Kaffeeersatz

Der Geschmack von Jod und Algen: Ein Bretagne Roadtrip‐Guide

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Sponsored Post: Ein Roadtrip durch die Bretagne in Kooperation mit Atout France.

Ein holpriger Start.

»Es kotzt mich alles an, es kotzt mich an!«
Steven macht seinem Ärger Luft.
Apokalyptischer Landregen setzt ein, als wir den Flughafen in Nantes verlassen.
Kein Gepäck, Hunger, strömender Regen – unser fünftägiger Roadtrip durch die Bretagne kann beginnen!

Nantes – Sarzeau – Vannes – Baden – Île de Groix – Perros‐Guirec – Le Conquet – Île de Molène – Pointe de Saint‐Mathieu – Brest – Douarnenez – Nantes

Um Zeit zu sparen, decken wir uns im supermarché mit günstigem Käse, Baguettes und Tomaten ein und picknicken während der Autofahrt. Auf einer Skala von 1 bis 10 ist Stevens Laune bereits am absoluten Nullpunkt angelangt, da in Kürze eine Fahrradtour auf uns wartet und das bretonische Wetter bisher keine Anstalten macht, sich zu bessern.

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Eine Ode an die Autobahn: Das Konstrukt Roadtrip

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Was man nicht alles sieht, wenn man auf einem Roadtrip ist

Wilde Bilder glänzen durch die grauen Wolken, wenn ich vom Leben auf der Straße erzähle. Endlose Autofahrten, die mit therapeutischen Unterredungen dekoriert werden. Abstecher von der Autobahn, den skurrilen Ortsnamen nachforschend. Nachts übermüdet auf einen Acker parken und mit verrenkten Gliedmaßen eine bequeme Schlafposition suchen. Partys im Auto feiern, ausgelassener als so manche Homeparty. Milde Sommernächte nutzen, wozu sie erfunden wurden und Richtung Meer fahren. Klampfe in der Hand und Feuer am Strand. Begleitend dazu rebellische Songs und Literatur unserer großen kulturellen Freiheitskämpfer. Nach Tagen einen Ekel vor sich selbst haben, weil Schlafmangel, Alkohol und Drogen dich zu einem Ebenbild eines Obdachlosen vollendet haben. Vielleicht die einzige Gemeinsamkeit, wenn die zwei Perspektiven der Bezeichnung „Leben auf der Straße“ in den Raum geworfen werden.
Alles schon erlebt. Alles durchgezogen. Alles geliebt. Der Roadtrip als Sinnbild der Freiheit und Unabhängigkeit aller Generationen.

Vielleicht liegt es an der konstanten Fortbewegung. Alles um dich herum ist in Bewegung. Es entsteht kein Gefühl der Untätigkeit. Möglicherweise ist es genau diese Zutat, die das Glücksgefühl während eines Roadtrips permanent füttert. Ich weiß es nicht. Sehen, erleben und träumen.
Träumen – wie ein Kind während einer Fahrt im Schulbus. Der Blick aus dem Fenster lässt dich auf magische Weise in tiefe Gedanken versinken. Das Gefühl vom Unterwegssein versetzt dich in eine mentale Privatsphäre, selbst unter einer Vielzahl an Menschen.
Doch wann entsteht dieses Gefühl vom Unterwegssein? Ausschlaggebend sind zwei Ebenen. Die erste Ebene ist statisch. Das Innere des Autos. Es ist die unveränderte Ebene. Alles Sichtbare ist im Stillstand. Die zweite Ebene ist dynamisch. Die Welt, die wir durch das Fenster während der Fahrt sehen. Eben die Welt, die mit ungeheurer Geschwindigkeit an uns vorbeirauscht. Wie in Trance versetzt, versuchen wir mit unseren Augen alles aufzunehmen: Bäume, Berge oder andere Autofahrer, die sich während der Fahrt gedankenvoll in der Nase popeln.
Bleiben beide Ebenen stehen, wird einem schwindelig. Willkommen im Unterwegssein.

Ein Roadtrip ist der Inbegriff von Geselligkeit. Kreative Köpfe, die auf engstem Raum über Stunden oder Tage miteinander auskommen müssen. Reicht diese Gesellschaft nicht aus, müssen Tramper daran glauben. Die haben immer etwas zu erzählen oder sind für einen Spaß offen. Kürzlich ließen wir einen einsteigen und haben während der Fahrt die Türen verriegelt. „Nur zu deiner Beunruhigung. Wir haben keinen Führerschein und keine Ahnung, wem das Auto gehört.“ Selbstverständlich wurde der Spaß lachend aufgenommen und das Eis wurde humorvoll gebrochen.

