Kaffeeersatz

5 Gründe, um 100 Kilometer am Stück zu laufen

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Am 31. Mai startet in Berlin der dritte Mammutmarsch. Hier sind fünf Gründe, warum es sich lohnt, 100 Kilometer am Stück zu Fuß zu laufen.

1) Die Herausforderung scheint riesig – aber sie ist machbar

100 Kilometer scheinen für die meisten eine unüberwindbare Distanz zu sein. 30, 40 Kilometer wandern, das ist ganz ordentlich. 50 Kilometer sind schon ziemlich stramm. Aber 100? Niemals! Dabei ist es anders als beim Marathonlaufen auch für Hobbysportler möglich, diese Distanz ohne mühsames Training zu überwinden. Klar, die Muskeln übersäuern, werden steif und unbeweglich wie Rohre, das Laufen tut weh. Aber wer keine orthopädischen Vorschäden hat und sich unterwegs gut verpflegt, wird weiterlaufen können – auch wenn alles in einem nach Aufhören ruft. 100 Kilometer zu wandern ist vor allem Kopfsache. Umso größer ist die Genugtuung, wenn man am Ende feststellt, dass es tatsächlich möglich war, diese Herausforderung zu meistern.

2) Eine weite Reise für wenig Geld

Für das Gefühl, eine große Reise zu unternehmen, geben die Meisten ganz schön viel Geld aus. Dabei braucht man nicht mehrere hundert Euro für einen Flug in die Ferne zu bezahlen, um wirklich weit fort gewesen zu sein – und um ein intensives Erlebnis zu bekommen. Wer 100 Kilometer am Stück zu Fuß hinter sich bringt, wird das Gefühl haben, von einer weiten Reise heimzukehren. Die Zeit dehnt sich unfassbar aus. Erreicht man das Ziel, ist der Raum geschrumpft, aber das Leben scheint größer geworden zu sein. Für viele Teilnehmer ist es die längste Reise ihres Lebens. Wegen des Schmerzes und der Überwindung, die es kostet, weiterzulaufen. Und wegen der Euphorie, wenn man am Ende tatsächlich im Ziel ankommt.

3) Ein gemeinsames Ziel ist schön

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und Glücksgefühle werden größer, wenn man sie mit anderen teilt. Wer 100 Kilometer am Stück läuft, macht das meiste mit sich im Kopf aus. Mit der inneren Stimme, die einen zum Aufgeben bewegen will. Aber trotzdem ist man nicht allein. Mit anderen zu laufen kann sogar helfen, auf den letzten Kilometern die letzten Kraftreserven zu mobilisieren. Man wächst zusammen im Angesicht der Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Große Ereignisse und Emotionen schweißen zusammen. Aus Fremden können Freunde werden.

4) Jeder, der die Ziellinie erreicht, ist ein Sieger

100 Kilometer zu laufen ist ein Wettbewerb, den man einzig und allein gegen sich selbst austrägt. Es gibt keine kleinliche Konkurrenz mit anderen. Auch wenn der eine Teilnehmer schon nach 22 Stunden ins Ziel kommt: Jeder Einzelne, der die Ziellinie überschreitet, ist ein Gewinner. Jeder kann stolz auf sich sein, egal wie lange er braucht. Und auch wer nur die 50 oder 70 Kilometer schafft, ist ein Sieger. Denn die Grenzen, die man kennt, existieren nur für einen selbst. Wer sie überwindet, gewinnt.

5) Vieles wird möglich

„It’s kind of fun to do the impossible“, soll Walt Disney gesagt haben. Aber es macht nicht nur Spaß: Das scheinbar Unmögliche zu tun – nämlich 100 Kilometer ohne zu schlafen marschieren – definiert auch die eigenen Grenzen und Potenziale neu. Vielleicht wächst daraus die Erkenntnis: Moment mal, was ich bisher für mich für komplett ausgeschlossen gehalten habe, lässt sich doch umsetzen. Das gibt Kraft und Motivation in Bereichen, die weit über das Laufen hinausgehen. Es ist natürlich auch eine Kompetenzerfahrung: Ich kann das Unmögliche tun, wenn ich nicht aufgebe. Wer 100 Kilometer am Stück läuft und total kaputt ist, wird sich im gleichen Moment unwahrscheinlich stark fühlen.

