Kaffeeersatz

Buchrezension: The Travel Episodes – Neue Reisegeschichten von allen Enden der Welt

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The Travel Episodes Buchcover

von Oli.

Meine welterste Buchrezension. Dementsprechend gebe ich mir auch besonders viel Mühe. «The Travel Episodes – Neue Reisegeschichten von allen Enden der Welt» ist der dritte Teil der Buchreihe und eine Matrjoschka-Puppe aus einzigartigen Erlebnissen, lebensverändernden Aha-Momenten, wunderbaren Banalitäten und Skurrilitäten. Ich habe das Buch gelesen und danach direkt meinen Reiserucksack gepackt. Einziger Grund, weshalb ich noch nicht unterwegs bin: Ich schreibe diese Rezension. Lass uns die Reise beginnen!

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Eine Ode an Bangkoks Nachtmarkt

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Nach dem ersten Bissen verfalle ich in eine Art Trance.

Die einsetzende Dämmerung lenkt meinen Blick in ein blauorangenes Zwielicht, der wacklige rosa Plastikhocker unter mir verwirrt mein Gleichgewichtsgefühl und das Geruchsgemisch aus gezupftem Entenfleisch, Kohl und Teigtaschen raubt mir die Sinne. Es ist, als würde ein Nervengift von der Zunge aus in mein Hirn kriechen, um dort jeden sich formenden Gedanken im Keim zu ersticken. Die repetitiven Bewegungen meiner Umgebung formen sich zu einem Schema: Das Schlurfen von Latschen, das Schlürfen von Suppe aus hunderten Mündern, das Schleifen der kleinen Plastikhocker auf dem zerlebten Gehweg. Weiterlesen

Japan, Schnaps und Wahnsinn

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Ich bin gerade wieder zu Hause angekommen, nachdem ich meinen Freund Stefan besucht habe, der demnächst sein eigenes Hostel eröffnen wird. Wie ich so mit dem Auto die Landstraße entlang fuhr, zwischen Birkenalleen und Weizenfeldern, musste ich an die Hostels denken, in denen ich bisher übernachtet hatte. Einige waren super, einige waren ziemlich abenteuerlich. In diesem Moment des Nachdenkens packte mich wieder das Fernweh. Die kommenden Links sollen Linderung verschaffen. Viel Freude damit!

Zum Sehen und Staunen:

Vincent Urban ist für mich die Nummer 1 der Filmschaffenden, die das meiste Fernweh in mir wecken. Endlich hat er wieder ein unfassbar gutes Video veröffentlicht, welches ich nicht oft genug sehen kann.
Aufnahmen aus dem Land der aufgehenden Sonne: In Japan ‐ 2015.

Eine der verrücktesten Reiseunterkünfte hat Rhianna Lakin gefunden. Wie sieht’s aus ‐ einmal in einem Flugzeug im Wald übernachten?
Diesen Schnappschuss hat sie in Oregon gemacht: Boeing 727.

Noch keine konkrete Idee, wo es dieses Jahr hingehen soll? Dann lass dich einfach von dieser visuell beeindruckenden Zusammenstellung inspirieren. Die New York Times hat für jede Woche im Jahr das perfekte Reiseziel zum Vorschlag: 52 Places to Go in 2016.

Zum Lesen und Träumen:

In der Travel Episode Allein in der Wildnis weckt und nimmt Journalist Dirk Rohrbach zugleich den Traum vom Aussteigerleben in Alaska. Zusammen mit elf Hunden schaufelt, schlägt, sägt, fährt und friert er sich zwei Wochen durch den hohen Norden Amerikas. Außergewöhnliche Erlebnisse bei ca. minus 20 Grad Celsius.

Gerade wieder aus der Versenkung aufgetaucht und zurück in meinem Bücherregal: Through the Lens: National Geographic Greatest Photographs.
Ein Bildband, den ich dir unbedingt ans Herz legen muss. Jedes Jahr überraschen die Fotografen von National Geographic auf’s Neue und in diese wunderbare Ausgabe stellt ein ausgezeichnetes Best Of dar.

Ein Held meiner Kindheit ist vor Kurzem 85 Jahre alt geworden. Janosch fand und findet für mich immer die perfekten Worte, um die komplexen Windungen des Lebens einfach und verständlich zu beschreiben. Gleichzeitig sind seine Geschichten so vielseitig und tiefgründig. Für die Welt hat er ein schönes Interview zu Panama, Hängematten und seinem Kritzel‐Stil gegeben: „Kein Gott und kein Schnaps, alles vorbei„.