Anschließend beginnen die Gespräche. Oft erinnern die Konversationen an Therapien beim Psychologen. Wir unterhalten uns über die Liebe, das Leben und das Glück. Werfen Fragen in die Runde, die wie ein Uhrwerk aufgebaut sind, in dem das entscheidende kleine Antriebsrad fehlt. Dieses kleine Zahnrad liefert die Antwort auf alles. Diese fehlt. Aber es fühlt sich gut an, darüber zu reden, während die Zeit stillzustehen scheint.
Gehen die Gesprächsthemen aus, lesen wir uns aus Büchern vor. Entweder Kurzgeschichten oder Kapitel aus dem Lieblingsbuch. Reiseliteratur erfordert eine sorgsame Auswahl. Die vorgelesenen Zeilen müssen dich in Lethargie versetzen, während du die zweite, dynamische Ebene anblickst. Die besten Autoren dafür: Timmerberg, Hesse, Hemingway, Kafka oder vorgelesene Songs von Bob Dylan. Manchmal auch Brecht.

Nach mehreren Tagen auf der Straße. Trockenshampoo soll ganz gut helfen…

Noch interessanter wird es, wenn die Fahrer wechseln müssen. Unterschiedliche Fahrstile tragen zur Gesamtstimmung im Auto bei. Zwei meiner permanenten Roadtrip‐Buddys musste ich neulich ihren Fahrstil eingestehen.
Der lässige Piet ist die Chillout‐Zone auf der Autobahn. Einer dieser Fahrer, die dich nachts in den Schlaf fahren. Meiner Meinung nach liegt es daran, dass er selbst ständig in Gedanken versunken ist. Dabei ist er jedoch weiterhin vorausschauend. Auf der Autobahn. In der Stadt gab es schon die eine oder andere Situation, die meinen Stift malen lies. Und würde ihn die Polizei während einer Routinekontrolle anhalten, würde es einiges an Überzeugungsarbeit kosten. Seine Augen sehen dauerbreit aus und die Tatsache, dass er seit Monaten (oder Jahren?!) keinen Führerschein besitzt, ist für solch eine Situation nicht gerade förderlich. Trotzdem bringt er uns immer wieder unversehrt ans Ziel. Mein Auto in seinen Händen. Mal abgesehen von den ganzen Blitzerfotos.

Der Piet. Vorausschauend wie immer.

Ebenso überlasse ich seiner Freundin Jenny das Auto. Ach Jenny. Wenn Zeitnot herrscht und uns jemand schnell ans Ziel bringen muss, dann ist es Jenny. Sie brennt darauf, meinen alten Volvo auf überfüllten Autobahnen zu jagen. Der Dieselmotor zeigt, was er kann und pumpt bei fast 4500 Umdrehungen die Minute den Tank in Windeseile leer. Überholmanöver sind für Jenny wie der Spielplatz für einen Vierjährigen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass unerfahrene Beteilige Wasser schwitzen müssen. Um diesen Fahrstil kommentarlos hinzunehmen, musst du mit deinen Leben bereits abgerechnet haben. Ähnlich wie beim Extremsport. Keine Angst vorm Unfall. Die durchgeknallte Lady weicht bevorstehenden Kollisionen mit durchgedrücktem Gaspedal und heulendem Motor blitzschnell aus. Hoffen wir nur, dass die Arme, die das Lenkrad auf 10 und 2 Uhr festhalten, niemals so übermütig reagieren wie der rechte Fuß.
Der alte, rostige Motor heult bei ihr auf wie ein Rentner, der in seinen letzten Lebensjahren noch einmal alles aus sich herausholen muss, um es seiner Frau zu besorgen. Cool bleiben, alter Schwede. Dank Jenny haben wir das Ziel bereits in wenigen Minuten erreicht. Mein Auto in ihren Händen.