Der Mammutmarsch geht von Berlin durch Brandenburg nach Seelow‐Gusow. Alle Informationen gibt es auf www.mammutmarsch.de. Die Startgebühr kostet 30 Euro.

Hier erklärt euch Bastian von Mammutmarsch, warum er 100 Kilometer am Stück laufen wollte:

Roofspeeding auf den Dächern Berlins

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Wir betreten die Beachvolleyballhalle South Beach. Nehmen die Treppe bis in die zweite Etage, weiter nach oben bis auf den vom Sand verstaubten Dachboden. Durch die Luke steigen wir aufs Dach. Es weht etwas Wind. Daniel Gossen, Doppelweltmeister im Speedminton, erklärt uns die Regeln, steckt das Spielfeld ab und los geht’s!

Zum Spielen werden nur Schläger und ein Speeder benötigt ‐ das Feld könnt ihr entweder mit einem Band abstecken oder in den Sand oder Schnee zeichnen, wie ihr wollt. Dadurch könnt ihr es überall auf der ganzen Welt spielen.
Durch die ausgefallene Location haben wir gleich zwei Herausforderungen an einem Tag:

1. Nicht vom Dach fallen und einen schnellen Tod sterben.
2. Den Weltmeister in die Schranken weisen.

Wir bekommen sogar Daniels Turnierschläger, um uns einzuspielen. Seine Schläger waren wahrscheinlich auch der Grund, weshalb unsere Leistung nicht sooo schlecht war.

Aber wie sieht Speedminton jetzt nun aus? Das könnt ihr euch in diesem kurzen Video anschauen!

Steven und ich haben die Herausforderung gegen Daniel trotzdem nicht gewonnen. Deshalb haben wir uns sofort eine neue Herausforderung gesucht – wer hat das bessere Video produziert? Wer am 01. Mai die meisten Stimmen hat, ist der Sieger. Der Gewinner von uns beiden bekommt ein Speedminton Set, überreicht vom Weltmeister persönlich. Der Verlierer organisiert ein Turnier in einem Berliner Park für alle, die Lust haben mitzumachen.

Schaut euch auch Stevens Video an und stimmt in den Kommentaren ab!

Vielen Dank an Allyn von visitBerlin für die gute Organisation!

Der Mann, der im Wald Akkordeon spielte

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Bevor du diesen Artikel anfängst zu lesen, solltest du diesen Song jetzt abspielen:

Es war ein grauer Herbsttag. Keine Sonne, nur graue Wolken in einer von welkenden Blättern übersäten Waldidylle. Elvis und ich schienen die einzigen Seelen im Wald gewesen zu sein. Ich hatte das Bedürfnis ohne Ziel umherzulaufen. Ich musste nachdenken, wusste nicht worüber, wollte es aber herausfinden. Handy, Kamera, Musik, Buch ‐ alles ließ ich zu Hause. Nur mein Hund, ich und die Rehe, die im Wald graziös umhersprangen. Viele reden vom Herbst als schönste Zeit des Jahres. Was viele jedoch nicht wissen ‐ man kann den Herbst auch fühlen, sofern man denn möchte.

Keine andere Jahreszeit ist so intensiv prädestiniert für Nostalgie wie der Herbst. Nach den sonnenreichen Monaten, die uns mit Glückshormonen gemästet haben, wird es Zeit für ein wenig Entschleunigung, um wieder zur Besinnung zu kommen, versteckt hinter Schal und Mütze. Oft möchte ich in diesen Monaten diese ganze sinnvolle Sinnlosigkeit an digitalen Gerätschaften wie Handys, Laptop oder dieses Internet in die Tonne werfen. Von all unseren Besitztümern, gibt es ein paar verstaubte Schätze, die uns den Herbst fühlen lassen können. Die analoge Kamera, die mit einer Rolle Kodachrome gefüttert wird (wird leider nicht mehr hergestellt). Der Schallplattenspieler, der uns mit seiner abgenutzten Plattennadel Miles Davis‘ „My Funny Valentine“ in analoger Tiefe abspielt. Dazu ein Buch aufschlagen. Ein echtes Buch mit echten Seiten, die man umblättern kann. Idealerweise mit vergilbten und brüchigen Seiten, die ihren eigenen Geruch absondern. Dazu einen Tee und eine hausgemachte Waffel mit Puderzucker, deren Duft in der ganzen Wohnung verteilt wurde. All diese Analogien der Haptik, Pioniere unseres heutigen Lebensstils.
Was ich mag: Eine Wanderung mit meinem Hund durch den Wald. Dabei den Duft der aufgebrochenen Kastanien, kombiniert mit dem Geruch vom Wildtier und der faulenden Blätter aufnehmen. Ab und zu erwischt uns auch eine Pilznote.

