in den wilden Bergen Vietnams mit einer Schwarzen H’mông und einem Wasserbüffel unterwegs.

Ich motorrolle, also bin ich. 25 asiatische Weisheiten

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Frisch aus Asien zurück.
Zum ersten Mal habe ich diesen exotischen und geheimnisvollen Kontinent betreten und viele Dinge gelernt, unzählige Meter zurückgelegt und noch mehr hat sich meine Sicht auf die Welt geändert oder manifestiert. Das möchte ich niederschreiben, um es mit euch zu teilen. Each one teach one.
Es folgen meine Erkenntnisse. Manches ist neu für mich, manches ist alt wie die Welt.
Habt ihr auch Weisheiten, die ihr teilen möchtet? Immer her damit!

1. Ich motorrolle, also bin ich.

2. Es gibt zu viele Buddhas auf der Welt.

3. Es gibt nicht genügend Buddhas auf der Welt.

4. Asien ist da, wo sich Menschen einen Platz im Bus suchen und sich im Schneidersitz darauf niederlassen.

5. Die Gotteshäuser der Kambodschaner sind im vietnamesischen Exil größer und goldener als in ihrer Heimat.

6. Asien ist Ankommen in einer neuen Stadt und feststellen, dass es immer noch etwas schwüler geht.

7. Die schönsten Frauen der Mongolei sind Ausländerinnen.

8. In Kambodscha gibt es alles für „Only one dollaaaarrr…!“.

9. In Kuala Lumpur passiert man eine goldene Heiligenstatue und unzählige wunderschöne religiöse Relikte, erklimmt zweihundertzweiundsiebzig Stufen zu den Batu‐Höhlen, um sich in schwindelerregender Höhe in einem Tempel wiederzufinden, der so dreckig, kommerziell und ohne Liebe ist, wie das billigste Bordell in Tschechien.

10. Die Silberpagode in Phnom Penh bekam ihren Namen durch ihren besonderen Boden – er ist mit Fliesen aus purem Silber ausgelegt. Leider kann man diesen selbst nach dem Bezahlen von fünf Euro Eintrittsgeld nicht bestaunen, da er von rotem Teppich überlagert wird.

11. Hat man einen unmotivierten Fahrer angeheuert, so kann in der mongolischen Wüste irgendwann Wodka wichtiger als Wasser werden.

12. Ho‐Chi‐Minh‐City ist in den Köpfen aller Einheimischen noch immer Sai Gon und dort zeigt sich Rucksacktourismus von seiner hässlichsten Seite. Unbedingt den nächstbesten Bus ins Mekongdelta nehmen und sich dort von freundlichen Vietnamesen einquartieren lassen. Es findet sich immer jemand, der ein Familienmitglied hat, das eine Herberge oder ähnliches betreibt.

13. Singapur ist aufgrund der ebenen und guten Straßen ein Mekka für Skateboarder und Inliner. Würde nicht alle fünfzig Meter ein Schild darauf hinweisen, dass unter Strafe von fünfhundert Singapurdollar das Skaten strengstens verboten ist.

14. In den ländlichen touristischen Gegenden Südostasiens wird ein „No“ als Antwort auf ein Kaufangebot niemals akzeptiert. Hier empfiehlt sich das viel verwendete „Maybe later“.

15. Beginnt man ein Gespräch mit einem älteren asiatischen Gentleman der Alten Schule, ist seine erste Frage immer: „Wie gefallen dir unsere Frauen?“

16. Der günstigste Weg über Land von Singapur nach Kuala Lumpur ist mit dem Linienbus. Sie sagen, es dauert vier Stunden. Mit einer indischen Reisegruppe dauert die Fahrt acht Stunden. Ist dafür aber auch doppelt so lustig. Besonders, wenn man nebenbei Helge Timmerbergs „Shiva Moon“ liest. Und man bekommt Kekse geschenkt.

17. In Südkorea dürfen unverheiratete Paare nicht allein in den Urlaub fahren, geschweige denn ohne Aufsicht miteinander übernachten. Dafür gibt es in allen großen Städten sogenannte „Love Motels“, wo sie sich ein Zimmer für die Nacht mieten und ungestört sein können. Alle wissen davon, keiner redet darüber. Jede ältere Person wird auf Nachfrage die Existenz dieser Love Motels verneinen.

18. Da in Viet Nam der Konsum leichter Drogen genauso bestraft wird, wie der Besitz harter Drogen, vertrauen Einheimische auf starken Tabak aus der Bambusbong.
Ist legal und knallt mordsmäßig.

19. Heißt ein mongolisches Unternehmen nicht „Dschingis Irgendwas“ oder „Khaan Sonstwas“, so wird es nie Erfolg haben.

20. Jimjilbang, das traditionelle Badehaus, ist der einzige Ort in Korea, an dem es keine Kameraüberwachung gibt.

21. In der mongolischen Wüstenhauptstadt Dalanzadgad lohnt es sich nicht, länger als einen Tag zu verweilen. Und das nur, wenn man sich den ganzen Tag mit Vorräten eindeckt.
Zitat eines Mitreisenden: „Hier hängste auch tot über’n Zaun.“

22. Niemals mit einer Magenverstimmung einen Roadtrip durch die Mongolei antreten, der mit einer zwölfstündigen Busfahrt Richtung Nirgendwo beginnt. Zwischenstopps gibt es nur auf massive Nachfrage und der Fahrer hält grundsätzlich nur mitten in der weiten Ebene des Hinterlands.

23. In der koreanischen Stadt Gyeongju befindet sich die Rotlichtmeile direkt gegenüber des Rathauses. Was sagt uns das über die örtlichen Politiker?

24. Die Worte meines Mitreisenden René über Meditation in Thailand: Erst tut dein Körper weh, und dann tun deine Gedanken weh.

25. Der Hahnenkampf ist in Viet Nam eine sehr alte Tradition. Jeder Mann auf dem Land besitzt mindestens drei Kampfhähne. Er wird dir sagen, dass Hahnenkämpfe in Vietnam höchst illegal sind.
Und dir dann voller Stolz seine Hähne zeigen.