Meine beiden Roadtrip‐Buddys

Aber es ist nicht die Schnelligkeit, die für einen Roadtrip erforderlich ist. Es sind die Menschen, mit denen die Eindrücke und Erlebnisse geteilt werden. Die sich ohne Worte verstehen können. Die für alle Mitfahrer und den Fahrer Bier und Kippen von der Tanke holen. Die Reden halten und wissen, wann sie zu schweigen haben. Mit denen ein Abstecher ins Ungewisse jederzeit möglich ist. Die einen sicher ans Ziel bringen. Menschen, die das Gefühl vom Unterwegssein einatmen wollen, wie den warmen Rauch einer Zigarette in kühlen Winternächten.

Hier noch einige Roadtrip‐Bilder, die ich aus meinem Archiv herausgefischt habe. Immer tolle Menschen dabei:

…und irgendwann erreichst du auch das Ziel.

Gastbeitrag: Marokko ‐ das Land der vielseitigen Wüste

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Wir starten unsere Reise in Agadir. Hierher fliegt EasyJet mehrmals pro Woche und hier wird sich in 18 Tagen der Kreis schließen und unsere Reise enden. Zu viert wollen wir das Land durchqueren, mal mehr ‐ mal weniger komfortabel schlafen und vor allem viel neues entdecken. Marokko ist groß und bietet trotz der großen Wüste viel Abwechslung. Mit einem Mietwagen, den wir auf ominösen Wegen über das Internet reserviert haben, fahren wir los gen Taroudant. Hier wollen wir uns akklimatisieren.

Es ist noch relativ angenehm, um die 30 Grad, als wird das kleine Städtchen entdecken.
Während wir uns mit dem Essen vertraut machen planen wir die weitere Tour. Es geht nach Ouarzazate. Bekanntes Land, zumindest für mich. Hier habe ich im Oktober/November 2011 einen Monat gelebt und einen Film gedreht. Das Land hat mich schon da sehr fasziniert, nur leider blieb keine Zeit um mehr davon zu sehen. Ouarzazate ist durch die dort angesiedelte Filmindustrie sehr offen und in manchem angepasst. Wen wunderts, hier wurde unter anderem Gladiator, Babel und Die Päpstin gedreht.

Wir fahren weiter, die Wüste Zaghora wartet auf uns und je weiter wir kommen, desto mehr Wasser tanken unsere Körper. 46 Grad zeigt das Thermometer als wir mitten in der Wüste sind. Die Luft ist rot. Als wir ankommen ist es noch windstill, doch am frühen Abend wird es windig und das unwirkliche geschieht: Es regnet. Ein Gemisch aus Wasser und Sand fällt vom Himmel und versaut unsere weißen T‐Shirts. Das ist selten und auch die Einheimischen samt ihrer Kamele sind überrascht.

Wer nach Marokko fährt wird gern darauf hingewiesen kein Wasser aus der Leitung in den Mund zu nehmen, keine frischen Säfte zu trinken, keinen Salat zu essen und am besten alles und jeden vor Körperkontakt zu desinfizieren. Andererseits kann man das auch etwas lockerer nehmen und einen schönen Urlaub haben. Dann muss man allerdings einen Ausfalltag einplanen und sollte gute Medikamente im Gepäck haben. So kam es, dass ich in der ersten Wüstennacht ab ca. 3 Uhr wach lag und den Rest des Tages auf der Toilette, im Bett oder dem Weg dazwischen verbrachte. Anschließend war alles wieder gut, mein Körper abgehärtet ‐ nur die Kameltour in die Wüste samt Sandsturm habe ich verpasst. Nach zwei Nächten Wüste fordern unsere Körper Abwechslung und so beschließen wir weiter in den Toubkal Nationalpark zu fahren. Hier im Tal zwischen großen Bergen und mit vielen Bäumen herrschen ganz andere Temperaturen. Wir akklimatisieren uns ein zweites mal, wandern und genießen Abends das Essen aus der Tajine.