Ich watete durch die verwelkten Blätter. Ein lautstarkes Geräusch, das sich in dieser lautlosen Umgebung wie ein startendes Flugzeug anhört. Kein Vöglein zwitschert. Keine Wanderer kreuzen den Weg. Elvis genoss den Ausflug. Dank seines für Beagles typischen Tricolor‐Fells, passte er in diese Umgebung, als hätte er sie erschaffen. Elvis, dieser Gott! Manchmal stelle ich ihn mir als Engländer vor. Die gebogene Pfeife in der Schnauze, Schiebermütze auf dem Kopf, Weste mit Taschenuhr, Monokel und eine Flinte an der Schulter gelehnt. Im Hintergrund das Herrenhaus. Mit prüfendem Blick darauf wartend, dass sein Herrchen auf allen Vieren die Fährte des Wilds erschnüffelt. Was für ein Gentleman!
Was ich nicht mag: Ein bewölkter Nachthimmel im Oktober, Fontane im November, den Dingen nicht auf den Grund zu gehen, Dezember.

Elvis, der Gott

Nach ca. 1,5 Stunden wandern vernahm ich etwas Untypisches. Etwas Fremdes. Etwas, das ich nicht einordnen konnte. Nach weiteren 20 Minuten war ich mir sicher: es war Musik. Ein Akkordeon. Jemand spielte ein Akkordeon im Wald. Ich war fassungslos. Interessiert daran, woher diese Klänge kamen, ging ich weiter. Die Musik spielte, ganz langsam, immer lauter. Keine andere Musik passte besser in dieses herbstliche Gemälde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Akkordeon im Herbst erfunden wurde. Und wenn das Gegenteil bewiesen werden kann, habe ich trotzdem recht. Ist eben so. Es klingt viel zu schön. Als schwebe die Musik wie Nebel durch den Wald. Dabei wurde das Akkordeon nicht als Schlagerinstrument vergewaltigt. Es erklang im stilvollen französischen Liedertum. Yann Tiersen in seinen besten Jahren. Es gibt Situationen, in denen es mir schwer fällt, dass mich die Realität umgibt. Vielmehr erscheint alles wie ein Ausgleich der Gefühle. Wie in einem Traum kann ich Gefühlszustände nicht einordnen. Mir wird auf‘s Neue schwindlig, wenn ich darüber nachdenke. So erging es mir, als ich die Musik im Wald vernahm.

Ein Bootsman im Morgennebel

Ich stand wenige Meter vor dem alten Mann, der im Wald Akkordeon spielte. Er saß auf einem Steg einer Hütte, die zu einem Waldsee hinausblickte. Direkt sehen konnte ich ihn nicht. Erhaschte jedoch einen kurzen Blick, als ich seitlich auf die Hütte zuging. Die Hütte, versteckt zwischen den Bäumen, versperrte den Zugang zum Steg. Ich überlegte, wusste nicht, ob ich mich zu ihm gesellen sollte. Sehnsüchtig möchte ich mich mit ihm unterhalten. Über den Zauber, den er mit seinem Akkordeon über See und Wald ausstrahlte. Wer so spielt, hat Geschichten zu erzählen. Solch eine Melodie spielt man nicht einfach so. Dahinter verstecken sich Erinnerungen. Ich blieb stehen. Irgendetwas hielt mich davon ab, dieses Haus zu betreten. War es dieser Zustand eines Traumes in der Realität?

