Kaffeeersatz

Europas Surfkultur im Filmportrait „The Old, The Young & The Sea“ ‐ Ein Interview mit den Machern

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Mensch und Surfboard ‐ Ein Portrait Europas Atlantikküste

Fotos: Nomad Earth

Wer träumt nicht davon mit einem Bulli durch die Länder Europas zu cruisen. Das Surfbrett auf dem Dach und die Landschaften mit den kulturellen Eindrücken auf sich einwirken lassen. So ähnlich hat es das Team von Nomad Earth dieses Jahr gemacht. Jedoch verfolgten sie dabei ein Ziel. Mit dem Filmprojekt The Old, The Young & The Sea dokumentieren sie die Surfkultur entlang der Atlantikküste von Frankreich über Spanien und Portugal. Als ich mir auf der Homepage die genialen Fotos und die bewegenden Geschichten durchgelesen habe, war ich stark beeindruckt von dem Vorhaben und der Professionalität, die dahinter steckt.
In einem Interview mit Andreas Jaritz von Nomad Earth, stellen wir euch das Projekt genauer vor. Lest etwas über Sunny‐Boys, kulturelle Begegnungen und Reisefreiheit.

Stefan: Ein echtes Mammutprojekt. Bedenkt man, wie viel Aufwand in der Vorbereitung steckt, um auf „Recherchereise“ zu gehen, hattet ihr sicherlich Höhen und Tiefen. Was ist der Kerngedanke von „The Old, The Young & the Sea“ und welche Nachwirkungen erhofft ihr euch?

Andreas: Der Kerngedanke von The Old, The Young & the Sea ist ein Portrait Europas Küste, deren Bewohner und Besucher zu machen. Die thematische Klammer bildet dabei der Surfsport. Alle Protagonisten unseres Films haben mit dem Ozean und zumeist auch mit dem Surfen zu tun. Eine Nachwirkung die wünschenswert wäre, ist die Loslösung vom Cliché‐Bild des Surfers in den Köpfen der Zuseher: jahrelang hat uns die Surfindustrie ihre Helden gezeigt, Leistungen, die die meisten von uns nie erzielen können, und natürlich viele viele schöne Körper. Ein bisschen eindimensional war es dann oft schon fast. Wir möchten versuchen, das Leben auch all jener zu zeigen, die jeden Tag surfen, aber eben nicht super‐ ästhetisch ihre Linie fahren. Wir wollen das Besondere im Normalen entdecken, aber natürlich zeigen wir auch Top‐Leistungen und Top‐Athleten. Es geht darum, Surfen in Europa in seiner Ganzheit zu zeigen. Es ändert sich aber stets die Perspektive.

Stefan: Das Projekt erhält Unterstützung von wirklich namhaften Unternehmen. Hättet ihr es auch ohne Sponsoren versucht?

Andreas: Ja. Aber dann wäre es fast schon unmöglich gewesen, das Projekt in Angriff zu nehmen. Zum einen, weil dann gar keine Kohle außer der eigenen da wäre und zum anderen, weil wir über unsere Partner zu enorm wertvollen Kontakten in den Regionen gekommen sind.

Stefan: Wie viel Zeit habt ihr auf euren Brettern verbracht und wie viel Zeit mit dem Projekt?

Andreas: Man versucht natürlich auf der Reise so viel wie möglich ins Wasser zu kommen. Muss man auch, sonst verliert man den Zugang zur filmischen Materie 😉 Es gab auf den Drehreisen immer wieder Phasen, wo wir tagelang nicht ins Wasser gekommen sind, dann aber auch wieder fast jeden Tag. Leider haben wir selbst nur selten bei perfekten Bedingungen surfen können… da wurde zumeist gefilmt.

Stefan: Auf der Homepage des Projekts stellt ihr verschiedene Persönlichkeiten und Projekte vor, die ihr auf eurer Reise entdeckt habt. Zufällige Begegnungen oder akribische Planung vor Reiseantritt?

Andreas: Beides. Der Plan war von Anfang an, eine Kombination aus vorweg geplanten Interviews und zufälligen Bekanntschaften zu machen. Das deckt sich auch mit unserem sozialwissenschaftlichen Background: Wir sind selbst ins Feld gegangen, Leben mit den Protagonisten mit (reisen mit ihnen, campen selbst, surfen mit unseren Interviewpartnern etc.) und lernen von ihren Erfahrungen und Tipps. Wenn du ein fertiges Skript hast, nachdem du dich richtest, kannst du fast nicht mehr zufällig auf die Top‐Story stoßen, weil du nur mehr an deinen Vorstellungen kleben bleibst.

Stefan: Was hast du für dich Persönlich von den Menschen gelernt, die du unterwegs getroffen hast?

Andreas: Extrem viel von jedem einzelnen. Vor allem aber, dass es so viele Zugänge zum Surfen und so viele Lebensmodelle gibt, dass man nicht von richtig oder falsch sprechen und in schwarz/weiß denken kann. Egal für welches Lebensmodell man sich entscheidet, man kann sich immer weiterentwickeln, es gibt immer Perspektiven und Möglichkeiten.

Stefan: Wie konntet ihr auf der Reise online bleiben und das Material für eure Homepage erarbeiten?

Andreas: Wir haben uns in Frankreich, Spanien und Portugal jeweils Wertkarten SIM‐Karten für mobiles Internet besorgt. Dazu haben wir uns einen USB‐Stick mit ein bisschen mehr Power zugelegt und mit einer externen Antenne im Bulli verkabelt. Hängt man das Ganze dann noch an einen kleinen WIFI‐Router im VW‐Bus, kann man größtenteils auch in etwas abgelegenen Gebieten gut online arbeiten (großer Dank an den Mathias für den technischen Support!)