Unser nächster Anlaufpunkt ist Marrakech. Die Stadt mit einem Marktplatz auf dem Tag und Nacht das Leben tobt. Wir versuchen gar nicht erst mit dem Auto zu unserer, einem Reiseführer entnommenen, Unterkunft durchzukommen. Stattdessen kommt der Dacia auf einen bewachten Parkplatz und die Rucksäcke werden von einem freundlichen alten Mann mit Karren durch die engen Gassen gefahren. Das Gewusel auf den Straßen wirkt unkoordiniert, aber es funktioniert. Vorbei an offenen Fleischtheken, Gewürzläden, Schrotthändlern und auf Touristen ausgelegte Souvenirshops gelangen wir zu unserer Pension. Als wir uns am Abend bei milderen Temperaturen, aber dennoch lockeren 30 Grad, auf den Weg Richtung Markt machen ist noch immer Hochbetrieb. Die Händler bieten ihre frisch gepressten Säfte an, Pferdekutschen bahnen sich den Weg durch die Massen, es raucht und riecht nach gebratenem Fleisch. Kleine Kinder verkaufen Taschentücher und da wo Abends noch getanzt wurde sehen wir am nächsten Morgen Schlangenbeschwörer, Gewürzhändler und riesige Haufen aus Kleidung in denen unermüdlich gewühlt wird.
Das Auto fehlt uns nicht. Die nähere Umgebung durchstreifen wir zu Fuß, für weiter entfernte Ziele wie den Jardin Majorelle gibt es Petit Taxis die für wenig Geld durch die Stadt flitzen. Marrakech beeindruckt, strengt aber auch an.

Nach der großen Stadt stand das Meer auf dem Plan und so fahren wir weiter nach Essaouira. An der Atlantikküste gelegen ist dieses Städtchen besonders bei Surfern beliebt. Nach den hohen Temperaturen in Marrakech ist uns nun wieder kalt wenn wir durch die windigen Gassen spazieren. Gelohnt hat es sich trotzdem, allein wegen des frischen Fischs der einem frisch vor der Nase gebraten wird.

Die letzten Urlaubstage verbringen wir im La Dune, einer Pension mitten im Nationalpark und nur ca. eine Dreiviertelstunde von Agadir entfernt. In fünf Minuten ist man am Atlantik, hören tut man ihn die ganze Zeit. Es ist fantastisch sich in die Fluten zu stürzen und beängstigend wenn die übermannshohen Wellen zusammenbrechen und einen verschlucken. Zusammen mit einem Ortskundigen Ranger schauen wir uns dann noch den Nationalpark an, sehen Wasserschildkröten, Flamingos, den seltenen Waldrapp und allerlei interessante Pflanzen.

Das war sie, unsere Rundreise durch „Das Land, das sie nie wieder loslässt“ wie Marokko für sich wirbt. Auf mich trifft das zu, 18 Tage waren toll und vorerst genug ‐ aber ich komme auf jeden Fall mal wieder her. In Marokko kann man einfach und günstig reisen. Ein Pauschalurlaub ist es nicht, und man muss sich auf eine andere Kultur einlassen und bereit sein neue Wege kennen zu lernen. Wer nicht all sein Geld in teure Hotels investieren will, dem wird ab und an mal einen Kakerlake über den Weg laufen ‐ aber damit kann man leben.

Günstig Reisen: Schweden erleben für einen schmalen Taler ‐ ein Reisebericht

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Typische Landschaft im Süden Schwedens

Eine Schwedenreise mit Fotos von Alex, Flo und Stefan.

Der See Sövdesjön liegt in einer der zahlreichen Idyllen, die überall in Schweden zu finden sind. Die einzige Ansammlung von Menschen ist die kleine angrenzende Metropole Sövde, die 291 Seelen zählt. Wir befinden uns in einem Paddelkahn an der Spitze einer der vielen Halbinseln. Die See ist ruhig, es ist leicht bewölkt und der Wind weht uns eine mit Seeduft versehende Brise um die Ohren. Das Einzige, das auf dem See zu hören ist, ist ein abklingendes Echo, das sich bis zu den Ufern ausbreitet: „FUCK. FUCK. FUCK. FUCK.“.

Mein Reisebegleiter hat den ersten und einzigen großen Biss an der Angel. Ein beachtlich großer Hecht. Er zieht den Fisch näher an den Kahn. In aller Eile bereite ich den Kescher vor, der sich irgendwie nicht ausziehen lassen möchte. Gerade als ich den Fisch ins Netz fischen will, kann er sich vom Haken befreien und flieht in den weiten See. Nachdem das Echo abklang, war es wieder still.

Das verlängerte Pfingstwochenende nutzten meine vier Freunde und ich, um erste Erfahrungen in Schweden zu sammeln. Wir wollten uns einen ersten Eindruck vom Land machen, von dem alle Reisenden in höchsten Tönen berichten, in dem Billy geboren wurde und welches ein Angelparadies sein soll. Das vergleichsweise für uns Deutsche teure Land haben wir für nicht einmal 100 Euro erkundet. Günstiger geht es wohl kaum.