Ich drehte mich um und wanderte zurück zum Auto. Etwas benommen fuhr ich nach Hause. Es fühlte sich mehr als nur Herbst an.

Welche Musik ihr jetzt hören müsst: Bon Iver (siehe oben) und Miles Davis
Welche Bücher ihr jetzt lesen müsst: Tender Bar und Das Spiel des Engels und Hollywood

Wenn der Topf seinen Deckel sucht

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Berlin ‐ Ankunft. Zehn Minuten. Das ist die Zeitspanne, die ich in meiner Küche schweigend dastand, den Rucksack noch auf den Schultern. Das Handgepäck noch in der Hand, wusste nicht wohin mit mir. Ich kam gerade aus Norwegen. Eine Kooperation mit Visit Norway und Wideroe. Sechs Tage, acht Flüge. Nur Action. Kaum Schlaf. Total ausgebrannt. Und jetzt? Viele kennen das Gefühl. Du stehst in deiner Wohnung und fragst dich, wo die ganzen Menschen um dich herum geblieben sind. Die tödliche Stille der Einsamkeit holt dich ein. Frisst dich auf. Wie geht es dir? Schlecht. Körperchen zwickt und möchte schlafen. Die Augenringe bekommen bereits Augenringe. Seit vier Wochen vermisse ich den Schlaf, wache zu tiefer Stunde der Nacht auf und bekomme die Augen nicht bis zum Donnerschlag des Weckers zu.
Schlafmangel ist die heftigste Modekrankheit. Anders als bei Rücken‐ oder Kopfschmerzen, legt es nicht nur dein Gehirn Schritt für Schritt lahm, du wirst auch in Alltagssituationen mega aggressiv. Plötzlich steigt dir alles zu Kopf und die Taube vor dir auf dem Gehweg möchte wohl von dir getreten werden, oder was?! Das bist nicht du. Geduld ist keine Tugend mehr. Powernaps in Flugzeugen, Bus, Bahn und Auto deine Meditation.

Vielleicht liegt es an der mangelnden Geborgenheit. Ständig unterwegs, alleine reisen und immer auf sich selbst angewiesen. Nach einer Reise ankommen und allein zu sein gefällt mir nicht. Allerdings kenne ich nur diese Seite. Beziehungen haben in letzter Zeit nicht funktioniert. Viel unterwegs, viel erleben, alles sehen und alles nehmen. Den Genuss der Freiheit finden. Der allgemeine Glaube, dass viele Reisen auch viele Frauenbekanntschaften mit sich bringen, ist ein Mythos. Zumindest bei den Kurzzeitreisenden. Es bleibt keine Zeit für die Liebe. Bei den Langzeitreisenden läuft es anders. Sie reisen langsamer. Gesünder. Sie haben die Zeit sich zu verlieben.
Leider gehöre ich nicht dazu. Viele Reisen in kurzer Zeit. Ungesünder. Total ausgebrannt. Kein Platz für eine Frau. Ohne geht es aber auch nicht. Dafür gibt es Musen. Frauen, die dich mit Kreativität und Inspiration versorgen. Es sind ihre Verhaltensmuster, ihre Körper und ihre eigene Kreativität, die deinen Motor wieder anschmeißen. Und ihre Geborgenheit. Die beste Medizin gegen diese Leere der Heimkehr.
Drei von diesen Musen stehen in meinem Telefonbuch. Eine lebt in Berlin, zwei in Norddeutschland. Wir kennen uns schon unser ganzes Leben. Es hat nichts mit Sex zu tun, vielmehr mit Liebe. Aber nicht diese große Liebe. Das passt nicht. Das darf nicht passen. Zwei von ihnen haben Lebenspartner und das freut mich für sie. Es ist eine der vielen Unterkategorien der Liebe ‐ die Verantwortung und Fürsorge. Wer die Gedankenwege, die Verhaltensmuster und die Vorlieben eines anderen Menschen bis ins Detail kennt, fühlt sich verantwortlich für den anderen. Die Hand halten, Geld leihen in Zeiten der Not, der sichere Heimweg in einer feierlichen Nacht oder der Schwarztee mit Milch und einer kleinen Löffelspitze Zucker am nächsten Morgen. Dem anderen Freiheit und das Gefühl der Sicherheit schenken, wenn er es am meisten ersehnt. Und wenn es nur für eine Nacht ist. Klingt einfach, ist schwierig, aber verdammt wichtig im Leben.