Digitale Nomaden ‐ Arbeiten unterwegs

Stefan: Diesen Herbst rollte euer Bulli wieder auf der Straße. Habt ihr die gleiche Route genommen oder gab es Planungsänderung (verglichen mit der ersten Tour im Frühjahr)?

Andreas: Wir sind grundsätzlich die gleiche Tour gefahren, haben einige Orte ausgelassen und manch neuen Spot dazugenommen. Der Plan ist recht gut aufgegangen, die Route zweimal zu machen. Im Frühjahr hatten wir kaum gute Wellen, da war der Herbst Gold wert. Und richtig cool war auch, dass wir bei der zweiten Tour Freunde und Bekannte der ersten Reise besucht haben und nicht mehr überall als Fremde ankamen.

Stefan: Zum Schluss. Welche Bedeutung hat für dich das Wort Reisefreiheit?

Andreas: Zweifache Bedeutung: Einerseits, dass ich frei bin / frei habe, um auf Reisen gehen zu können und andererseits, dass ich auf Reisen die Freiheit habe, dorthin zu gehen, wohin es mich zieht. Reisefreiheit ist meiner Meinung nach fast nicht mehr gegeben, weil man durch den Medienkonsum so stark beeinflusst wird („Must‐Dos“, „Du kannst nicht nach X fahren, ohne Y gesehen zu haben“), dass man auf Reisen fast nicht mehr frei entscheidet was man macht.

Hier der erste Trailer zum Filmprojekt:

Wandern im Elbsandsteingebirge: Unser Kurztrip in Bild und Ton

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Fotos: Stefan Eschert mit seiner Canon AE‐1
Video: Oli Kaffeeersatz mit seiner pseudo HD‐Kamera

Vor einigen Wochen erkundeten Oli und ich das Elbsandsteingebirge. Es war ein Wochenende. Fernab der Großstadt, der Arbeit und des Handyempfanges. Ein Reisebericht für zwei Tage im Elbsandsteingebirge wäre viel zu langweilig. Wir haben unsere Tipps für das Elbsandsteingebirge bereits veröffentlicht. Daher haben wir in diesem Beitrag unsere Vorfreude aus der Sicht des Einzelnen, den Trip in analogen Fotos und einem Video festgehalten. Ein audiovisueller Mix, der die Sitz‐ und Liegeposition vergehen und euch die Wanderschuhe anziehen lässt.

PS: Das Video befindet sich ganz unten.

Compadre Stefan:

Es passt nicht hierher. Dieser Gedanke drang durch mich hindurch, als ich das Elbsandsteingebirge zum ersten Mal mit Freunden erkundete. Die Felsformationen, die an Grand Canyons erinnern, passten einfach nicht in mein deutsches Landschaftsbild, das sich in meinem Kopf aufgebaut hat. Vom horizontgeraden Tiefland im Norden, über hüglige Mittelgebirgslandschaft, bis hin zum schroffen Hochgebirgsland im Süden. Aber diese kleine Ecke, gerademal eine halbe Stunde südlich von Dresden entfernt, an der Grenze der Tschechischen Republik gelegen, befindet sich ein kleines Wander‐ und Kletterwunder in unserem Lande.
Seit dem Tage, mein Wanderdebut zwischen diesen vom Moos bewachsenen Felswänden in der Sächsischen Schweiz, nehme ich mir jedes Jahr ein paar Tage Zeit und genieße diese atemberaubende natürliche Schönheit, die diese Region zu bieten hat. Ein wegweisender Ort, wenn Sorgen und Gedanken vor einer mentalen Sackgasse stehen. Jedes Jahr mit neuer Wanderbegleitung.
Dieses Jahr begleitete mich Oli. Ich hoffe, dass er ebenfalls diese Region als etwas Besonderes, wenn nicht sogar als Sublim ansieht.

Amigo Oli:

Eigentlich wollte ich den ganzen Trip absagen.
Wandern im Elbsandsteingebirge.
Quasi spazieren gehen mit ein paar Höhenmetern.

Wahrscheinlich würde Stefan außerdem auf unserer Route jeden einzelnen Baum umarmen. Na vielen Dank auch. Doch als ich dann an jenem Samstag Morgen um 6 Uhr aufstand, um meinen Companion am Berliner Hauptbahnhof aufzugabeln, bereitete mir die aufgehende Sonne große Vorfreude.

Ein asphaltierter Wanderweg. Rentner, viele Rentner und Familien.
Ich so: So, wandern jetzt.
Er so: Nicht wandern, hiken!
Wir biegen in eine kleine, von Tannen gesäumte Allee. Die wilde Hölle. Keine Rentner. Keine Familien. Der Weg wird zum Pfad, der Pfad zum Stieg. Mittlerweile kraxeln wir über Felsformationen, die ich nur aus Jurassic Park kenne. Uns kommen Wanderer mit Schutzhelmen entgegen. Jetzt geht‘s los, denke ich mir.

Wie sagte bereits Christopher im Film „Into The Wild“: „Anstatt Liebe, Berühmtheit oder Geld oder Vertrauen oder Fairness…gebt mir Wahrheit“. An unser Video angepasst, wäre es in etwa so:
„Anstatt Slow‐Mo‐Effekte, Cinemagraphs oder analoge Kameras…gebt uns einen High Definition Camcorder!“