Günstig Schweden entdecken ‐ die Route

Während der Planung haben wir uns keine „großen“ Ziele herausgesucht. Wir haben eine Karte auseinandergefaltet und überlegt, welche Region wir in drei Tagen erkunden möchten. Startpunkt war ungefähr Berlin. Das Ganze gleicht den Anfängen einer mathematischen Lösung:

gegeben:

  • Auto
  • drei Tage
  • fünf Personen

gesucht:

  • ein Reiseziel

Ausblick von der Fähre zum Sonnenaufgang

Die Region Snogeholmssjön sprang sofort ins Auge. Drei Seen, abgelegen von großen Städten und lediglich eine Autostunde vom Fährhafen Trelleborg entfernt. Perfekt. Von Berlin aus fuhren wir nach Sassnitz auf Rügen, um dort zu unserer Fähre zu gelangen. Abfahrt: 2:45 Uhr. Diese Zeit war perfekt, da wir in den Morgenstunden in Schweden ankommen würden und immer noch den kompletten Samstag für Unfug zur Verfügung hatten. Außerdem ist die Nachtfahrt ein echter Geheimtipp. Wir befanden uns pünktlich zum Sonnenaufgang auf der hohen See. Östlich der Fähre zeigte sich nach und nach die Morgensonne in voller Pracht. Westlich vom Kutter war immer noch der Sternenhimmel zu sehen.
Ein unbeschreiblich schönes Bild.

Auf der Fähre nutzten wir die Gunst der Stunde und deckten uns mit zwei Stiegen Heinecken aus dem Duty‐ Free Shop ein, um auf die Überfahrt unseres kleinen Roadtrips anzustoßen. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass Fahrer und Beifahrer in Schweden null Promille haben müssen.

Ankunft in Trelleborg um 6 Uhr. Die Stadt befand sich noch im Tiefschlaf. Kein Mensch war auf den Straßen zu sehen.
Zu unserer Verwunderung waren auf den Gehwegen nur Hühner und Enten zu sehen.
Strange.
Wir fuhren die Landstraße weiter in östliche Richtung, parallel zum Strand der Ostsee. Ein wundervolles Panorama. Links weite Rapsfelder und klassische schwedische Landhäuser und rechts das weite Meer. Als wir Ystad erreichten, fuhren wir weiter Richtung Norden bis wir die Region Snogeholmssjön mit dem gleichnamigen See erreichten. Ziel erreicht. Wir nutzten übrigens kein Navi, weil wir
a) unsere Kartenlese‐Skills erweitern wollten und ich
b) das Navi zu Hause vergessen hatte.

Wir sind auf der Suche nach einem Lagerplatz

Das Jedermannsrecht und was es damit auf sich hat, Angeln und lockere Schweden

Von Schweden habe ich schon viele Berichte gehört. Alle waren durch die Bank weg positiv. Ich habe vor der Reise versucht herauszufinden, was denn so richtig blöd an diesem Land ist. Keine Antwort. Eigentlich hört sich ja auch alles schön an: hübsche Blondinen, nette Landsleute, das Jedermannsrecht und tolle Landschaften. Klingt nach dem Paradies. Allerdings entsprach die Realität nicht ganz unseren Vorstellungen.

Angeln.

Uns gefiel besonders das Jedermannsrecht („Allemansrätten“), das jedem freien Zugang zur Natur garantiert. Legales Wildcampen, coole Sache. Ganz selbstbewusst wollten wir es uns am See gemütlich machen.
Keine 10 Minuten später kam eine Art Ranger an und klärte uns darüber auf. Mit dem Jedermannsrecht verhält es sich
wie mit den Vorstellungen anderer Länder über freie Autobahnen in Deutschland: es ist möglich, aber nicht überall erlaubt. In Sichtweite von Häusern, in Naturparks und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist Wildcampen nicht gestattet. Blöd nur, dass an jedem See in Schweden Häuser stehen. Aber der Schwede ist entgegenkommend. Campingplätze wurden errichtet, auf denen kostenlos mehrere Tage kampiert werden kann. Oft gibt es vor Ort sogar Zugang zu sanitären Einrichtungen. Für die Pyromanen wurden Feuerstellen angelegt. Das Feuerholz wird entweder in der Nähe zur Verfügung gestellt oder wird aus dem Wald entnommen. Logischerweise ist es verboten Bäume zu fällen. Nur tote, abgefallene Äste sollen verbrannt werden. Da hat es uns nicht gewundert, dass die Wälder um diese Campingplätze besonders sauber und frei von „Gestrüpp“ waren.