Berlin Moabit. Später am Abend. Party in der Beusselstraße. Dort traf ich sie. Freute mich, dass sie es noch nach Berlin geschafft hat. Kurze Begrüßung. Wo geht die nächste Reise hin? Frankreich, surfen an der Atlantikküste. Wie fühlst du dich? Frag lieber nicht. Sie weiß alles, was sie wissen muss und jeder geht seine Wege. Ich ließ mich von der Party von Raum zu Raum treiben. Physisch war ich anwesend. Psychisch war ich noch in Norwegen. Immer noch gefangen im Reiserausch. Der Bremsweg zurück zur Normalität ist lang. Es dauert ungefähr zwei Tage bis man wieder zu Hause angekommen ist. Ich versuchte mich mit Frauen zu unterhalten, hübschen Frauen, und ärgerte mich, dass ich gänzlich unfähig war eine gepflegte Konversation zu führen. Drei Bier, zwei Joints und eine Messerspitze Speed zum Nachtisch gegen die Müdigkeit. So fühlte ich mich. Tatsächlich nuckelte ich seit Stunden an der gleichen Flasche Bier. Der Schlafmangel fraß mich auf. Da lief nichts mehr. Wollte nicht reden. Wollte zuhören. Aber wer lässt einen heute noch zuhören? Ständig wird man ausgefragt und muss seine Meinung zu Nichtigkeiten äußern. Gemeinsames Schweigen ist manchmal die angenehmste Kommunikation. Und die Intimste. Wer zusammen schweigen kann, hat es geschafft. Diesen Menschen sollte man nicht verlieren.
In dieser Nacht übernahm ich diese Sache mit der Verantwortung und Fürsorge. Sie lag mit dem Rücken auf dem Küchenboden in der Party‐WG. Ich wusste wie sie sich fühlte. Sie wollte so schnell wie möglich nach Hause. Gleichzeitig wollte sie noch auf der Party bleiben. Ich ließ sie noch eine Bierlänge liegen, leistete ihr Gesellschaft und vertrieb neugierige Blicke. Danach packte ich sie, trug sie nach Hause, legte sie in mein Bett, deckte sie zu und legte mich neben sie. So nah bis ich ihren markanten Duft wahrnahm, der sie schon seit unserer Kindheit unverwechselbar macht.
Dankbar schlief ich ein. Ohne Schlafunterbrechung. Bis zum nächsten Morgen.

Meine neue Sucht: Windsurfen!

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Ein Surferlebnis in Kooperation mit Rügen Piraten.

Na klasse. Seit Monaten hatte ich Hummeln im Hintern und konnte es kaum erwarten, endlich Surfen zu lernen. Auf dem Weg nach Rügen, wo die Surfschule liegt, stieg der Puls. Endlich stand ich auf dem Brett, zog das Segel hoch und ‐ nichts passierte. Der ablandige Wind wehte so entspannt, dass eine heranwehende Brise schon eine Unwetterwarnung wäre. Und plötzlich erblickte ich kleine sich nähernde Wellen. Die Bäume an der Küste schüttelten ihr Blattwerk. Wind schien aufzukommen! Ich machte mich bereit und umklammerte den Gabelbaum fest mit meinen Händen. In Sekundenschnelle füllte sich das Segel mit Wind ‐ und wurde aus meinen Händen gerissen. Super, Stefan. Ganz großes Kino. Ob ich die Sache mit dem Surfschein noch hinbekomme?

Dabei hätte ich es vorher wissen müssen. Wasser ist nicht gerade ein Element, mit dem ich eine Ehe für‘s Leben eingehen würde. Vielleicht mit der kleinen Schwester ‐ dem Schnee. Der Winter ist der Sommer der Snowboarder. Meine Eltern haben mir früher ein Snowboard geschenkt und damit wurde eine Sucht geboren. Die Sucht nach dem Winter, den Bergen, dem Snowboarden. Parallel dazu entstand eine Leidenschaft für den sommerlichen Bergsport. Bergsteigen, Klettern und Trekking sollten im Sommer meine Urlaubstage und Wochenenden für den Wintersport ausgleichen.