Das schöne Antlitz des Verfalls

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Der Mann nickt, als er mein Ticket sieht. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und trete durch den steinernen Torbogen. Vor mir öffnet sich eine Welt aus grün. Der Dschungel schluckt alle Geräusche, die hinter seinem Blättermeer ausharren: Tuk Tuks, Touristen, Straßenverkäufer. Kühe, Affen, Vögel und Moskitos. Nur das Knirschen meiner eigenen Schritte auf dem sandigen Untergrund nimmt mir mein ohnmächtiges Gefühl und macht mir bewusst, dass ich nicht taub bin.

Der Tempel Ta Prohm ist kein Gebäude mehr, nur noch eine Gruppierung von Steinen, die durch Wurzeln gestützt werden. Zu allen Seiten wird das Gebilde von dichtem Geäst umzingelt. Das Dach der Bäume hält seine Finger vor meine Augen, um mich vor der Sonne zu schützen, und hindert meine Gedanken daran, sich im kambodschanischen Himmel zu verlieren.
Dann greift etwas nach meinem Fuß.

Weder der Geist der Ahnen, noch von Vishnu oder sonst eine übernatürliche Kraft hält mich zurück. Auch kein frecher grauer Affe, der mir einen Streich spielen will.
Der feste Griff stammt von einer einfachen Wurzel. Wie eintausend Hände durchstoßen sie das Erdreich unter mir und strecken ihre Finger Richtung Sonnenlicht.
Ich gebe zu, langsam steigt mir die tropische Hitze zu Kopf.
Wasser. Jetzt oder nie. Die Flasche aus dem Rucksack wird geöffnet und in einem Zug geleert.

Als ich mich wieder gesammelt habe, tut sich das alte Mauerwerk des Tempels vor mir auf. Das vor vielen Jahrhunderten von Menschenhand geschaffene Gebilde wird lautlos erdrosselt. Wurzeln von Würgefeigen umklammern das marode Gemäuer wie Tentakeln eines ungeheuerlichen Kraken. Langsam erobern Ranken und Moose ihre Welt zurück.
Steinplatten heben sich vom Boden ab und werden vom Wurzelwerk aus dem Boden gehebelt. Ganze Bäume setzen sich auf die Gemäuer des Tempels, machen es sich gemütlich wie in einem Ohrenbackensessel. Wie auf einem Thron sitzen sie dort, mit kühnem Blick und Kronen aus Vogelgezwitscher, die ihr schlankes graues Haupt zieren.

 

Die Szenerie im Innenhof gleicht der gespenstischen Ruhe nach einem Erdbeben. Steinblöcke liegen zerstreut herum und fehlen in den Mauern. Mit Ornamenten verzierte Türsäulen sind zur Hälfte weggebrochen und warten darauf sich gänzlich fallen zu lassen. Nur das Fundament bleibt standhaft, alles andere blickt als Ruine zu Boden.

Zeit fließt durch die Gänge der Tempelanlage wie zähflüssiger Honig.
Das von der Vegetation strangulierte Gestein zeigt sein schönstes Gesicht und grüßt mit Facetten aus rotbraun, Grautönen und seinem neuen Kleid aus blassgrün. Aus allen Poren schießen zarte aber widerspenstige Sprösslinge, die aus dem Nichts zu wuchern scheinen. Sie zersetzen Figuren, Bodenplatten, Säulen, Dächer, Türme.
Bis auch der letzte Stein zerdrückt wird und in eintausend Sandkörner zerfällt.

Kambodscha ist der vierte Stopp auf meiner Reise durch Asien. Zuvor habe ich in der Mongolei das Sandmeer des Dschingis Khan erkundet, mich danach in einem von Koreas Badehäusern auf die Suche nach dem unverfälschten Korea gemacht und war in den wilden Bergen Vietnams mit einer Schwarzen H’mông und einem Wasserbüffel unterwegs.

Vom Schreiben schreiben

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Ich will nur schreiben. Darin frei sein und tun was ich will.
Nicht einfach tun was auch immer man möchte, sondern tun was man wirklich will.

Ich schreibe in mein Notizheft, auf Quittungen, auf Brotpapier, auf Zettel, auf meine Haut. Ich schreibe selten Gutes am Laptop. Ich schreibe wenig, wenn ich viel schreiben will und schreibe viel, wenn ich gerade nicht die geringste Zeit dafür habe.
Ich schreibe, weil ich muss – nicht, weil ich kann. Ich bin kein Schriftsteller, kein Journalist. Ich schreibe nur Worte in dieses Internet rein.
Katharsis.
Ich schreibe, weil es mir hilft, mich zu erinnern. Reisegeschichten, weil ich beim Schreiben noch einmal zurückreisen kann, durch Zeit und Raum, durch Gespräche, Gefühle, Gerüche und Gedanken. Mittlerweile schreibe ich auch für dich, für euch, für uns, weil ab und zu auch jemand anderes etwas mit meinen Geschichten anfangen kann.