Schwedisches Holz

Am Ufer des Snogeholmssjön ist das Angeln erlaubt. Wer mit dem Kahn herausfahren möchte, benötigt eine Angelkarte („Fiskekort“). Diese kann jeder beim Fischer oder in einem örtlichen Konsum erwerben. Einen Anglerschein mit Schulung, Prüfung und all dem Quatsch wie in Deutschland ist nicht erforderlich. An dieser Stelle ein Rat aus persönlicher Erfahrung: informiert euch über die Angelerlaubnis, bevor ihr die Angeln hineinwerft. Wir wurden einen Tag später am südlich gelegenen See Ellestadsjön ziemlich in die Mangel genommen. Als wir dort gerade unsere Angeln vorbereiteten, dauerte es nicht lang bis ein Motorboot ankam, das vom örtlichen Fischer gesteuert wurde. Er nahm eine unserer Angeln und rief „We call the police! You are not allowed to fish here! We call the police!“ Nach einer ewig andauernden Diskussion gab er uns die Angel wieder und wir konnten den See ohne Polizei verlassen. So viel zum Vorurteil, dass jeder Schwede eine lockere Lebensart hat. Dennoch waren alle Schweden (mit Ausnahme des Fischers) sehr nett und hilfsbereit.

Ich wollte nie glauben, dass alle Schwedinnen blond und hübsch sind. Tja, jetzt glaube ich es. Zumindest ein großer Teil der Damer entsprach der knappen Beschreibung. Wir haben glücklicherweise die richtige Modesaison erwischt. Ultraknappe Hot Pants aus Jeans mit leicht durchsichtigem Top und (meist) schwarzem BH. Hätten die Damen noch weniger Stofffetzen am Körper getragen, würden sie in die Kategorie „Bademode“ fallen. Mir fiel diese Mode erst am letzten Tag während der Rückfahrt auf. Nach drei Tagen Männerwochenende achtet man(n) besonders auf die weibliche Bevölkerung.

Lasst euch von den grimmigen Gesichtern nicht täuschen.

Drei Tage Schweden ‐ das Fazit und die Kosten

Oft wurde die Frage gestellt: „Lohnen sich überhaupt drei Tage in Schweden?“ ‐ Natürlich nicht. Aber es ging uns ja nicht darum das ganze Land zu erkunden. Wir wollten uns einen ersten Eindruck von der Lebensart der Menschen, der Natur und den „Vorurteilen“ einholen. Mit den Erfahrungen, die wir in den drei Tagen gesammelt haben, können wir jetzt eine größere Schwedenreise planen. Außerdem haben wir ein verlängertes Wochenende bis auf die letzte Stunde in einem anderen Land in der Natur ausgenutzt. Es war kein Kultururlaub. Wir haben keinen Elch gesehen oder neue Freundschaften in Schweden geschlossen. Aber wir hatten einen spaßigen Roadtrip und interessante Outdoorerlebnisse. Ich kann es nur jedem empfehlen, der aus dem Alltag herauskommen und etwas erleben möchten. Die Kosten übertrafen untertrafen unsere Planung. Insgesamt 85 Euro für einen Roadtrip nach Schweden und zurück. Alle Zusatzkosten mit inbegriffen.
Die Fähre haben wir übrigens über Scandlines gebucht.

Schön!

Ach, und weil wir gerade bei Schweden sind. Zum Schluss muss ich noch einen Dank an Volvo aussprechen. Seit mehreren Jahren fährt mich mein Volvo V40 durch verschiedene Länder Europas. Nie hat er mich ernsthaft im Stich gelassen. 370.000 Km hat er jetzt auf den Achsen. Der Motor schnurrt wie eine Dieselkatze. Vielen Dank für die Reise durch 10 Länder, vielen Dank für die Zuverlässigkeit und vielen Dank für das Reisegefühl, das dieses Auto permanent ausstrahlt. Dafür habe ich den alten Schweden mit auf die Reise genommen und einen Schweden‐Sticker auf die Heckklappe geklatscht.
Außerdem konnte er ein wenig Heimatluft schnuppern.
Darüber hat er sich bestimmt auch gefreut.