Das Meer und der Wassersport waren nie präsent. Ich erinnere mich jedoch an ein Gespräch mit einer Surfermaus, die mir ihre Leidenschaft näherbrachte. Wir saßen mit einer Flasche Wein auf dem Boden im Wohnzimmer. Hinter ihr hing ein Neoprenanzug. Gleich daneben, in einer Ecke, lehnte ein Surfbrett an der Wand und beobachtete uns. Viele Geschichten erzählte sie. Über Wellenreiten in Australien oder Frankreich. Windsurfen auf den Binnengewässern in Deutschland. Dieser Minimalismus des Reisens gefiel mir. Mit dem Auto ans Meer fahren, surfen und abends am Feuer einschlafen, um fit für den nächsten Surftag zu sein. Keine Hotels, kein Luxus ‐ das ist mein Ding.
Was ich denn brauche, um mit dem Surfen anzufangen, wollte ich wissen. Mit dem Windsurfen sollte ich beginnen und einen Grundkurs machen, riet sie mir. Nach dem Ablegen der Prüfung bekommt man eine Bescheinigung, die es erlaubt, international Surfausrüstung auszuleihen. Schon wieder eine Prüfung. Warum braucht man für jeden Furz eine Bescheinigung? Wir diskutierten heftig über Prüfungen im Leben.

Ein Jahr später ‐ Sommer 2013. Durch die Surfschule „Rügen Piraten“ erhielt ich die Möglichkeit, einen Grundkurs und die damit verbundene Prüfung abzulegen. Vier Tage dauert der Kurs. Die Lehrer sind echte Surfer. Lässig, immer ein Lächeln im Gesicht und voller Wissen und Erfahrungen. Spielend erklären sie uns, wie wir den Wind ideal nutzen. Alles dreht sich um Luv und Lee (Luv = windzugewandte Seite; Lee = windabgewandte Seite). Die Begriffe sind mir noch aus meiner Segelflugausbildung geläufig. Der Surfkurs zeigt wie wir die Kräfte der Natur nutzen, um uns fortzubewegen. Das gefällt mir. Schließlich ist es ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man sich ohne Motor fortbewegen kann. Sei es mit einem Segelboot, Segelflugzeug, Snowboard oder eben einem Surfbrett. Ohne Motorengeräusch, ohne Lärm, ohne Gestank. Sollte jeder mal ausprobieren.

Nach einigen Stunden auf dem Surfbrett habe ich ein Gefühl für Wind und Segel bekommen. Klar, meine Haltung gleicht den Laufversuchen eines frisch geborenem Rehkitz. Aber hey, zum Üben bleibt noch viel Zeit. Schnell bekommt man ein Gefühl für das Brett und freut sich, wenn etwas Wind aufkommt. Nach den vier Tagen erhielt ich den Windsurfschein. Stolz schlenderte ich zum Strand und blickte zum Horizont. Wie sollte es jetzt weitergehen? Hatte ich das Surfen für mich entdeckt?
Ich beobachtete die Windsurfer auf dem Wasser und ertappte mich dabei, wie ich bei jedem Manöver und bei jedem steigenden Windzug mitfieberte. Mein Herz schlug höher. Das schien die Antwort zu sein ‐ ich spürte den Anflug einer Sucht.

Wie damals, beim Snowboarden.

Kommentar: Blöderweise konnte ich keine Fotos vom Surfen machen, da ich keine Wasserfeste Kamera habe. Aber dafür haben wir am Strand ein paar Fotos gemacht. So aus Quatsch. Quatschbilder eben.
Vielen Dank an Jan und Alex, dass ich diese Fotos verwenden darf. Sorry an Gordon, dass ich das „Deppenfoto“ reingenommen habe…aber das ist einfach großartig!
Weiterhin vielen Dank an „Rügen Piraten“, dass ihr mir die Möglichkeit für einen Windsurfkurs gegeben habt.