Die folgenden sieben Artikel sind nicht von mir verfasst worden. Sieben verschiedene Verfasser haben dieses Jahr Worte miteinander verbunden, die mich zum Lachen gebracht haben. Die mir Angst gemacht haben. Oder die mir Zweifel genommen und Mut gemacht haben.
Keine Angst, das wird jetzt kein Seelenstriptease.
Die Verbindung von Schreibkunst und Erlebnissen ist in diesen Geschichten ein Glanzstück.

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Wenn Lachen so gesund ist, werde ich nach der Lektüre von Johannes Artikel nie wieder
krank. Allein der Titel trifft schon meinen Humor. Die Zutaten sind eine tanzende Menge, viele bunte Bilder und ein heiliger Mann mit einer Banane.
Warum ein schöner Bart noch lange keinen Chef macht und warum positive Diskriminierung manchmal ziemlich gut ist, erfahrt ihr in seiner verrückten Geschichte.
Als mich Seine Heiligkeit Sri Sri Sri Tridandi Srimannarayana Ramanuja Chinna Jeeyar Swamiji mit einer Banane segnete

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Marianna reist durch Albanien. Neben der außergewöhnlichen Gastfreundlichkeit der Albaner,
der Unberührtheit des Landes und der bevorzugten Automarke Nummer Eins erfahren wir außerdem davon, wie sogar eine erfahrene Reisende manchmal einen Roadtrip durch ein Land antritt, über das sie Vorurteile hat. Diese lösen sich schließlich fast alle in Luft auf.
Reisen bildet. Und bei Mariannas Artikel gibt’s das auch noch in schön.
Albanien – Im Land der Bunker

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Nina schreibt über ihre Suche nach dem Glück, und findet auf dem Weg zwischen Haustür und
Lieblingsbar urplötzlich die Antwort darauf, warum sie rastlos und so gern woanders ist. Und warum das gut so ist.
In ihren Zeilen stecken nicht nur eine tolle Geschichte und die Lösung eines kniffligen Rätsels, welches sie in sich herumträgt – für mich sind sie auch eine Hommage an das Reisen. „Woanders is auch scheiße

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Marco erzählt von einer sehr üblen Begebenheit in einem Athen von vor fast zwanzig Jahren.
Obwohl sein Erlebnis so schlimm ist fasziniert es mich, wie außergewöhnlich er seine Hilflosigkeit, Angst und seine Suche nach einer Erklärung beschrieben hat. Und wie mit jeder Zeile alles noch viel schlimmer wird.
Am Ende gibt mir sein Artikel den Mut weiterzumachen, auch wenn alles so richtig den Bach hinunter geht.
Ausgeknocked und ausgeraubt – Athen wie man es niemandem wünscht

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Gesa hat exakt das in Worte gefasst, was mich seit langer Zeit immer wieder verrückt macht.
Über den Druck, viel schreiben zu müssen. Über das Vertrauen, dass gute Qualität geschätzt wird. Früher oder später.
Über Fehler, über Erfolge. Über Demut gegenüber Arbeit.
Ich war grad in der Versenkung. Schönen Gruß von deiner Arbeit.“ (Ich liebe diesen Titel!)

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Was diesen Guide zu einem Israel Roadtrip für mich so speziell macht, ist Connis Schreibstil.
Es geht nicht darum, welche Worte sie wählt, sondern wie sie ihre Worte wählt. Sie kann ihre Begeisterung und Lebensfreude in ihren Artikel übertragen, ohne dass es gespielt klingt. Ihre Direktheit macht diesen Guide so spannend.
Roadtrip durch Israel: Von Hummus und drei Meeren. Ein Guide.

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Ute steigt aus. Was so einfach klingt, ist ein langer Prozess, der so radikal und doch auf
merkwürdige Weise normal ist. Zwischen allen Diskussionen um Zweifel, Zwänge und Verpflichtungen, falsche Freiheit, GEZ‐Gebühren und teuren Latte Macchiato geht es um die alles entscheidende Frage: Was fange ich mit meiner Lebenszeit an und was will ich wirklich? „Aussteigen, aber was ist mit dem Geld?

Danke für’s Mitreisen! Auf ein neues Jahr voll Freiheit. Ich muss los.
Schreiben, schreiben.